Depotgebühren Österreich 2026 - Vergleich & Nebenkosten
Was kosten Depotgebühren 2026 wirklich?
Die günstigsten Broker führen das Depot mit 0,00 Euro pro Jahr - Flatex, DADAT, Trade Republic und Scalable. Klassische Banken verlangen einen Prozentsatz des Depotwerts: Erste George 0,216 %, easybank ab 0,12 %, Oberbank ab 0,3036 %. Der eigentliche Kostenunterschied steckt aber in den versteckten Nebenkosten und der Prozent-Falle bei großen Depots.
Depotgebühren-Vergleich: 0 Prozent gegen Prozentsatz
Die Depotführungsgebühr ist die Miete für die Verwahrung Ihrer Wertpapiere - unabhängig davon, ob Sie handeln oder nicht. Hier trennt sich der Markt scharf in zwei Lager: Neobroker und Direktbroker mit 0 Euro, klassische Banken mit einem Prozentsatz vom Depotwert.
| Broker | Depotgebühr p.a. | Besonderheit |
|---|---|---|
| Flatex | 0,00 € | exkl. Verwahrgebühr Xetra-Gold, ADR, GDR |
| DADAT | 0,00 % | exkl. physisches Gold; Verrechnungskonto 10 € |
| Trade Republic | 0,00 € | seit April 2025 steuereinfach |
| Scalable Capital | 0,00 € | KESt-Eigenerklärung nötig |
| bank99 | 0,00 € | österreichisch |
| Erste George Selfinvest | 0,216 % | gratis bis 50.000 € Depotwert |
| easybank | ab 0,12 % | mind. 5,40 €/Position oder 15 €/Depot |
| Bank Direkt | 0,12 % | mind. 5,93 €/Position |
| Saxo Bank | 0,1875 % | internationaler Anbieter |
| Oberbank | ab 0,3036 % | mind. 24 €/Depot, mind. 6 €/Position |
Stand Juni 2026, Quelle broker-test.at und zinsenvergleich.at. Die Order-Gebühren sind eine eigene Kostenebene und im Online-Broker Vergleich detailliert aufgeschlüsselt - hier geht es ausschließlich um die laufenden Halte-Kosten, die Sie Jahr für Jahr zahlen, egal ob Sie eine einzige Order erteilen oder nicht.
Wer die Order-Gebühr zum einzigen Auswahlkriterium macht, übersieht oft die größere Zahl. Eine Order kostet einmal ein paar Euro. Eine prozentuale Depotgebühr läuft jedes Jahr weiter - und wächst mit dem Depot.
Die Prozent-Falle: warum 0,216 % nicht harmlos ist
0,216 Prozent klingt nach nichts. Auf einem ausgewachsenen Depot ist es eine jährlich wiederkehrende Belastung, die ein Broker mit 0 Euro Depotgebühr schlicht nicht hat. Die folgende Rechnung zeigt die reine Depotführungsgebühr von Erste George Selfinvest (0,216 %, gratis bis 50.000 €) gegen einen Null-Euro-Broker - ohne jede Order, nur fürs Halten.
| Depotwert | Erste George 0,216 % p.a. | Über 20 Jahre (konstant) | Flatex/DADAT |
|---|---|---|---|
| 50.000 € | 0 € (Freigrenze) | 0 € | 0 € |
| 100.000 € | 216 € | 4.320 € | 0 € |
| 250.000 € | 540 € | 10.800 € | 0 € |
| 500.000 € | 1.080 € | 21.600 € | 0 € |
Eigene Berechnung, Stand Juni 2026, bei konstantem Depotwert gerechnet. Das ist die Untergrenze: Weil ein gut laufendes Depot über 20 Jahre wächst, steigt die prozentuale Gebühr real mit - die tatsächliche Summe liegt also höher. Bei 250.000 Euro zahlen Sie bei der Bank über zwei Jahrzehnte mindestens 10.800 Euro für eine Leistung, die der Null-Euro-Broker gratis erbringt: das bloße Verwahren der Papiere. Dieser Kostenunterschied frisst direkt an Ihrer Rendite und ist der stärkste Hebel, den die meisten Vergleiche unterschlagen.
Umgekehrt gibt es eine zweite Falle - die Mindestgebühr bei kleinen, breit gestreuten Depots. easybank verlangt mindestens 5,40 Euro pro Position. Wer ein Depot mit zehn verschiedenen ETFs hält, zahlt also mindestens 54 Euro Depotgebühr pro Jahr plus 18 Euro Verrechnungskonto - selbst wenn das Depot nur 8.000 Euro wert ist. Prozentual sind das fast 1 Prozent jährlich, mehr als die laufenden Kosten der ETFs selbst.
Die sechs versteckten Nebenkosten
Die Depotgebühr in der Werbung ist nur die Spitze. Darunter liegen Posten, die in keiner Schlagzeile stehen, aber das Konto belasten:
- Verrechnungskonto-Gebühr. Das Cash-Konto zum Depot ist nicht immer gratis. DADAT verrechnet 10 Euro pro Jahr (bis 2030 entfällt sie bei Mindestanlage), easybank 18 Euro, Bank Direkt rund 20,76 Euro. Bei reinen Neobrokern wie Trade Republic ist es kostenlos.
- Verwahrgebühren für Sonderwerte. Selbst bei 0-Euro-Depots fallen für Xetra-Gold, ADRs und GDRs bei Flatex und für physisches Gold bei DADAT eigene Verwahrentgelte an. Wer solche Werte hält, sollte die Konditionen vorher prüfen.
- Devisenspesen. Wer US-Aktien in Dollar kauft, zahlt oft einen Aufschlag auf den Wechselkurs - je nach Broker 0,25 bis 1 Prozent pro Umtausch, beim Kauf und beim Verkauf.
- Dividendengebühren. Früher üblich, heute auf dem Rückzug: Flatex hat die Gebühr für Auslandsdividenden (5,90 Euro bei Beträgen über 15 Euro) zum 1. Oktober 2025 abgeschafft. DADAT, Trade Republic und LYNX zahlen Dividenden ebenfalls ohne Gebühr aus - aber das ist nicht überall Standard.
- Echtzeitkurse. Kostenlose Depots liefern oft nur 15 Minuten verzögerte Kurse. Echtzeit-Streaming kostet bei manchen Anbietern ein monatliches Paket.
- Ausgabeaufschlag bei Fonds. Der teuerste Posten von allen. Aktiv gemanagte Fonds kosten beim Kauf einen Ausgabeaufschlag von bis zu mehreren Prozent plus eine jährliche Managementgebühr von 0,5 bis 2,5 Prozent. ETFs haben keinen Ausgabeaufschlag und laufende Kosten meist unter 0,5 Prozent - über Jahrzehnte ist das der mit Abstand größte Kostenhebel.
Gesamtkosten statt Einzelposten - ein Rechenbeispiel
Die einzelnen Posten wirken klein, in Summe entscheiden sie. Nehmen wir einen typischen Anleger: 60.000 Euro Depotwert, acht Positionen, davon drei US-Aktien, die er einmal im Jahr für je rund 2.000 Euro nachkauft. So sieht ein Jahr bei einer prozentual abrechnenden Bank gegen einen Null-Euro-Broker aus:
| Kostenposten | easybank | Trade Republic / Flatex |
|---|---|---|
| Depotgebühr (0,12 % von 60.000 €) | 72 € | 0 € |
| Verrechnungskonto | 18 € | 0 € |
| Devisenspesen (3 x 2.000 € x 0,5 %) | 30 € | 0 bis 30 € |
| Laufende Kosten pro Jahr | 120 € | 0 bis 30 € |
Eigene Beispielrechnung, Stand Juni 2026, ohne Order-Gebühren. Die 120 Euro pro Jahr entsprechen 0,2 Prozent des Depotwerts - jedes Jahr, allein fürs Halten. Bei einem Null-Euro-Broker bleibt davon im besten Fall nichts übrig. Der Unterschied wirkt unscheinbar, läuft aber über die gesamte Anlagedauer und summiert sich genau wie die Prozent-Falle oben.
So finden Sie die echten Kosten Ihres Depots
Sie müssen die Gebühren nicht zusammensuchen - das Gesetz zwingt den Broker zur Offenlegung. Nach dem österreichischen Wertpapieraufsichtsgesetz (WAG 2018, Umsetzung von MiFID II) muss jeder Broker zwei Kostenausweise liefern: einen Ex-ante-Ausweis vor dem Kauf mit den voraussichtlichen Kosten und einmal jährlich einen Ex-post-Ausweis, der alle im abgelaufenen Kalenderjahr tatsächlich angefallenen Kosten auflistet - sowohl in Euro als auch in Prozent des Anlagebetrags.
Dieser jährliche Ex-post-Kostenausweis ist das ehrlichste Dokument, das Sie zu Ihrem Depot bekommen. Er zeigt schwarz auf weiß, was Verwahrung, Orders, Devisentausch und Produktkosten zusammen gekostet haben. Wer ihn liest, statt ihn zu archivieren, erkennt sofort, ob die laufenden Kosten in einem vernünftigen Verhältnis zur Depotgröße stehen. Bei Vermögensverwaltern und Robo-Advisors, die quartalsweise berichten, steckt die Information oft in den regulären Reportings.
Worauf es bei der Depotwahl wirklich ankommt
Negativzinsen auf das Verrechnungskonto waren bis 2022 ein echtes Thema - Flatex etwa hat sie im August 2022 abgeschafft, und im aktuellen Zinsumfeld mit positiven Sparzinsen sind sie kein Faktor mehr. Geblieben ist die Grundregel: Die Depotgebühr ist nur dann ein guter Auswahlgrund, wenn alle anderen Posten stimmen.
Für die meisten Privatanleger mit einem ETF-Sparplan im Buy-and-Hold-Modus ist die Rechnung einfach. Ein Broker mit 0 Euro Depotgebühr, gratis Verrechnungskonto und kostenlosen ETF-Sparplänen schlägt jedes prozentuale Bankdepot - nicht knapp, sondern deutlich. Die Bankbeziehung und der Komfort einer vertrauten Banking-App sind reale Vorteile, aber sie kosten bei großen Depots vierstellige Beträge pro Jahrzehnt.
Wer bereits ein teures Bankdepot hat, muss nicht verkaufen: Ein Depotübertrag bringt die Papiere steuerneutral zum günstigeren Broker, solange die Anschaffungsdaten korrekt mitwandern. Und wer aktiv mit Einzelaktien handelt, rechnet zusätzlich die Order-Gebühren gegen - bei der die günstigen Anbieter wie Trade Republic mit 1 Euro pauschal oder Scalable ab 0,99 Euro ohnehin vorne liegen, sofern man die jährliche Kapitalertragsteuer-Eigenerklärung nicht scheut.
Wie verdienen Gratis-Broker - und was sich Mitte 2026 ändert
Ein Depot ohne Depotgebühr und mit 1-Euro-Orders ist kein Geschenk. Neobroker verdienen an drei Stellen: an der Zinsmarge auf nicht investiertes Cash-Guthaben, am Spread zwischen An- und Verkaufskurs - und bisher an Rückvergütungen der Handelsplätze, dem sogenannten Payment for Order Flow (PFOF). Dabei leitet der Broker Ihre Order an einen bestimmten Handelsplatz und kassiert dafür eine Vergütung.
Genau dieses dritte Standbein fällt weg: Ab 1. Juli 2026 gilt EU-weit ein PFOF-Verbot. Für österreichische Anleger heißt das, dass die billigsten Order-Modelle unter Druck geraten könnten - manche Neobroker werden den wegfallenden Erlös über höhere Order-Gebühren oder Spreads ausgleichen. Trade Republic und Scalable Capital haben deshalb eigene Handelsplätze aufgebaut, um weiter über Spreads zu verdienen. Die Depotgebühr selbst bleibt davon unberührt, aber die Gesamtkosten-Rechnung sollten Sie nach dem Stichtag neu aufstellen.
Unsere Einschätzung
Die Depotgebühr ist 2026 für die meisten Anleger ein gelöstes Problem: Es gibt genug seriöse Anbieter mit 0,00 Euro, sodass eine prozentuale Gebühr nur dann zu rechtfertigen ist, wenn ein konkreter Gegenwert dahintersteht - etwa die nahtlose Integration ins bestehende Banking bei Erste George, die bis 50.000 Euro ohnehin gratis bleibt. Über dieser Schwelle und besonders bei sechsstelligen Depots ist die Prozent-Falle real und teuer.
Wichtiger als die Depotgebühr selbst ist die Summe aller Posten. Ein Anbieter mit 0 Euro Depotgebühr, aber teuren Devisenspesen und einem kostenpflichtigen Verrechnungskonto kann am Ende teurer sein als ein scheinbar teureres Depot mit sauberen Nebenkosten. Rechnen Sie Ihren konkreten Anlage-Stil durch - Anzahl Positionen, Fremdwährungsanteil, Order-Frequenz - statt nur auf die Schlagzeile “0 Euro Depot” zu schauen.
Häufig gestellte Fragen
Welche Broker haben 2026 in Österreich keine Depotgebühr?
Flatex, DADAT, Trade Republic, Scalable Capital, bank99, Bitpanda, LYNX und CapTrader führen das Depot mit 0,00 Euro pro Jahr. Ausnahmen: Flatex verlangt eine Verwahrgebühr für Xetra-Gold, ADRs und GDRs, DADAT für physisches Gold.
Wie hoch ist eine prozentuale Depotgebühr?
Erste George Selfinvest verlangt 0,216 % pro Jahr, gratis bis 50.000 Euro Depotwert. easybank ab 0,12 % (mind. 5,40 Euro pro Position), Bank Direkt 0,12 % (mind. 5,93 Euro pro Position), Saxo 0,1875 %, Oberbank ab 0,3036 %. Auf große Depots summiert sich das.
Was kostet 0,216 % Depotgebühr bei 250.000 Euro Depotwert?
540 Euro pro Jahr. Über 20 Jahre sind das bei konstantem Depotwert mindestens 10.800 Euro - bei einem Broker mit 0 Euro Depotgebühr zahlen Sie für dieselbe Verwahrung nichts.
Welche versteckten Kosten gibt es neben der Depotgebühr?
Verrechnungskonto-Gebühr (DADAT 10 Euro, easybank 18 Euro pro Jahr), Verwahrgebühren für Gold/ADR/GDR, Devisenspesen bei Fremdwährung, Dividendengebühren, Echtzeitkurs-Pakete und bei Fonds der Ausgabeaufschlag von bis zu mehreren Prozent.
Sind ETFs günstiger als Fonds im Depot?
Ja deutlich. Aktiv gemanagte Fonds kosten Ausgabeaufschlag plus 0,5 bis 2,5 % Managementgebühr pro Jahr. ETFs haben keinen Ausgabeaufschlag und laufende Kosten von meist unter 0,5 % - das ist über Jahrzehnte der größte Kostenhebel überhaupt.
Lohnt ein Bankdepot trotz Depotgebühr?
Bei kleinen Depots bis rund 50.000 Euro mit kostenloser Führung (Erste George) ja, wenn die Bankbeziehung zählt. Bei großen Depots fressen die Prozente jeden Komfortvorteil auf - dort ist ein Broker mit 0 Euro Depotgebühr klar überlegen.
Werden Neobroker durch das PFOF-Verbot 2026 teurer?
Möglich. Ab 1. Juli 2026 verbietet die EU Payment for Order Flow. Damit fällt eine Einnahmequelle der Gratis-Broker weg, die manche über höhere Order-Gebühren oder Spreads ausgleichen könnten. Trade Republic und Scalable haben dafür eigene Handelsplätze aufgebaut. Die Depotgebühr selbst ist nicht betroffen.
Chefredakteur finanzguide.at