Kryptowährung Österreich 2026 - Steuer, KESt 27,5 %, DAC8-Meldung

Von Redaktion Finanzguide Stand 30.09.2026 Lesezeit 5 Min

Krypto-Steuer in Österreich 2026 - Grundlagen

Seit 1. März 2022 sind Kryptowährungen in Österreich offiziell in die KESt-Welt integriert. Der Krypto-Verkaufsgewinn unterliegt 27,5 % KESt - wie Aktien und ETFs.

Drei steuerpflichtige Ereignisse:

  1. Verkauf gegen Euro oder eine andere gesetzliche Währung (z.B. Bitcoin → Euro).
  2. Zahlung mit Krypto für Waren oder Dienstleistungen (z.B. Pizza mit Bitcoin gezahlt - der Bitcoin gilt als verkauft).

Steuerneutral ist der Tausch in eine andere Kryptowährung (z.B. BTC → ETH). Laut BMF ist das kein Veräußerungsvorgang: Die Anschaffungskosten des alten Coins gehen auf den neuen über, versteuert wird erst der spätere Verkauf gegen Euro.

Reines Halten (HODLn) ist steuerfrei. Erst die Realisierung löst die Steuer aus.


Altbestand vs. Neubestand

KategorieErwerbszeitpunktSteuer 2026
Altbestandbis 28.02.2021steuerfrei (alte 1-Jahres-Spekulationsfrist)
Neubestandab 01.03.202127,5 % KESt bei Realisierung

Wer Bitcoin vor März 2021 gekauft hat, kann ihn auch heute noch steuerfrei verkaufen - die alte Spekulationsfrist ist mit dem Erwerb bereits verfallen.


DAC8 - die große Transparenz-Reform

Ab 1. Januar 2026 tritt die EU-Richtlinie DAC8 in Kraft (Directive on Administrative Cooperation 8), in Österreich umgesetzt durch das Krypto-Vermögens-Meldepflichtgesetz.

Was sich ändert:

  • Krypto-Plattformen (CASPs) müssen User-Daten und Transaktionen automatisch ans Finanzamt melden.
  • Erste Meldung 2027 für Geschäftsjahr 2026.
  • Gilt für Bitpanda, Coinbase, Kraken, Binance, Trade Republic Krypto, Bitget, etc.

Konsequenz für Anleger: Wer in den letzten Jahren Krypto-Gewinne nicht erklärt hat, sollte vor 2027 sauber veranlagen - sonst drohen ab Mitte 2027 Anzeigen wegen Steuerhinterziehung mit Strafanfälligkeit.

Selbstanzeige: Vor Erlangen der Daten durch das Finanzamt kann eine straffreie Selbstanzeige (§ 29 FinStrG) eingereicht werden. Voraussetzung: vollständige Offenlegung und Nachzahlung.


Berechnung: Krypto-Trader mit gemischter Strategie

Annahmen für 2025:

  • Verkauf von 0,5 BTC mit 12.000 € Gewinn.
  • Verkauf 5 ETH mit 3.000 € Verlust.
  • Aktien-Dividenden 1.500 €.
  • Lending-Erträge 800 € (Coins gegen Entgelt verliehen, bei Zufluss steuerpflichtig).

Verrechnung:

PostenBetrag
BTC-Gewinn+12.000 €
ETH-Verlust-3.000 €
Aktien-Dividenden+1.500 €
Lending-Erträge (zum Zuflusszeitpunkt bewertet)+800 €
Bemessungsgrundlage 27,5 %+11.300 €
KESt3.107,50 €

Hinweis: Reine Staking-Rewards stünden hier nicht drin - sie werden erst beim späteren Verkauf besteuert, nicht bei Zufluss. Lending-Erträge dagegen schon, wie im Beispiel.

Bei steuereinfachen Anbietern (Bitpanda, Trade Republic mit österreichischer IBAN) wird die KESt automatisch abgeführt, bei Bitpanda läuft auch der Verlustausgleich im Depot. Bei nicht-steuereinfachen Anbietern (Coinbase, Kraken) muss der Anleger über FinanzOnline-Beilage E1kv selbst erklären.


Mining vs. Staking - der Unterschied

Mining (Proof of Work)

  • Gewerbliche Einkünfte nach EStG.
  • Tariflich besteuert nach progressivem Einkommensteuer-Tarif (0-55 %).
  • Betriebsausgaben absetzbar (Strom, Hardware-AfA, Internet-Kosten).
  • SVS-Pflicht ab gewerblicher Größenordnung.

Staking (Proof of Stake)

Hier gilt in Österreich eine wichtige Sonderregel, die viele falsch machen:

  • Keine Besteuerung im Zeitpunkt des Zuflusses. Klassische Staking-Rewards (für Blockerstellung oder -validierung) lösen beim Erhalt keine Steuer aus.
  • Die Coins werden mit Anschaffungskosten von null angesetzt.
  • Erst beim späteren Verkauf fällt die KESt an - dann aber auf den vollen Verkaufswert (weil die Anschaffungskosten null sind), nicht nur auf einen Kursgewinn.

Das ist anders als in Deutschland und entlastet bei der laufenden Dokumentation: Man muss nicht jeden einzelnen Reward am Tageskurs erfassen, sondern erst den Verkauf.

Lending - nicht mit Staking verwechseln

Wer Coins gegen Entgelt verleiht (Lending, oft als “passiv 7-12 % p.a.” beworben), fällt nicht unter die Staking-Ausnahme. Diese Erträge gelten als laufende Einkünfte und unterliegen 27,5 % KESt bereits im Zeitpunkt des Zuflusses, bewertet zum Tageskurs. Die Abgrenzung Staking gegen Lending entscheidet also über den Zeitpunkt der Besteuerung - im Zweifel lohnt eine steuerliche Beratung oder eine Krypto-Steuer-Software (Blockpit, CoinTracking).


Plattformen für Österreich

PlattformSitzSteuereinfach ATBemerkung
BitpandaWienJaMiCAR-konform, Krypto-Spezialist mit österreichischem Sitz
CoinbaseUSA / IrlandNeinEigenerklärung erforderlich
KrakenUSANeinEigenerklärung erforderlich
BinanceMalta / globalNeinEigenerklärung erforderlich
BitvavoNiederlandeNeinGünstige Gebühren, Eigenerklärung
Trade Republic KryptoDeutschland (Berlin)Ja, mit österreichischer IBANKESt-Abzug seit 24.4.2025; Konten ohne Umstellung auf das AT-Angebot: selbst veranlagen

Die Krypto-Dienste von Trade Republic laufen nicht über die Wiener Zweigniederlassung, sondern über die Trade Republic Bank GmbH in Berlin, die die Coins auch verwahrt. Am Steuerabzug ändert das nichts: Laut Kundenvereinbarung für Österreich (Version 07.05.01, Stand 9/2026) entfällt für umgestellte Konten die Klausel, wonach Trade Republic keine Steuern auf Verkaufserlöse abführt. Eine Ausnahme bleibt: Für Steuern im Zusammenhang mit ausgehenden Transfers auf externe Wallets sind Kunden selbst verantwortlich. Wer Coins aus der App abzieht, sollte Kaufdatum und Anschaffungskosten also selbst dokumentieren.


MiCAR - der EU-Rechtsrahmen

Mit der EU-Verordnung Markets in Crypto-Assets (MiCAR) sind seit 2024 Anbieter verpflichtet, eine Lizenz für Krypto-Dienstleistungen zu haben. Bitpanda war einer der ersten lizenzierten Anbieter in Österreich (Bewilligung durch FMA).

Konsequenz für Anleger:

  • Mehr Anbieter-Sicherheit, klare Konsumenten-Rechte.
  • Verbot von Anonym-Wallets ab gewissen Schwellen.
  • KYC-Pflicht (Identitäts-Verifikation) bei Wallet-Eröffnung.

Verluste verrechnen: der unterschätzte Hebel

Weil Krypto-Neubestand in der KESt-Welt liegt, lassen sich Verluste mit anderen kapitalertragsteuerpflichtigen Gewinnen ausgleichen - innerhalb desselben Kalenderjahres. Ein Verlust beim Bitcoin-Verkauf mindert also die Steuer auf Gewinne aus Aktien, ETFs, Fonds, Anleihen und Dividenden - die Mechanik dahinter erklärt der Beitrag zur Kapitalertragsteuer.

Die Grenzen: Nicht verrechenbar sind Zinsen aus Sparbuch und Festgeldkonto (sie tragen den 25-Prozent-Satz, nicht 27,5) sowie Erträge aus zugewiesenen Sparbüchern. Auch ein Vortrag von Verlusten in spätere Jahre ist im Privatvermögen nicht möglich - der Ausgleich muss im selben Jahr passieren. Wer in einem schlechten Jahr Buchverluste realisiert, um Gewinne zu neutralisieren (Tax-Loss-Harvesting), sollte das also vor dem Jahreswechsel tun. Bei steuereinfachen Anbietern wie Bitpanda läuft der Ausgleich im Depot automatisch, sonst über die Beilage E1kv.

Airdrops, Hardforks und DeFi

Nicht nur Kauf und Verkauf lösen Steuerfolgen aus. Für unentgeltlich zugeteilte Coins - etwa Airdrops oder Hardforks - gilt dieselbe Logik wie beim Staking: Anschaffungskosten null, keine Steuer bei Erhalt, dafür der volle Wert bei späterem Verkauf mit 27,5 Prozent. DeFi-Aktivitäten (Liquidity Mining, Yield Farming) sind komplexer und im Detail oft ungeklärt - hier entstehen schnell viele kleine steuerrelevante Vorgänge, die ohne Software kaum sauber erfassbar sind. NFTs wiederum sind je nach Ausgestaltung unterschiedlich zu behandeln und fallen nicht automatisch unter die Krypto-KESt. Im Zweifel ist das der Bereich, in dem sich eine steuerliche Beratung am ehesten auszahlt.

Krypto sicher verwahren

Die Steuerfrage ist das eine, die Verwahrung das andere. Grob gibt es zwei Wege. Bei der Verwahrung auf der Börse (Hot Wallet) liegt der Zugriff beim Anbieter - bequem zum Handeln, aber man vertraut der Plattform. Geht sie pleite oder wird gehackt, ist das Guthaben gefährdet - anders als bei Bankeinlagen greift hier keine Einlagensicherung. Die Eigenverwahrung über ein Hardware-Wallet (Cold Wallet) gibt die volle Kontrolle, verlangt aber, die Wiederherstellungs-Phrase (Seed) sicher und getrennt aufzubewahren. Wer den Seed verliert, verliert die Coins endgültig - es gibt keine Bank, die zurücksetzt.

Faustregel: kleinere Handelsbeträge auf einer seriösen, MiCAR-lizenzierten Börse, größere Bestände zur langfristigen Aufbewahrung ins Cold Wallet. Für die Steuer ist es wichtig, auch Transfers zwischen eigenen Wallets zu dokumentieren - sie sind kein Verkauf und lösen keine KESt aus, müssen aber nachweisbar sein.

Tipps für die Praxis

  1. Eine Plattform für den Großteil der Trades nutzen - vereinfacht die Dokumentation.
  2. Krypto-Steuer-Software ab 10-20 Trades pro Jahr verwenden (Blockpit, CoinTracker, Accointing).
  3. Quartalsweise Abgleich des Wallet-Bestands mit den Trade-Logs.
  4. Walletadressen dokumentieren - auch bei Selbst-Verwahrung (Hardware Wallet).
  5. Vor DAC8-Meldung sauber veranlagen - Selbstanzeige vor Erlangen der Behörden-Daten ist strafbefreiend.

Quellen (6)

Häufig gestellte Fragen

Wie hoch ist die Krypto-Steuer 2026?

27,5 % KESt auf realisierte Gewinne beim Verkauf gegen Euro oder beim Bezahlen mit Krypto. Der Tausch in eine andere Kryptowährung ist steuerneutral. Gilt für Neubestand (ab 1.3.2021). Altbestand bis 28.2.2021 ist steuerfrei (1 Jahr Haltedauer galt damals).

Was ist DAC8 / CARF?

Die EU-Richtlinie DAC8 tritt am 1.1.2026 in Kraft. Krypto-Dienstleister (Bitpanda, Coinbase, Kraken etc.) müssen Nutzerdaten und Transaktionen ab 2026 automatisch ans Finanzamt melden - erste Meldung 2027 für Jahr 2026.

Wie werden Mining und Staking besteuert?

Mining = gewerbliche Einkünfte mit progressiver Einkommensteuer, Betriebsausgaben absetzbar. Klassisches Staking wird in Österreich NICHT bei Zufluss besteuert: Die Rewards werden mit Anschaffungskosten null angesetzt, die 27,5 % KESt fällt erst beim späteren Verkauf auf den vollen Wert an. Lending-Erträge dagegen sind schon bei Zufluss steuerpflichtig.

Kann ich Krypto-Verluste mit Aktien-Gewinnen verrechnen?

Ja. Krypto-Neubestand-Verluste sind mit anderen KESt-pflichtigen Gewinnen (Aktien, ETFs, Dividenden) ausgleichbar - aber nicht mit Sparbuch-Zinsen (anderer Satz).

Welche Krypto-Plattform ist steuereinfach?

Bitpanda (Wien) und Trade Republic. Trade Republic führt die KESt auf Krypto-Erträge seit 24.4.2025 automatisch ab, allerdings nur bei Kunden mit österreichischer IBAN; wer das Konto nicht auf das österreichische Angebot umgestellt hat, erklärt selbst. Coinbase, Kraken, Binance: Eigenerklärung in der Beilage E1kv über FinanzOnline notwendig.