ETF Sparplan Österreich 2026 - steuereinfach, Broker-Vergleich, KESt

Von Redaktion Finanzguide Stand 30.09.2026 Lesezeit 11 Min

ETF-Sparplan-Rechner 2026

Nettoerlös beim Verkauf

€ 129.079

Einzahlungen

€ 60.000

In heutiger Kaufkraft

€ 78.677

Depotwert vor dem Verkauf€ 145.493
KESt beim Verkauf auf den restlichen Kursgewinn-€ 16.414
KESt während der Laufzeit (vom Verrechnungskonto)€ 7.096
Überschuss nach allen Steuern€ 61.982

Modellrechnung für einen thesaurierenden Meldefonds bei einem steuereinfachen Broker: gleichbleibende Rendite (keine Prognose), jährlich besteuerter ausschüttungsgleicher Ertrag als Anteil des Depotwerts, Verkauf aller Anteile am Ende. Ohne Sparplan- und Depotgebühren; Kaufkraft bei 2 % Inflation. Keine Anlageberatung.

Wie funktioniert der ETF-Sparplan in Österreich steuerlich?

In Österreich fallen auf ETF-Erträge 27,5 Prozent KESt an: auf Kursgewinne beim Verkauf, auf Ausschüttungen und bei thesaurierenden Fonds jährlich auf die ausschüttungsgleichen Erträge. Einen Freibetrag gibt es nicht. Ein steuereinfacher Broker führt die KESt automatisch ab; bei ausländischen Brokern ist jedes Jahr eine Steuererklärung nötig.

Steuereinfach sind laut broker-test.at (Stand September 2026) unter anderem flatex, DADAT, easybank, Erste Bank, BAWAG PSK, Bank Austria, bank99 und seit Ende April 2025 Trade Republic. Nicht steuereinfach sind etwa Scalable Capital, Trading 212, Bitpanda, DKB und Consorsbank: Dort erklären Sie die Erträge selbst über FinanzOnline. Welcher Broker wofür passt, steht im Online-Broker-Vergleich.


KESt 27,5 Prozent - kein Freibetrag, ab dem ersten Euro

Anders als Deutschland kennt Österreich keinen Sparerpauschbetrag. Jeder Cent Gewinn unterliegt der Kapitalertragsteuer von 27,5 Prozent. Die KESt greift auf vier Ertragsarten:

  1. Realisierte Kursgewinne (Verkauf über Einstandswert).
  2. Dividenden bei ausschüttenden ETFs.
  3. Ausschüttungsgleiche Erträge bei Thesaurierern - der Fonds rechnet einmal jährlich, welcher Ertrag fiktiv ausgeschüttet worden wäre, dieser Betrag wird sofort versteuert. Der Einstandskurs erhöht sich um diesen Betrag (sogenannte Anschaffungskosten-Erhöhung), damit bei späterem Verkauf nicht doppelt versteuert wird.
  4. Substanzauszahlungen und Liquidationserlöse.

Verluste aus dem Verkauf von Wertpapieren werden nur mit Gewinnen desselben Kalenderjahres verrechnet; einen Verlustvortrag ins Folgejahr gibt es im Privatvermögen nicht. Der steuereinfache Broker gleicht automatisch innerhalb seiner eigenen Depots aus. Liegen Gewinne und Verluste bei verschiedenen Banken, holen Sie den Ausgleich über die Verlustausgleichsoption in der Einkommensteuererklärung nach. Mit Sparbuch- und Tagesgeldzinsen lassen sich Wertpapierverluste nicht verrechnen. Kein Freibetrag bedeutet konkret: Während ein deutscher Anleger pro Jahr 1.000 Euro Gewinn steuerfrei stellt, zahlt der österreichische ab dem ersten Euro. Bei 200 Euro Dividenden pro Jahr sind das 55 Euro KESt, die der Nachbar in Bayern nicht zahlt.


Ausschüttend oder thesaurierend - in Österreich fast egal

In Deutschland gilt der Thesaurierer wegen der Teilfreistellung und der Vorabpauschale als steuerlich überlegen. In Österreich gibt es diesen Vorteil praktisch nicht.

Der Grund: Bei einem thesaurierenden Meldefonds werden die ausschüttungsgleichen Erträge - im Wesentlichen die im Fonds vereinnahmten Dividenden abzüglich Kosten - jedes Jahr mit 27,5 Prozent besteuert, obwohl kein Cent ausgezahlt wird. Steuerlich gestundet wird nur der reine Kursgewinn-Anteil, und der wird beim Ausschütter genauso erst beim Verkauf fällig. Unterm Strich liegen beide Varianten in Österreich eng beieinander.

Die Entscheidung läuft damit auf Praktisches hinaus:

  • Thesaurierer: kein Wiederanlage-Aufwand, automatischer Zinseszins, ideal in der Ansparphase. Nachteil: Beim steuereinfachen Broker wird die jährliche KESt aus dem Verrechnungskonto gebucht - dort muss Geld liegen.
  • Ausschütter: liefert echten Cashflow, sinnvoll in der Entnahmephase oder wer laufende Erträge will. Nachteil: Die Dividende muss von Hand reinvestiert werden, sonst bremst es den Zinseszins.

Für den Vermögensaufbau über 20 bis 30 Jahre nimmt man in der Regel den Thesaurierer, im Ruhestand den Ausschütter. Eine steuerliche Pflichtentscheidung ist es in Österreich nicht. Mehr zur Systematik aktiv gemanagter Pendants im Beitrag zu Fonds.


Welcher Welt-ETF? Die Index-Auswahl

Ein einziger breit gestreuter ETF reicht als Kern eines Depots. Die drei gängigen Welt-Indizes unterscheiden sich vor allem in der Breite - hier je ein großer, irisch domizilierter ETF als Beispiel:

IndexBeispiel-ETF (ISIN)PositionenUSA-AnteilTER
MSCI WorldiShares Core MSCI World (IE00B4L5Y983)1.25270,3 %0,20 %
FTSE All-WorldVanguard FTSE All-World Acc (IE00BK5BQT80)3.75959,8 %0,14 %
MSCI ACWI IMISPDR MSCI ACWI IMI (IE00B3YLTY66)5.98161,1 %0,17 %
Quelle: justETF, Stand 31.08.2026. Die Beispiele sind keine Empfehlung; den Meldestatus vor dem Kauf in der OeKB-Liste prüfen.

Der MSCI World lässt Schwellenländer wie China, Indien und Brasilien weg. FTSE All-World und MSCI ACWI decken sie mit ab und sind die rundere Ein-Fonds-Lösung, der ACWI IMI nimmt zusätzlich kleinere Unternehmen mit.

Wichtig bei jeder Wahl: OeKB-Meldestatus, ein großes Fondsvolumen, das die Gefahr einer Fondsschließung senkt, und irisches Domizil wegen der Quellensteuer. Die Anlage-Logik hinter Streuung und Erwartungswert steht im Beitrag zur Rendite.

Das US-Gewicht. In allen drei Beispielen stecken 60 bis 70 Prozent US-Aktien. “Welt”-ETF heißt nicht gleichgewichtet über den Globus, sondern nach Börsenwert - und der ist US-lastig. Wer das bewusst abschwächen will, kombiniert einen Welt-ETF mit einem kleinen Anteil Europa- oder Schwellenländer-ETF oder greift gleich zu einer gleichgewichteten Variante. Für den Normalanleger ist die Marktgewichtung aber kein Fehler, sondern Programm: Sie bildet ab, wo die Wertschöpfung tatsächlich stattfindet. Wichtig ist nur, das Übergewicht zu kennen, statt von “maximaler Streuung” auszugehen, wo faktisch ein Land dominiert.


TER und die wahren Kosten eines Sparplans

Die Gesamtkostenquote (TER) ist nur ein Teil der Rechnung. Drei Kostenblöcke fressen an der Rendite:

  1. TER - bei großen Welt-ETFs 0,14 bis 0,20 Prozent pro Jahr (Stand August 2026), laufend aus dem Fondsvermögen entnommen.
  2. Sparplan-Gebühr - je Ausführung, von 0 Euro (Trade Republic) über 1,25 Euro (easybank) bis 1,50 Euro (flatex außerhalb der gebührenfreien Aktionsliste).
  3. Spread - die Differenz zwischen An- und Verkaufskurs, die bei jedem Kauf anfällt und bei großen, viel gehandelten ETFs gering ist.

Rechenbeispiel: Bei 200 Euro Monatsrate kostet eine Sparplan-Gebühr von 1,25 Euro bereits 0,63 Prozent der Rate - mehr als die TER eines ganzen Jahres. Über 25 Jahre summiert sich das auf rund 375 Euro nur an Ausführungsgebühren. Ein Broker mit 0-Euro-Sparplänen spart diesen Posten komplett. Bei kleinen Raten ist die Sparplan-Gebühr deshalb das wichtigere Auswahlkriterium als die TER. Wie Ordergebühren und jährliche Depotkosten zusammenspielen, zeigt der Depotgebühren-Vergleich.


Meldefonds vs. Nicht-Meldefonds - der entscheidende Status

Damit ein ETF in Österreich sauber besteuert werden kann, muss er Steuerdaten an die Österreichische Kontrollbank (OeKB) melden. Diese Daten enthalten die jährlichen ausschüttungsgleichen Erträge und die KESt-Bemessungsgrundlage. Die OeKB veröffentlicht eine Liste aller Meldefonds.

Fond-StatusBesteuerung
MeldefondsExakte Berechnung über OeKB-Daten. Steuereinfacher Broker führt automatisch ab.
Nicht-MeldefondsPauschalbesteuerung: 27,5 % KESt auf das Höhere aus a) 90 % des Jahresgewinns oder b) 10 % des Jahresendwerts - also mindestens 2,75 % des Fondswerts pro Jahr, auch in Verlustjahren.

Praxis-Konsequenz: Vor dem Kauf eines ETFs in der OeKB-Liste prüfen. In Irland (IE) oder Luxemburg (LU) aufgelegte UCITS-ETFs sind die Regel; US-domizilierte Fonds wie SPY melden in Österreich meist nicht und sind für Privatanleger in der EU mangels Basisinformationsblatt ohnehin kaum handelbar.


Steuereinfache Broker - die wichtige Auswahl

Steuereinfach sind Broker, die die österreichische KESt selbst einbehalten und abführen. Für einen Sparplan zählen vier Kriterien: steuereinfach ja oder nein, Gebühr je Ausführung im Verhältnis zur Rate, Mindestrate und jährliche Depotkosten. Vier steuereinfache Anbieter im Vergleich:

BrokerMindestrateGebühr je Ausführung
Trade Republic (steuereinfach seit Ende April 2025)1 €0 €
flatex25 €1,50 €, ETFs auf der Aktionsliste gebührenfrei
DADAT10 €0,75 € + 0,175 %
easybank50 €1,25 €
Quellen: broker-test.at (Stand 10.09.2026), capitalo.at (Stand 26.08.2026). Aktionslisten und Depotgebühren ändern sich laufend; vor der Eröffnung beim Anbieter prüfen.

Wer bei einem nicht steuereinfachen Broker wie Scalable Capital oder Trading 212 spart, erklärt Erträge und Verluste jedes Jahr selbst. Eine ausführliche Gegenüberstellung steht im Online-Broker-Vergleich und unter steuereinfacher Broker.


Sparplan oder Einmalanlage?

Wer eine größere Summe frei hat - eine Erbschaft, eine Abfertigung -, steht vor der Frage: alles auf einmal investieren oder in Raten? Eine Auswertung von Vanguard aus dem Jahr 2012 kam für historische Marktdaten zum Ergebnis, dass die Einmalanlage den gestaffelten Einstieg in rund zwei Dritteln der Zeiträume schlug - weil Aktienmärkte über lange Zeiträume öfter steigen als fallen. Wer das Geld langfristig nicht braucht, fährt mit dem sofortigen Investieren also meistens besser.

Der Sparplan gewinnt trotzdem für die meisten - aus zwei Gründen. Erstens hat kaum jemand 60.000 Euro auf einmal; der Sparplan ist die natürliche Form für laufendes Einkommen. Zweitens schützt das Cost-Averaging vor dem psychologischen Worst Case, alles einen Tag vor dem Crash investiert zu haben. Der Kompromiss bei großen Summen: über 6 bis 12 Monate gestaffelt einsteigen, danach den Sparplan laufen lassen. Die Detailrechnung mit Zahlen steht im Beitrag Sparplan vs. Einmalanlage. Wer die Auswahl ganz abgeben will, findet in einem Robo-Advisor die bequeme, aber teurere Alternative.


Renditesimulation: 200 Euro monatlich, 25 Jahre, nach Steuern

Wie viel nach 25 Jahren tatsächlich übrig bleibt, hängt vor allem von einer Zahl ab, die niemand kennt: der künftigen Rendite. Die Rechnung zeigt deshalb drei Annahmen nebeneinander - und rechnet die österreichische Besteuerung so, wie sie beim thesaurierenden ETF wirklich anfällt: jährlich auf den ausschüttungsgleichen Ertrag, beim Verkauf auf den Rest.

200 € monatlich, 25 Jahre4 % p.a.6,5 % p.a.8 % p.a.
Einzahlungen60.000 €60.000 €60.000 €
Depotwert vor dem Verkauf101.770 €145.493 €181.798 €
KESt während der Laufzeit (vom Verrechnungskonto)5.538 €7.096 €8.302 €
KESt beim Verkauf auf den restlichen Kursgewinn5.949 €16.414 €25.193 €
Nettoerlös beim Verkauf95.821 €129.079 €156.606 €
Überschuss nach Einzahlungen und allen Steuern30.283 €61.982 €88.304 €
Nettoerlös in heutiger Kaufkraft (2 % Inflation)58.406 €78.677 €95.456 €
Eigene Modellrechnung: gleichbleibende Rendite, monatlich eingezahlt; jährlich 1,8 % des Depotwerts als ausschüttungsgleicher Ertrag mit 27,5 % KESt, der die Anschaffungskosten erhöht; Verkauf aller Anteile nach 25 Jahren; ohne Sparplan- und Depotgebühren. Inflation 2 % entspricht dem EZB-Ziel. Keine Prognose.

Lesart: Die Spanne zwischen den Szenarien ist größer als jeder Kosten- oder Steuereffekt. Zwischen 4 und 6,5 Prozent Rendite verdoppelt sich der Überschuss mehr als. Die KESt kostet im mittleren Szenario zusammen 23.510 Euro, knapp ein Drittel davon fällt schon während der Ansparphase an. Die Kaufkraft-Zeile rechnet nur den Endbetrag auf heutige Euro um; die Einzahlungen verteilen sich über 25 Jahre und haben ihrerseits an Wert verloren, deshalb ist ein direkter Vergleich mit den 60.000 Euro schief.

Eigene Annahmen lassen sich im ETF-Sparplan-Rechner durchspielen, der nach demselben Modell rechnet. Den reinen Kaufkraftverlust zeigt der Inflations-Rechner, den Zinseszins bei sicheren Anlagen der Zinseszinsrechner.


Die Entnahmephase: ETF im Ruhestand verkaufen

Beim Verkauf gilt in Österreich der gleitende Durchschnittspreis (§ 27a EStG): Alle Anteile derselben ISIN im selben Depot werden zu einem durchschnittlichen Einstandskurs zusammengefasst. Es gibt kein FIFO und keine depotübergreifende Verrechnung. Wer Anteile über Jahre zu unterschiedlichen Kursen gekauft hat, versteuert beim Verkauf die Differenz zwischen Verkaufserlös und diesem Durchschnitts-Einstand mit 27,5 Prozent.

Konkret: Das Depot aus dem mittleren Szenario ist 145.493 Euro wert, davon sind 59.689 Euro noch nicht versteuerter Kursgewinn - rund 41 Prozent. Werden monatlich 800 Euro entnommen, fallen darauf anfangs 800 × 41 % × 27,5 % = rund 90 Euro KESt an, netto bleiben rund 710 Euro. Weil das Depot weiterwächst, steigt der Gewinnanteil und damit die Steuer je Entnahme mit der Zeit.

Die oft zitierte 4-Prozent-Regel stammt aus der sogenannten Trinity-Studie von 1998: Mit US-Marktdaten von 1926 bis 1995 hielt ein Depot aus 50 bis 75 Prozent Aktien und dem Rest Anleihen bei 4 Prozent Anfangsentnahme, jährlich an die Inflation angepasst, in 95 bis 98 Prozent der 30-Jahres-Zeiträume. Für ein reines Aktien-Depot in Euro und nach österreichischer KESt ist das ein Anhaltspunkt, keine Zusage. Ein Ausschütter-ETF liefert in dieser Phase laufende Dividenden, ohne dass Anteile verkauft werden müssen - der Hauptgrund, in der Entnahmephase auf Ausschütter umzustellen. Wer den ETF als Baustein der Altersvorsorge plant, sollte die Entnahme von Anfang an mitdenken.

Eine Tücke heißt Sequence-of-Returns-Risiko: Fällt der Markt in den ersten Ruhestandsjahren stark, während schon entnommen wird, zehrt das am Kapital, das später nicht mehr mitsteigen kann. Wer zu Beginn der Entnahme einen Cash-Puffer von ein bis zwei Jahresbedarfen auf Tagesgeld hält, kann Crash-Jahre überbrücken, ohne Anteile im Tief verkaufen zu müssen. Das senkt das Risiko spürbar - genau der Grund, warum die Aufteilung zwischen Aktien-ETF und sicherem Polster gegen Ende wichtiger wird als die letzten Zehntelprozente Rendite.


Quellensteuer: warum irische ETFs gewinnen

Ein Detail, das die Rendite still kostet: Auf US-Dividenden behält der amerikanische Fiskus standardmäßig 30 Prozent Quellensteuer ein. Ein in Irland aufgelegter ETF (Domizil-Kürzel IE in der ISIN) profitiert vom Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Irland und den USA und zahlt nur 15 Prozent. Bei einem Welt-ETF mit rund 70 Prozent US-Anteil und angenommen 1,8 Prozent Dividendenrendite macht die Halbierung der Quellensteuer überschlägig 0,7 × 1,8 % × 15 % = rund 0,19 Prozentpunkte pro Jahr aus - so viel wie die TER eines MSCI-World-ETFs.

Bei Welt-ETFs ist deshalb das irische Domizil die erste Wahl (ISIN beginnt mit IE); alle drei Beispiele aus der Index-Tabelle sind in Irland aufgelegt. Diese Quellensteuer fällt auf Fondsebene an und schmälert den Fondswert. Anrechnen lässt sie sich auf die österreichische KESt nicht; die 27,5 Prozent kommen obendrauf. Umso wichtiger ist die richtige Domizilwahl von Anfang an.


Depot wechseln ohne Steuer-Falle

Wer zu einem günstigeren Broker wechselt, sollte das Depot übertragen, nicht verkaufen und neu kaufen - sonst wird jeder Kursgewinn sofort mit 27,5 Prozent realisiert. Innerhalb Österreichs, von einem steuereinfachen Broker zum nächsten, ist der Depotübertrag steuerneutral, solange der Inhaber gleich bleibt und die abgebende Bank die Anschaffungsdaten mitschickt. Dann läuft der gleitende Durchschnittspreis ungebrochen weiter.

Heikel wird es in zwei Fällen. Ein Übertrag auf ein ausländisches Depot oder auf eine andere Person gilt laut BMF als fiktive Veräußerung und löst KESt aus - es sei denn, der Übertrag wird dem Finanzamt angezeigt. Und Altbestand, also ETF- und Fondsanteile, die vor dem 1. Jänner 2011 gekauft wurden, bleibt nur steuerfrei, wenn die Anschaffungsdaten beim Übertrag korrekt mitgehen. Vor jedem Wechsel lohnt der Blick in die Anleitung zum Depot übertragen: Ein sauberer Übertrag spart oft mehr als die Gebührenersparnis des neuen Brokers.


Häufige Fehler

Fehler 1: ETF nicht in der OeKB-Liste. Ein Nicht-Meldefonds wird pauschal besteuert: mindestens 2,75 Prozent des Fondswerts pro Jahr, auch wenn der Kurs gefallen ist. Bei einer erwarteten Rendite von 6 bis 7 Prozent frisst das einen großen Teil des Ertrags. Lösung: vor dem Kauf den Meldestatus prüfen und UCITS-ETFs mit irischem oder luxemburgischem Domizil wählen.

Fehler 2: Bei nicht-steuereinfachem Broker FinanzOnline-Pflicht vergessen. Scalable, Trading 212 und ähnliche liefern zwar einen Jahressteuerbericht - erklären muss der Anleger aber selbst, über die Einkommensteuererklärung E 1 mit der Beilage E 1kv. Die Arbeitnehmerveranlagung allein deckt Kapitalerträge nicht ab. Wer das übersieht, riskiert Nachzahlung plus Anspruchszinsen.

Fehler 3: Verluste über Jahresende hinaus tragen wollen. In Österreich verfällt der Verlustausgleich am 31.12. Wer Verlust-Verkäufe plant, sollte sie vor Jahresende mit Gewinn-Verkäufen kombinieren (Steuer-Loss-Harvesting).

Fehler 4: Thesaurierer auch ohne Verkauf nicht versteuern wollen. Selbst wenn nichts verkauft wird, fällt KESt auf den ausschüttungsgleichen Ertrag an. Bei steuereinfachem Broker wird sie vom Verrechnungskonto gebucht. Bei 1,8 Prozent ausschüttungsgleichem Ertrag sind das rund 0,5 Prozent des Depotwerts pro Jahr - so viel sollte dort liegen, sonst verkauft der Broker Anteile oder das Konto rutscht ins Minus.

Fehler 5: Zu viele ETFs kombinieren. Drei Welt-ETFs nebeneinander sind keine bessere Streuung, sondern oft die gleiche - mit dreifacher Sparplan-Gebühr und Rebalancing-Aufwand. Ein einziger breiter Welt-ETF genügt für den Kern des Depots.


Unsere Einschätzung

Ein Sparplan auf einen breit gestreuten Welt-ETF bei einem steuereinfachen Broker ist für langfristiges Vermögen eine naheliegende Wahl: geringe laufende Kosten, keine eigene Steuererklärung, Streuung über Tausende Unternehmen. Er passt aber nur unter drei Voraussetzungen.

Erstens ein Notgroschen, bevor der Sparplan startet. Geld für kaputte Waschmaschinen und Autoreparaturen gehört auf Tagesgeld oder Festgeld, nicht ins Depot. Wer in einem Kurseinbruch verkaufen muss, macht Verluste endgültig.

Zweitens Geld, das Sie viele Jahre nicht brauchen. Für eine Wohnungsanzahlung in drei Jahren ist ein Aktien-ETF das falsche Werkzeug, weil ein Einbruch dann nicht mehr ausgesessen werden kann.

Drittens eine Rate, die auch in schlechten Monaten bleibt. Ein Sparplan, der nach dem ersten Minus pausiert, verliert genau den Vorteil des regelmäßigen Kaufs zu niedrigen Kursen.

Bei der Wahl des Brokers entscheidet bei kleinen Raten die Gebühr je Ausführung: Bei 100 Euro im Monat kostet 1 Euro Gebühr schon ein Prozent - fünfmal so viel wie die TER eines MSCI-World-ETFs. Bei 500 Euro Rate sind es mit 0,75 bis 1,50 Euro Gebühr nur noch 0,15 bis 0,3 Prozent; dann rücken Auswahl, Depotgebühr und Service in den Vordergrund. Wie ein erstes Depot eröffnet wird, steht unter Wertpapierdepot eröffnen.


Quellen (5)

Häufig gestellte Fragen

Wie hoch ist die KESt auf ETFs in Österreich?

Auf Kursgewinne, Dividenden und ausschüttungsgleiche Erträge fallen 27,5 % Kapitalertragsteuer an. Anders als in Deutschland gibt es keinen Freibetrag - die KESt greift ab dem ersten Euro Gewinn.

Was ist ein steuereinfacher Broker?

Ein Broker, der die KESt automatisch ans Finanzamt abführt und Verluste innerhalb seiner Depots verrechnet. Steuereinfach sind laut broker-test.at (Stand September 2026) etwa flatex, DADAT, easybank, Erste Bank, BAWAG PSK, Bank Austria, bank99, Oberbank, BKS, Bank Direkt, Börse Live und seit Ende April 2025 Trade Republic.

Sind thesaurierende ETFs in Österreich steuerlich besser?

Kaum. Anders als in Deutschland werden bei Thesaurierern die ausschüttungsgleichen Erträge jährlich mit 27,5 % besteuert. Der Steuerstundungs-Vorteil ist daher klein. Die Wahl ist in Österreich eher eine Frage von Cashflow und Bequemlichkeit als von Steuer.

Was ist ein Meldefonds?

Ein Investmentfonds, der seine Steuerdaten an die OeKB meldet. Steuereinfache Broker können dann die KESt korrekt automatisch berechnen. Nicht-Meldefonds werden pauschal besteuert: 27,5 % auf 90 % des Jahresgewinns oder 10 % des Jahresendwerts - je nachdem, was höher ist.

Welcher Welt-ETF eignet sich für Einsteiger?

Ein breit gestreuter Welt-ETF reicht: auf den MSCI World (nur Industrieländer, rund 70 % USA) oder auf FTSE All-World bzw. MSCI ACWI IMI (mit Schwellenländern, rund 60 % USA). Wichtig sind OeKB-Meldestatus, niedrige TER (bei großen Welt-ETFs 0,14 bis 0,20 %) und irisches Fondsdomizil.

Gibt es noch eine Spekulationsfrist bei ETFs?

Nein. Für Aktien und Fondsanteile, also auch ETFs, die ab 1. Jänner 2011 gekauft wurden, gilt keine Spekulationsfrist mehr. Kursgewinne sind unabhängig von der Haltedauer mit 27,5 % KESt zu versteuern. Nur Altbestand, der vor diesem Stichtag gekauft wurde, bleibt steuerfrei.

Wie werden ETF-Anteile beim Verkauf steuerlich bewertet?

Über den gleitenden Durchschnittspreis: Alle Anteile derselben ISIN im selben Depot werden zum Durchschnitts-Einstandskurs zusammengefasst (§ 27a EStG). Es gibt kein FIFO und keine depotübergreifende Verrechnung.