Immobilienfinanzierung 2026 Österreich - der komplette Leitfaden

Von Martin Höllinger Stand 12.06.2026 Lesezeit 11 Min Quellen geprüft

Kaufnebenkosten-Rechner 2026

Nebenkosten gesamt

€ 35.700,00

10.2% vom Kaufpreis

Gesamtkosten

€ 385.700,00

Kaufpreis + Nebenkosten

Grunderwerbsteuer (3,5%)€ 12.250,00
Grundbucheintragung (1,1%)€ 3.850,00
Maklerprovision (3% netto)€ 10.500,00
+ 20% USt auf Maklerprovision€ 2.100,00
Notar-/Vertragserrichtung (~2%)€ 7.000,00
Nebenkosten gesamt€ 35.700,00
Kaufpreis GrESt Grundbuch Makler Notar

Richtwerte. Notar-/Vertragserrichtungskosten variieren je nach Komplexitaet. Maklerprovision max. 3% + 20% USt (ab Kaufpreis ueber EUR 390.940,80). Keine Rechtsberatung.

Die vier Bausteine jeder Finanzierung

Eine Immobilienfinanzierung steht und fällt mit vier Größen: Eigenmittel, Kaufnebenkosten, Zinsbindung und der tragbaren Rate. Wer alle vier vorab realistisch durchrechnet, erlebt bei der Bank keine bösen Überraschungen. Wer nur auf den Kaufpreis schaut, schon.

Der häufigste Fehler ist, die Nebenkosten zu vergessen. Sie kommen zum Kaufpreis dazu und müssen fast immer aus eigener Tasche bezahlt werden - die Bank finanziert sie in der Regel nicht mit.


Eigenmittel und Kaufnebenkosten

Als Richtwert gelten rund 20 Prozent des Kaufpreises an Eigenmitteln plus die Kaufnebenkosten von etwa 10 Prozent. Letztere setzen sich zusammen aus Grunderwerbsteuer (3,5 %), Eintragungsgebühr, Pfandrechtseintragung, Maklerprovision und Vertragskosten - Details im Beitrag zum Immobilienkauf.

Praktisch heißt das: Für eine Wohnung um 350.000 Euro brauchen Sie nicht 350.000, sondern eher 105.000 Euro flüssig - 70.000 Eigenmittel plus 35.000 Nebenkosten. Die restlichen 280.000 finanziert die Bank.


Die Kaufnebenkosten im Detail

Die rund 10 Prozent setzen sich so zusammen (Beispiel: Kaufpreis 350.000 Euro):

PostenSatzBetrag
Grunderwerbsteuer3,5 %12.250 €
Eintragungsgebühr Eigentum1,1 %3.850 €
Pfandrechtseintragung1,2 % der Pfandsummeca. 3.360 €
Maklerprovision (inkl. USt)bis 3,6 %bis 12.600 €
Kaufvertrag/Treuhandca. 1 - 2 %ca. 3.500 - 7.000 €

Ohne Makler liegt man bei rund 7 Prozent, mit Makler bei bis zu 11. Zwei Erleichterungen sind zeitlich begrenzt: Für das Eigenheim als Hauptwohnsitz sind Eintragungsgebühr und Pfandrechtseintragung (bis 500.000 Euro Bemessungsgrundlage) noch bis 30. Juni 2026 befreit - wer ohnehin kurz vor dem Kauf steht, spart durch rasches Handeln mehrere tausend Euro.

So läuft die Finanzierung ab

  1. Budget klären: Haushaltsrechnung, Eigenmittel zusammenstellen, Leistbarkeit rechnen - vor der Immobiliensuche.
  2. Finanzierungsgespräche führen: Zwei, drei Banken parallel anfragen, idealerweise mit einer grundsätzlichen Finanzierungszusage in der Tasche auf Objektsuche gehen. Das macht beim Kauf schnell und verhandlungsstark.
  3. Objekt gefunden: Bank prüft die konkrete Immobilie (Schätzung, Beleihungswert), dann kommt das verbindliche Angebot.
  4. Kreditvertrag und Kaufvertrag: Beide werden aufeinander abgestimmt; die Abwicklung läuft über einen Treuhänder (Notar oder Rechtsanwalt).
  5. Auszahlung: Die Bank zahlt den Kreditbetrag auf das Treuhandkonto, der Treuhänder leitet ihn nach Eintragung der Rechte an den Verkäufer weiter.

Vom Finanzierungsgespräch bis zur Auszahlung vergehen typischerweise vier bis acht Wochen - bei komplizierten Objekten oder fehlenden Unterlagen länger.

Wohnbauförderung nicht vergessen

Jedes Bundesland fördert Bau, Kauf und Sanierung von Wohnraum - mit geförderten Darlehen, Annuitätenzuschüssen oder Einmalzuschüssen. Die Bedingungen unterscheiden sich stark (Einkommensgrenzen, energetische Standards, Antrag oft vor Baubeginn), die Details stehen im Beitrag zur Wohnbauförderung.

Der Effekt ist real: Ein gefördertes Landesdarlehen mit niedrigem Zins kann einen Teil des Bankkredits ersetzen und die Gesamtbelastung spürbar senken. Wer baut oder saniert, sollte die Förderlandschaft seines Bundeslands prüfen, bevor der Kreditvertrag unterschrieben ist - nachträglich geht oft nichts mehr.

Was nach dem KIM-Aus gilt

Die KIM-Verordnung, die Mindeststandards für Wohnkredite vorschrieb, ist mit 30. Juni 2025 ausgelaufen. Damit gibt es keine gesetzliche Pflicht mehr zu 20 Prozent Eigenmitteln. In der Praxis ändert das wenig: Die Banken halten die bewährten Eckwerte als interne Richtlinie bei.

Eckwertinterne Richtlinie der Banken
Eigenmittelquoterund 20 %
maximale Laufzeitetwa 35 Jahre
Schuldendienstquotehöchstens 40 % des Nettoeinkommens

Wer diese Werte erfüllt, bekommt die Finanzierung meist problemlos. Wer darunter liegt, muss verhandeln, mehr Eigenmittel bringen oder zusätzliche Sicherheiten anbieten.


Fixzins oder variabel

Die zentrale Zinsentscheidung. Stand Juni 2026 beginnen variable Finanzierungen bei rund 3,4 Prozent, ein 20-jähriger Fixzins liegt bei etwa 3,95 Prozent nominal (mehr dazu unter Kreditzinsen). Der Fixzins kostet also wieder einen moderaten Aufschlag - nachdem er in der teilweise inversen Zinsphase zuvor zeitweise sogar günstiger war.

Für Haushalte, die knapp kalkulieren, bleibt der Fixzins trotzdem die vernünftige Wahl: Die Rate steht über die gesamte Bindung fest, keine Zinswende kann die Finanzierung sprengen. Wer finanziellen Puffer hat, kann variabel fahren und vom niedrigeren Einstieg profitieren - trägt aber das Risiko steigender Raten. Der Mittelweg ist der Kombikredit, der einen Teil fix und einen Teil variabel verzinst.


Was als Eigenmittel zählt

Eigenmittel sind mehr als das Sparkonto. Banken akzeptieren üblicherweise:

  • Spar- und Wertpapierguthaben (Depots werden teils mit Abschlag bewertet, weil Kurse schwanken),
  • Bausparguthaben - inklusive des Anspruchs auf ein Bauspardarlehen als Finanzierungsbaustein,
  • Schenkungen und Vorerbschaften aus der Familie (mit Nachweis; größere Schenkungen sind meldepflichtig),
  • unbelastete Grundstücke oder Immobilien, die als zusätzliche Sicherheit dienen können,
  • bei Neubauten teils Eigenleistung (“Muskelhypothek”) - allerdings nur begrenzt und realistisch bewertet.

Nicht als Eigenmittel zählen aufgenommene Privatkredite - die Bank durchschaut geliehene Eigenmittel in der Haushaltsrechnung, und sie verschlechtern die Schuldendienstquote doppelt. Wer Eigenmittel aus der Familie bekommt, sollte früh klären, ob es Schenkung oder Darlehen ist: Ein Familiendarlehen mit Rückzahlungspflicht rechnet die Bank als Verbindlichkeit an.

Haushaltsrechnung: was Sie sich leisten können

Bevor die Bank entscheidet, sollten Sie selbst rechnen. In der Haushaltsrechnung stehen alle Nettoeinnahmen den fixen Ausgaben gegenüber - Lebenshaltung, bestehende Kredite, Versicherungen. Was übrig bleibt, ist die Obergrenze für die Kreditrate, abzüglich eines Sicherheitspuffers.

Beispiel: 280.000 Euro Kredit, 3,5 Prozent Fixzins, 30 Jahre Laufzeit ergeben eine Rate von rund 1.260 Euro pro Monat. Über die gesamte Laufzeit zahlen Sie dabei rund 172.000 Euro an Zinsen. Diese Zahl macht klar, warum schon ein halber Prozentpunkt Unterschied beim Zins über zehntausende Euro entscheidet - und warum der Kreditvergleich am Anfang stehen muss.

Wichtig ist der Puffer: Die Rate sollte auch dann tragbar bleiben, wenn ein Einkommen wegfällt oder größere Ausgaben anstehen. Wer bis an die Grenze finanziert, hat keinen Spielraum für das, was im Leben dazwischenkommt.


Quellen (3)

Häufig gestellte Fragen

Wie viel Eigenmittel braucht man für eine Immobilienfinanzierung?

Als Richtwert rund 20 Prozent des Kaufpreises plus die Kaufnebenkosten von etwa 10 Prozent. In Summe sollten also rund 30 Prozent aus eigenen Mitteln gedeckt sein. Die KIM-Verordnung ist zwar ausgelaufen, die Banken halten diese Richtlinie aber meist intern bei.

Gilt die KIM-Verordnung 2026 noch?

Nein, sie ist mit 30. Juni 2025 ausgelaufen. Die Banken orientieren sich aber weiter an ihren Eckwerten: rund 20 Prozent Eigenmittel, maximal 35 Jahre Laufzeit und höchstens 40 Prozent des Nettoeinkommens für die Kreditrate.

Fixzins oder variabel - was ist 2026 besser?

Stand Juni 2026 ist variabel mit ab rund 2,75 Prozent günstiger als ein 20-jähriger Fixzins mit etwa 3,95 Prozent. Der Fixzins kostet einen moderaten Aufschlag, sichert dafür die Rate über die gesamte Bindung. Wer knapp kalkuliert, wählt fix; wer Puffer hat, kann variabel fahren oder im Kombikredit mischen.

Wie viel darf die Kreditrate vom Einkommen ausmachen?

Als Faustregel höchstens 40 Prozent des verfügbaren Haushaltsnettoeinkommens. Banken prüfen das in der Haushaltsrechnung, in der alle Einnahmen den fixen Ausgaben gegenübergestellt werden.

Wie lange dauert eine Immobilienfinanzierung?

Vom ersten Finanzierungsgespräch bis zur Auszahlung typischerweise vier bis acht Wochen. Wer mit einer grundsätzlichen Finanzierungszusage auf Objektsuche geht, ist beim Kauf deutlich schneller und verhandlungsstärker.

Welche Gebühren-Befreiung gilt noch bis Mitte 2026?

Für das Eigenheim als Hauptwohnsitz sind die Eintragungsgebühr (1,1 Prozent) und die Pfandrechtseintragung (1,2 Prozent) bis zu einer Bemessungsgrundlage von 500.000 Euro noch bis 30. Juni 2026 befreit - das spart beim Kauf mehrere tausend Euro.

MH
Martin Höllinger

Chefredakteur finanzguide.at