Steuereinfacher Broker Österreich 2026 - KESt automatisch

Von Martin Höllinger Stand 20.06.2026 Lesezeit 11 Min Quellen geprüft

Was ist ein steuereinfacher Broker?

Ein steuereinfacher Broker hat Sitz oder Niederlassung in Österreich und führt die Kapitalertragsteuer von 27,5 Prozent automatisch ans Finanzamt ab - auf Kursgewinne, Dividenden und ausschüttungsgleiche Erträge. Er verrechnet Verluste im Depot und rechnet die Auslands-Quellensteuer an. Sie brauchen keine Steuererklärung. Bei nicht steuereinfachen Brokern erledigen Sie das alles selbst.


Was der Broker automatisch übernimmt

Steuereinfach heißt nicht steuerfrei - die 27,5 Prozent KESt fallen genauso an. Der Unterschied ist, wer die Arbeit macht. Ein steuereinfacher Broker erledigt im Hintergrund fünf Dinge, die sonst auf Ihrem Tisch landen:

  • Kursgewinne: Beim Verkauf einer Position mit Gewinn wird die KESt sofort vom Verrechnungskonto abgebucht.
  • Dividenden und Zinsen: Bei Ausschüttung wird die Steuer direkt einbehalten.
  • Ausschüttungsgleiche Erträge: Bei thesaurierenden Fonds wird die KESt jährlich automatisch abgeführt.
  • Verlustausgleich: Verluste werden unterjährig automatisch mit Gewinnen im selben Depot verrechnet.
  • Auslands-Quellensteuer: Die nach Doppelbesteuerungsabkommen anrechenbare ausländische Quellensteuer wird berücksichtigt.

Welche Anbieter das tun, steht im Online-Broker Vergleich als vollständige Matrix - kurz gefasst sind es DADAT, Flatex, easybank, Erste George, Hello bank!, Bank Direkt sowie die Großbanken, für Krypto Bitpanda, und seit April 2025 auch Trade Republic. Nicht steuereinfach bleiben Scalable Capital, Interactive Brokers, DEGIRO, CapTrader und eToro.


Die E1kv-Kennzahl-Map: was Sie selbst eintragen müssen

Hier wird der Unterschied konkret. Bei einem nicht steuereinfachen Broker geben Sie jährlich eine Einkommensteuererklärung mit der Beilage E1kv über FinanzOnline ab - bis 30. Juni des Folgejahres, auf Papier bis 30. April. Jede Ertragsart hat ihre eigene Kennzahl, und genau diese Zuordnung fehlt in den meisten Ratgebern. Die folgende Tabelle schließt diese Lücke:

ErtragsartE1kv-KennzahlWas der steuereinfache Broker tut
Dividenden, Zinsen (laufende Erträge)KZ 863automatisch einbehalten
Fonds-/ETF-AusschüttungenKZ 898automatisch einbehalten
Realisierte KursgewinneKZ 994automatisch abgeführt
Realisierte VerlusteKZ 892automatisch verrechnet
Anrechenbare Auslands-QuellensteuerKZ 998automatisch angerechnet
Ausschüttungsgleiche Erträge (Auslandsdepot)KZ 937automatisch abgeführt

Quelle: kestklar.at und WKO, Stand Juni 2026, Steuersatz 27,5 Prozent nach § 27a EStG. Wer einen nicht steuereinfachen Broker nutzt, füllt jede dieser Zeilen selbst aus - mit Bruttobeträgen in Euro, bei Fremdwährung umgerechnet zum Kurs des Zuflusstags. Realisierte Kursgewinne werden nach dem gleitenden Durchschnittspreis berechnet, nicht nach First-in-first-out.


Die Falle: ausschüttungsgleiche Erträge

Der gefährlichste Posten in dieser Liste ist Kennzahl 937. Ein thesaurierender ETF schüttet keine Erträge aus, sondern legt sie sofort wieder an - es fließt kein Geld auf Ihr Konto. Trotzdem gelten diese ausschüttungsgleichen Erträge als jährlich zugeflossen und sind zu versteuern. Bei einem ausländischen, nicht steuereinfachen Broker bekommt das österreichische Finanzamt davon nichts mit, also müssen Sie es selbst melden.

Der eigentliche Fehler passiert aber erst später. Wer die ausschüttungsgleichen Erträge versteuert, muss die Anschaffungskosten der Position um genau diesen Betrag erhöhen. Vergisst man das, wird beim späteren Verkauf derselbe Ertrag ein zweites Mal als Kursgewinn besteuert - man zahlt doppelt. Genau diese Korrektur nimmt ein steuereinfacher Broker automatisch vor, und sie ist der häufigste Grund, warum die Eigenerklärung bei thesaurierenden Fonds so fehleranfällig ist.

Ein konkretes Beispiel macht den Schaden sichtbar. Sie kaufen einen thesaurierenden Welt-ETF für 10.000 Euro und halten ihn vier Jahre. In dieser Zeit fallen ausschüttungsgleiche Erträge von zusammen 800 Euro an, die Sie Jahr für Jahr brav in Kennzahl 937 erklären und mit 27,5 Prozent versteuern - macht 220 Euro KESt. Dann verkaufen Sie zu 14.000 Euro.

Schrittmit AGE-Korrekturohne AGE-Korrektur
Anschaffungskosten10.000 €10.000 €
+ bereits versteuerte AGE+ 800 €nicht erhöht
steuerlicher Einstand10.800 €10.000 €
Verkaufserlös14.000 €14.000 €
steuerpflichtiger Gewinn3.200 €4.000 €
KESt 27,5 % beim Verkauf880 €1.100 €
Doppelt gezahlt auf die 800 € AGE0 €+220 €

Eigene Berechnung, Stand Juni 2026. Die 220 Euro sind exakt die Steuer auf die 800 Euro, die Sie längst versteuert hatten - ein vermeidbarer Verlust, der nur entsteht, weil die Kostenbasis nicht angepasst wurde. Bei einem steuereinfachen Broker kann dieser Fehler gar nicht passieren.


Steuereinfach ist nicht ganz aufwandsfrei

Auch beim steuereinfachen Broker bleiben zwei Restposten an Ihnen hängen. Erstens die Cash-Zinsen: Manche Anbieter, darunter Trade Republic, führen die KESt auf Wertpapiererträge ab, behandeln aber Zinsen auf das Cash-Guthaben gesondert - diese müssen Sie selbst in der Erklärung angeben. Zweitens die überschießende Quellensteuer: Behält ein US-Unternehmen 15 Prozent Quellensteuer auf Dividenden ein, rechnet der Broker diese 15 Prozent an. Zieht der Quellenstaat aber mehr ab, als das Doppelbesteuerungsabkommen vorsieht, holen Sie sich die Differenz nur über einen Rückerstattungsantrag im Ausland zurück - das macht kein Broker für Sie.

Diese Feinheiten ändern nichts an der Grundregel, aber sie zeigen: Selbst der bequemste Weg ist nicht völlig steuerfrei von Mitdenken. Wer Dividendenstrategien fährt, sollte die Dividendenbesteuerung im Detail verstehen.

Das W-8BEN-Formular bei US-Aktien

Ein Detail, das bei US-Dividenden bares Geld spart: Ohne Nachweis der Ansässigkeit behalten die USA 30 Prozent Quellensteuer auf Dividenden ein. Mit einem ausgefüllten W-8BEN-Formular, das Ihre österreichische Steueransässigkeit bestätigt, sinkt der Satz nach dem Doppelbesteuerungsabkommen auf 15 Prozent - und genau diese 15 Prozent sind in Österreich auf die KESt anrechenbar. Steuereinfache Broker holen das W-8BEN bei der Depoteröffnung automatisch ein. Bei manchen internationalen Brokern müssen Sie es selbst aktiv setzen und alle drei Jahre erneuern, sonst zahlen Sie dauerhaft den doppelten Quellensteuersatz.

Mehrere Depots: der Verlustausgleich-Knoten

Richtig unübersichtlich wird es mit zwei oder mehr Depots. Der automatische Verlustausgleich funktioniert immer nur innerhalb eines einzigen Depots. Wer bei Broker A Gewinne und bei Broker B Verluste realisiert, muss diese broker-übergreifend selbst in der Erklärung zusammenführen - selbst wenn beide Broker einzeln steuereinfach sind. Auch der Wechsel des Anbieters spielt hier hinein: Beim Depotübertrag wandert der Verlusttopf nicht mit. Wer mehrere Depots parallel führt, verschenkt ohne Eigenerklärung oft Verluste, die Gewinne hätten neutralisieren können.


Vergleich: der Jahresaufwand in Stunden und Euro

Was kostet die Steuer-Eigenständigkeit wirklich? Die folgende Gegenüberstellung rechnet nicht in Order-Gebühren, sondern in Zeit und Nervenkosten - dem Faktor, den reine Gebührenvergleiche ausblenden.

Faktorsteuereinfacher Brokernicht steuereinfacher Broker
Steuererklärung nötigneinja, jährlich E1kv
Zeitaufwand pro Jahr0 Stunden5 bis 20 Stunden
Verlustausgleichautomatisch im Depotmanuell, broker-übergreifend
AGE-Korrekturautomatischselbst, fehleranfällig
Quellensteuer-Anrechnungautomatischmanuell pro Position
Steuerberater-Bedarfpraktisch niebei vielen Trades oder mehreren Depots
Hilfsmittelkeine nötigKPMG-Report (Scalable), KestKlar, Berater

Eigene Einordnung auf Basis der Quellen, Stand Juni 2026. Der Zeitaufwand von 5 bis 20 Stunden pro Jahr ist der ehrliche Preis für die niedrigeren Order-Gebühren der internationalen Anbieter. Manche Broker mildern ihn ab: Scalable Capital stellt einen fertigen Steuerreport von KPMG bereit, der die Aufbereitung stark verkürzt. Trotzdem bleibt die Verantwortung für die korrekte Erklärung bei Ihnen.

Die Rechnung ist damit individuell. Wer einen ETF-Sparplan bespart und kaum handelt, gewinnt mit einem steuereinfachen Broker Ruhe für ein paar Euro Mehrkosten pro Jahr. Wer aktiv und in hohem Volumen tradet, bei dem die Order-Gebühren das Ergebnis dominieren, fährt mit einem günstigen internationalen Broker besser - sofern die jährliche Erklärung kein Schreckgespenst ist. Und wer von einem teuren auf einen günstigen Anbieter wechselt, sollte den Depotübertrag sauber mit Anschaffungsdaten abwickeln, damit die Steuerhistorie nicht verloren geht.


Kein Freibetrag - und wann sich die Veranlagung lohnt

Ein Punkt, der deutsche Anleger überrascht: In Österreich gibt es keinen Sparer-Pauschbetrag und keinen Freibetrag auf Kapitalerträge. Jeder Euro Gewinn wird ab dem ersten Cent mit 27,5 Prozent besteuert - der steuereinfache Broker zieht entsprechend ab der ersten realisierten Position ab. Wer aus Deutschland kommt und einen Freistellungsauftrag sucht, sucht vergeblich.

Es gibt aber einen Hebel in die andere Richtung. Liegt Ihr durchschnittlicher Einkommensteuer-Satz unter 27,5 Prozent - etwa bei niedrigem Gesamteinkommen, in Studien- oder Karenzzeiten - können Sie zur Regelbesteuerung optieren. Dann werden die Kapitalerträge mit Ihrem niedrigeren Tarifsatz versteuert, und die zu viel einbehaltene KESt kommt zurück. Das funktioniert auch beim steuereinfachen Broker, erfordert aber aktiv eine Veranlagung über FinanzOnline - der Broker macht es nicht von selbst. Für viele junge Anleger mit kleinem Einkommen ist das bares Geld, das jährlich liegen bleibt.


Unsere Einschätzung

Für die große Mehrheit der Privatanleger in Österreich ist ein steuereinfacher Broker die richtige Wahl - nicht weil er Steuern spart, sondern weil er Fehler vermeidet. Die Eigenerklärung über E1kv ist machbar, aber jede der sechs Kennzahlen ist eine potenzielle Fehlerquelle, und gerade die ausschüttungsgleichen Erträge erwischen auch erfahrene Anleger. Wer seine Zeit nicht in Steuerformulare stecken will, ist mit DADAT, Flatex, Erste George oder seit April 2025 Trade Republic gut bedient.

Der nicht steuereinfache Broker lohnt sich dort, wo die Order-Gebühren den Ausschlag geben: bei aktiven Tradern, hohem Volumen und einer strukturierten Routine für die Jahreserklärung. Wer ohnehin einen Steuerberater hat oder ein Tool wie KestKlar nutzt, für den schrumpft der Aufwand - und der Gebührenvorteil bleibt. Die ehrliche Frage ist nicht steuereinfach gegen günstig, sondern: Was ist Ihnen Ihre Zeit wert?


Quellen (3)

Häufig gestellte Fragen

Was bedeutet steuereinfach bei einem Broker?

Der Broker hat Sitz oder Niederlassung in Österreich und führt die Kapitalertragsteuer (27,5 %) auf Kursgewinne, Dividenden und ausschüttungsgleiche Erträge automatisch ans Finanzamt ab. Er verrechnet auch Verluste im Depot und rechnet die anrechenbare Auslands-Quellensteuer an. Sie brauchen dafür keine Steuererklärung.

Welche Broker sind 2026 steuereinfach?

DADAT, Flatex, easybank, Erste George, Hello bank!, Bank Direkt, Raiffeisen, Bank Austria, BAWAG und für Krypto Bitpanda. Trade Republic ist seit April 2025 ebenfalls steuereinfach. Nicht steuereinfach sind Scalable Capital, Interactive Brokers, DEGIRO, CapTrader und eToro.

Was muss ich bei einem nicht steuereinfachen Broker tun?

Jährlich eine Einkommensteuererklärung mit der Beilage E1kv über FinanzOnline abgeben - bis 30. Juni des Folgejahres (Papier 30. April). Sie tragen Kursgewinne, Dividenden, ausschüttungsgleiche Erträge und die anrechenbare Auslands-Quellensteuer in die passenden Kennzahlen ein und zahlen die 27,5 % KESt selbst.

Was sind ausschüttungsgleiche Erträge?

Thesaurierende ETFs schütten nicht aus, sondern legen Erträge wieder an. Trotzdem sind diese Erträge jährlich zu versteuern. Bei einem nicht steuereinfachen Broker müssen Sie sie selbst in Kennzahl 937 erklären und die Anschaffungskosten um den versteuerten Betrag erhöhen - sonst zahlen Sie beim Verkauf doppelt.

Ist ein steuereinfacher Broker komplett steuerfrei von Aufwand?

Fast. Cash-Zinsen auf das Verrechnungskonto müssen Sie bei manchen Brokern wie Trade Republic selbst erklären. Und die über 15 % hinausgehende Auslands-Quellensteuer holen Sie sich nur per Rückerstattungsantrag im Quellenstaat zurück - das macht kein Broker automatisch.

Wie viel Zeit kostet die Eigenerklärung?

Je nach Zahl der Transaktionen 5 bis 20 Stunden pro Jahr. Scalable Capital liefert einen fertigen KPMG-Steuerreport, Tools wie KestKlar automatisieren die Aufbereitung gegen Gebühr. Bei vielen Trades oder mehreren Depots wird oft ein Steuerberater nötig.

MH
Martin Höllinger

Chefredakteur finanzguide.at