Robo-Advisor Österreich 2026: Kosten, Anbieter, Steuer-Falle
Was ist ein Robo-Advisor und was kostet er 2026?
Ein Robo-Advisor ist eine digitale Vermögensverwaltung: Nach einem kurzen Fragebogen zu Risiko und Anlagedauer investiert die Software Ihr Geld automatisch in ein breit gestreutes ETF-Portfolio und balanciert es laufend aus. In Österreich kosten die Anbieter 2026 zwischen rund 0,35 und 1,25 Prozent pro Jahr - dazu kommen die Produktkosten der ETFs.
Der Reiz liegt im Komfort. Sie müssen weder ETFs auswählen noch sich um das Rebalancing kümmern, noch in einem Crash die Nerven behalten und gegen den eigenen Bauch nachkaufen. Das übernimmt der Algorithmus. Dafür zahlen Sie eine Gebühr, die deutlich über dem liegt, was ein selbst verwaltetes Depot kostet. Ob sich dieser Aufpreis lohnt, hängt an zwei Fragen, die fast jeder Vergleich im Netz unterschlägt: an der Steuer und an der Gebührenwirkung über die Zeit.
Was ein Robo-Advisor tatsächlich macht
Die Mechanik ist bei allen Anbietern ähnlich. Sie beantworten Fragen zu Einkommen, Anlagehorizont und Verlusttoleranz. Daraus errechnet das System ein Risikoprofil und ordnet Ihnen eines von meist drei bis fünf Portfolios zu - vom defensiven Modell mit hohem Anleihenanteil bis zum offensiven, das fast vollständig in Aktien-ETFs steckt.
Der eigentliche Mehrwert steckt im laufenden Betrieb. Steigt der Aktienanteil durch Kursgewinne über die Zielquote, verkauft der Robo automatisch und kauft Anleihen nach. Das hält das Risiko konstant und zwingt Sie zur antizyklischen Disziplin, an der private Anleger regelmäßig scheitern. Im Hintergrund liegen fast immer dieselben kostengünstigen Indexfonds, die Sie auch in unserem ETF-Ratgeber finden - der Robo baut daraus nur das Portfolio und hält es in Form.
Was ein Robo-Advisor nicht ist: eine Wundermaschine für Überrenditen. Die Rendite kommt aus dem Markt, nicht aus dem Algorithmus. Was der Robo liefert, ist Struktur und Bequemlichkeit - und genau dafür zahlen Sie.
Anbieter in Österreich 2026 im Überblick
Der Markt teilt sich in zwei Lager: österreichische Anbieter mit heimischer Depotbank und deutsche Anbieter, die zwar in Österreich nutzbar, aber steuerlich nicht eingebunden sind. Die folgende Übersicht fasst die wichtigsten Anbieter mit Stand Juni 2026 zusammen.
| Anbieter | Herkunft | Gebühr p.a. | Mindestanlage | Sparplan ab | Steuereinfach |
|---|---|---|---|---|---|
| froots | Wien (AT) | 0,7 - 1,0 % | - (Sparplan) | 75 € | ja |
| Savity | AT (Raiffeisen CM) | 0,59 - 0,99 % | 2.500 € | ja | ja |
| Will (Raiffeisen) | AT | 0,96 - 1,25 % | 10.000 € | ja | ja |
| DADAT | AT | 1,20 % | 15.000 € | ja | ja |
| Scalable Capital | DE | ab 0,69 % | 20 € | 20 € | nein |
| growney | DE | ab 0,38 % | 500 € | 25 € | nein |
| quirion | DE | ab 0,48 % | 1.000 € | 25 € | nein |
| Whitebox | DE | ab 0,35 % | 5.000 € | 25 € | nein |
Auf den ersten Blick gewinnen die deutschen Anbieter klar: Whitebox ab 0,35 Prozent gegen froots mit bis zu 1,0 Prozent ist fast der dreifache Preis. Doch dieser Vergleich greift zu kurz, weil er die Steuer ausblendet - und die kostet bei deutschen Anbietern Zeit, Nerven und unter Umständen Beraterhonorar.
Der Steuer-Knackpunkt: steuereinfach oder nicht
Das ist der Punkt, an dem die meisten Vergleichsseiten schweigen. In Österreich gilt auf Kursgewinne und Dividenden die Kapitalertragsteuer von 27,5 Prozent. Entscheidend ist, wer sie abführt.
Bei einem steuereinfachen Anbieter mit österreichischer Depotbank wird die KESt automatisch einbehalten und ans Finanzamt überwiesen - genau wie bei einer heimischen Bank. Sie bekommen die Erträge netto, müssen nichts erklären, nichts nachzahlen. Die Steuer ist mit dem Abzug erledigt (Endbesteuerung).
Bei einem nicht steuereinfachen Anbieter mit ausländischer Depotbank passiert das nicht. Sie sind selbst verpflichtet, die Kapitalerträge zu erklären und die 27,5 Prozent abzuführen. Konkret heißt das:
- Jährliche Angabe der Kursgewinne und Dividenden in der Steuererklärung über die Beilage E1kv.
- Bei thesaurierenden ETFs zusätzlich die Erklärung der ausschüttungsgleichen Erträge - also der intern wiederveranlagten Gewinne, die Sie versteuern müssen, obwohl nichts auf Ihr Konto fließt.
- Realisierte Verluste lassen sich gegenrechnen, aber Sie müssen sie selbst dokumentieren; den automatischen Verlustausgleich im Depot gibt es nur bei österreichischen Stellen.
| Merkmal | Steuereinfach (AT-Depot) | Nicht steuereinfach (DE-Depot) |
|---|---|---|
| KESt-Abzug | automatisch, 27,5 % | Sie führen selbst ab |
| Steuererklärung nötig | nein | ja, jährlich (E1kv) |
| Thesaurierer | kein Aufwand | ausschüttungsgleiche Erträge erklären |
| Verlustausgleich | automatisch im Depot | selbst dokumentieren |
| Aufwand pro Jahr | null | 1 bis 3 Stunden oder Beraterhonorar |
Für Anleger, die ohnehin eine Arbeitnehmerveranlagung machen und sich mit Steuerformularen auskennen, ist die Erklärung machbar. Wer das nicht will, zahlt bei einem deutschen Anbieter den Gebührenvorteil schnell in Form von Steuerberatungskosten oder verlorener Zeit wieder zurück. Das ist die ehrliche Rechnung hinter den niedrigen deutschen Gebühren.
Was die Gebühr über 20 Jahre wirklich kostet
Prozente klingen harmlos. 1 Prozent pro Jahr - das ist doch nichts? In der langen Frist frisst die Gebühr einen erheblichen Teil der Rendite, weil sie nicht nur auf die Einzahlung, sondern Jahr für Jahr auf das gesamte angewachsene Vermögen anfällt.
Das folgende Rechenbeispiel zeigt den Effekt. Annahme: 300 Euro monatlich, 20 Jahre Laufzeit, 6 Prozent Bruttorendite pro Jahr. Verglichen werden ein typischer Robo-Advisor (1,0 Prozent Gesamtgebühr inklusive ETF-Kosten) und ein selbst gebauter ETF-Sparplan über einen günstigen Broker (0,25 Prozent reine ETF-Kosten).
| Position | Robo-Advisor (1,0 %) | ETF-Sparplan selbst (0,25 %) |
|---|---|---|
| Eingezahlt (20 J.) | 72.000 € | 72.000 € |
| Endwert vor Gebühr | ca. 138.600 € | ca. 138.600 € |
| Endwert nach Gebühr | ca. 124.500 € | ca. 134.800 € |
| Gebühr gekostet | ca. 14.100 € | ca. 3.800 € |
| Differenz | - | rund 10.300 € mehr |
Über 20 Jahre kostet der Komfort des Robo in diesem Szenario gut 10.000 Euro mehr als die Selbstverwaltung. Das ist kein Argument gegen Robo-Advisors - aber es ist der Preis, den Sie kennen sollten, bevor Sie sich für den bequemen Weg entscheiden. Bei höheren Summen oder längeren Laufzeiten wird die Lücke noch größer, weil der Zinseszinseffekt auf die nicht abgeflossene Gebühr fehlt.
Die Pensions-Variante ohne KESt
Ein Detail, das in keinem Standardvergleich auftaucht: Einzelne österreichische Anbieter bieten die digitale Geldanlage auch im Versicherungsmantel an. froots etwa führt eine Pensionsvorsorge “ohne KESt” mit einer Mindestlaufzeit von 15 Jahren. Dahinter steckt eine fondsgebundene Lebensversicherung - und die wird steuerlich anders behandelt als das klassische Wertpapierdepot.
Der Unterschied: Statt 27,5 Prozent KESt auf den Gewinn fällt bei einer Mindestlaufzeit von 15 Jahren eine Versicherungssteuer von 4 Prozent auf die eingezahlten Prämien an - die Auszahlung am Ende bleibt dann frei von Kapitalertragsteuer. Bei langen Laufzeiten und ordentlichem Wertzuwachs kann das die günstigere Steuervariante sein, weil die 4 Prozent nur auf die Einzahlungen, nicht auf die Gewinne anfallen.
Der Haken ist die Bindung. Sie kommen vor Ablauf der 15 Jahre nur mit steuerlichen Nachteilen an Ihr Geld, und der Versicherungsmantel kostet zusätzlich Gebühr. Für wirklich langfristige Altersvorsorge ohne Zugriffsbedarf kann sich die Rechnung lohnen - als flexibler Vermögensaufbau taugt sie nicht.
Robo-Advisor oder ETF-Sparplan selbst?
Die Alternative zum Robo ist der eigene ETF-Sparplan über einen Online-Broker. Dort kaufen Sie ein oder zwei breite Welt-ETFs, richten einen automatischen Sparplan ein und rebalancieren ein- bis zweimal im Jahr selbst. Der Aufwand ist überschaubar, die Kostenersparnis erheblich.
Der Robo lohnt sich trotzdem - für bestimmte Anleger. Sinnvoll ist er, wenn Sie sich die ETF-Auswahl nicht zutrauen, das Rebalancing zuverlässig vergessen würden oder in einer Krise zum Panikverkauf neigen. Auch wer einen steuereinfachen Anbieter wählt und die Steuererklärung komplett auslagern will, kauft sich mit dem Aufpreis echten Komfort. Für den langfristigen Vermögensaufbau zur Altersvorsorge ist beides ein gangbarer Weg, solange die Kosten im Blick bleiben.
Gegen den Robo spricht der reine Preis und die geringere Kontrolle. Sie geben die Anlageentscheidungen aus der Hand und bekommen ein standardisiertes Portfolio aus drei bis fünf Modellen - viel individuelle Feinsteuerung ist nicht drin. Wer ohnehin gerne selbst entscheidet und sich mit Investmentfonds und ETFs auskennt, fährt mit dem Eigenbau günstiger.
Mein Rat: Für den Einstieg und für alle, die Geldanlage als lästige Pflicht empfinden, ist ein steuereinfacher österreichischer Robo eine vernünftige Wahl - die etwas höhere Gebühr ist die Versicherung dagegen, gar nicht erst anzufangen oder im falschen Moment zu verkaufen. Wer aber Zeit und Interesse mitbringt, holt mit einem eigenen ETF-Sparplan über die Jahre den deutlich besseren Schnitt heraus. Die schlechteste Variante ist, das Geld aus Unsicherheit gar nicht zu investieren und auf dem Sparkonto liegen zu lassen, wo es die Inflation auffrisst.
Häufig gestellte Fragen
Was kostet ein Robo-Advisor in Österreich 2026?
Die Verwaltungsgebühr liegt 2026 je nach Anbieter zwischen rund 0,35 und 1,25 Prozent pro Jahr. Dazu kommen die laufenden Produktkosten der ETFs von meist 0,15 bis 0,25 Prozent. Günstige deutsche Anbieter starten bei 0,35 bis 0,69 Prozent, österreichische Anbieter wie froots oder Savity liegen bei 0,59 bis 1,0 Prozent - dafür sind sie steuereinfach.
Welcher Robo-Advisor ist in Österreich steuereinfach?
Steuereinfach heißt: Die depotführende Stelle behält die 27,5 Prozent Kapitalertragsteuer automatisch ein, Sie müssen nichts erklären. Das tun nur Anbieter mit österreichischer Depotbank - etwa froots, Savity, das DADAT-Modell oder Will von Raiffeisen. Deutsche Anbieter wie Scalable Capital, quirion oder growney sind nicht steuereinfach.
Was bedeutet 'nicht steuereinfach' konkret?
Sie müssen die Kapitalerträge selbst in der Steuererklärung angeben (Beilage E1kv) und die 27,5 Prozent KESt nachzahlen. Bei thesaurierenden ETFs sind außerdem die ausschüttungsgleichen Erträge jedes Jahr zu erklären, auch wenn nichts ausgezahlt wurde. Das kostet Aufwand oder Steuerberatungshonorar.
Robo-Advisor oder ETF-Sparplan selbst - was ist besser?
Ein selbst gebauter ETF-Sparplan über einen günstigen Broker kostet rund 0,2 bis 0,3 Prozent pro Jahr und damit deutlich weniger als ein Robo mit 1 Prozent. Über 20 Jahre macht das bei 300 Euro Monatsrate mehrere tausend Euro Unterschied. Der Robo lohnt sich vor allem für Anleger, die Rebalancing und Steuer nicht selbst übernehmen wollen.
Wie viel Geld braucht man für einen Robo-Advisor?
Die Einstiegshürden gehen weit auseinander. froots startet beim Sparplan ab 75 Euro im Monat, deutsche Anbieter wie Scalable oder growney teils ab 20 bis 25 Euro Sparrate. Bei Einmalanlagen verlangen österreichische Anbieter oft 2.500 bis 15.000 Euro Mindestsumme, etwa Savity ab 2.500 Euro im Zinshamster-Portfolio.
Sind Robo-Advisor in Österreich sicher und reguliert?
Ja. Seriöse Anbieter sind als Vermögensverwalter oder Wertpapierfirma konzessioniert und stehen unter Aufsicht der FMA beziehungsweise der jeweiligen nationalen Behörde. Ihr Wertpapierdepot ist Sondervermögen - bei einer Insolvenz des Anbieters bleiben die ETFs Ihr Eigentum und fallen nicht in die Konkursmasse.
Chefredakteur finanzguide.at