Rendite einfach erklärt - berechnen, real, Zinseszins

Von Martin Höllinger Stand 12.06.2026 Lesezeit 10 Min Quellen geprüft

Was Rendite ist

Rendite ist der Ertrag einer Geldanlage im Verhältnis zum eingesetzten Kapital, ausgedrückt in Prozent pro Jahr. Sie ist die ehrliche Vergleichszahl: Erst die Rendite macht ein Sparbuch, einen ETF und eine Anleihe vergleichbar.

Wichtig ist die Einheit “pro Jahr”. Eine Anlage, die in fünf Jahren 25 Prozent bringt, hat keine 25 Prozent Rendite, sondern rund 4,6 Prozent pro Jahr. Wer Angebote vergleicht, muss immer dieselbe Zeitbasis verwenden.


Rendite berechnen

Die Grundformel ist simpel:

Rendite = Ertrag / eingesetztes Kapital × 100

Aus 10.000 Euro werden nach einem Jahr 10.500 Euro. Der Ertrag beträgt 500 Euro, die Rendite also 5 Prozent. Bei mehreren Jahren mit Wiederveranlagung rechnet man mit der durchschnittlichen jährlichen Rendite, die den Zinseszins berücksichtigt - nicht einfach den Gesamtgewinn durch die Jahre geteilt.


Nominal gegen real: die Inflation frisst mit

Die wichtigste Unterscheidung überhaupt. Die nominale Rendite ist der reine Wertzuwachs. Die reale Rendite zieht die Inflation ab - und nur sie sagt, ob Ihre Kaufkraft tatsächlich gestiegen ist.

Ein Beispiel: 5 Prozent nominale Rendite, 3 Prozent Inflation. Überschlägig bleiben 2 Prozent real, exakt gerechnet rund 1,94 Prozent. Liegt die Inflation über Ihrer Rendite, verlieren Sie real Geld - auch wenn auf dem Konto eine höhere Zahl steht. Genau das passiert beim klassischen Sparbuch regelmäßig: nominal ein kleines Plus, real ein Minus.


Der Zinseszins: warum Zeit der wichtigste Faktor ist

Wer Erträge nicht entnimmt, sondern wieder anlegt, lässt sie selbst Erträge produzieren. Dieser Zinseszinseffekt ist der mächtigste Hebel beim Vermögensaufbau - und er braucht vor allem eines: Zeit.

10.000 Euro zu 6 Prozent pro Jahr:

Verzinsungnach 30 Jahren
einfach (6 % nur aufs Startkapital)28.000 €
mit Zinseszinsca. 57.000 €

Mehr als das Doppelte, allein weil die Erträge mitarbeiten. Deshalb schlägt früh und stetig fast immer spät und viel. Wer mit 25 zu sparen beginnt, hat einen Vorsprung, den ein Späteinsteiger mit höheren Beträgen kaum aufholt.


Die 72er-Regel: wann sich das Geld verdoppelt

Eine Faustformel, die im Kopf funktioniert: Teilen Sie 72 durch die jährliche Rendite, und Sie wissen ungefähr, nach wie vielen Jahren sich das Kapital verdoppelt.

  • 2 Prozent Rendite: 72 / 2 = 36 Jahre bis zur Verdopplung.
  • 6 Prozent Rendite: 72 / 6 = 12 Jahre.
  • 8 Prozent Rendite: 72 / 8 = 9 Jahre.

Der Unterschied ist dramatisch: Wer 6 statt 2 Prozent erzielt, verdoppelt sein Geld dreimal so schnell. Die Regel zeigt anschaulich, warum ein paar Prozentpunkte mehr Rendite über die Jahre den entscheidenden Unterschied machen - und warum das Niedrigzins-Sparbuch beim Vermögensaufbau verliert.

Rendite-Begriffe, die man auseinanderhalten sollte

Hinter dem Wort “Rendite” stecken mehrere Größen:

  • Bruttorendite: vor Steuern und Kosten - die Schlagzeilenzahl.
  • Nettorendite: nach Kosten (TER, Gebühren) und nach KESt - das, was wirklich ankommt.
  • Realrendite: zusätzlich um die Inflation bereinigt - der echte Kaufkraftgewinn.
  • Effektivzins: bezieht alle Kosten und den Zinseszins über die Laufzeit ein.

Wer Angebote vergleicht, muss dieselbe Größe gegen dieselbe stellen. Eine Bruttorendite gegen eine Nettorendite zu vergleichen, führt fast immer zur falschen Entscheidung.

Rendite und Risiko gehören zusammen

Es gibt keine hohe Rendite ohne Risiko. Wer das Gegenteil verspricht, verkauft etwas oder versteht es selbst nicht. Grob gilt diese Einordnung (historische Werte, keine Garantie für die Zukunft):

Anlageformtypische Rendite p.a.Risiko
Sparbuch / Tagesgeld0 - 3 %sehr gering
Anleihen guter Bonität2 - 4 %gering
breit gestreute Aktien-ETFs6 - 8 % (langfristig)Kursschwankungen

Die höhere Aktienrendite ist die Belohnung dafür, Schwankungen und zwischenzeitliche Verluste auszuhalten. Über kurze Zeiträume ist das echtes Risiko, über 15 oder 20 Jahre hat sich breite Streuung historisch ausgezahlt.


Brutto gegen netto: die Steuer nicht vergessen

Auf Kapitalerträge fällt in Österreich Kapitalertragsteuer an: 25 Prozent auf Sparbuch- und Festgeldzinsen, 27,5 Prozent auf Wertpapiere wie Aktien, ETFs, Fonds und Anleihen. Eine Bruttorendite von 6 Prozent auf einen ETF wird so zu rund 4,35 Prozent netto.

Vergleichen Sie deshalb immer netto und real. Erst wenn Steuer und Inflation abgezogen sind, sehen Sie, was eine Anlage wirklich bringt. Eine nominal hohe Rendite kann nach beidem mager ausfallen - und eine vermeintlich magere kann ausreichen, wenn die Inflation niedrig ist.


Renditeangaben richtig lesen

Renditezahlen in der Werbung sind oft geschönt. Drei Dinge sollte man prüfen:

  • Vergangenheit ist keine Zukunft. “10 Prozent im letzten Jahr” sagt nichts über die kommenden Jahre. Seriöse Anbieter weisen ausdrücklich darauf hin.
  • Kumuliert oder pro Jahr? “60 Prozent in fünf Jahren” klingt nach viel, sind aber nur knapp 10 Prozent pro Jahr - und mancher Prospekt nennt bewusst die große kumulierte Zahl.
  • “Bis zu” ist eine Obergrenze, kein Versprechen. Ein “bis zu 8 Prozent” kann auch null bedeuten.

Dazu kommt ein statistischer Effekt: Fondsanbieter schließen schwache Produkte und zeigen nur die überlebenden - das lässt die Durchschnittsrendite besser aussehen, als sie war. Wer das weiß, liest Renditewerbung mit der nötigen Skepsis.

Rendite beim Sparplan ist anders

Bei einer Einmalanlage ist die Renditeberechnung einfach. Beim monatlichen Sparplan nicht: Jede Rate ist unterschiedlich lange investiert, die früheste arbeitet am längsten. Wer 12-mal 100 Euro einzahlt und am Jahresende 1.250 Euro hat, hat nicht 25 Prozent Rendite auf die vollen 1.200 Euro verdient - das eingezahlte Geld lag im Schnitt nur ein halbes Jahr.

Hinzu kommt der Cost-Average-Effekt: Bei schwankenden Kursen kauft die fixe Rate in günstigen Phasen mehr Anteile, in teuren weniger. Das glättet den Einstiegspreis und nimmt die Angst vor dem “falschen” Zeitpunkt. Für die echte Sparplan-Rendite rechnet man mit dem internen Zinsfuß - die meisten Broker weisen ihn im Depot automatisch aus.

Was eine realistische Rendite ist

Seriöse Erwartungen schützen vor teuren Fehlern. Wer langfristig breit gestreut in Aktien-ETFs investiert, darf historisch mit etwa 6 bis 8 Prozent nominal rechnen - mit Schwankungen und ohne Garantie. Alles, was deutlich mehr verspricht, sollte misstrauisch machen.

Für die Praxis heißt das: Renditeziel realistisch setzen, früh beginnen, Kosten niedrig halten und durchhalten. Diese vier Punkte bringen mehr als die Jagd nach dem nächsten Renditewunder. Wie sich das konkret umsetzen lässt, steht in den Beiträgen zu ETFs und Fonds.


Quellen (2)

Häufig gestellte Fragen

Wie berechnet man die Rendite?

Ertrag geteilt durch eingesetztes Kapital, mal 100. Aus 10.000 Euro werden 10.500 Euro, das sind 500 Euro Ertrag und damit 5 Prozent Rendite. Über mehrere Jahre rechnet man mit der durchschnittlichen jährlichen Rendite.

Was ist der Unterschied zwischen nominaler und realer Rendite?

Die nominale Rendite ist der reine Wertzuwachs. Die reale Rendite zieht die Inflation ab. Bei 5 Prozent Rendite und 3 Prozent Inflation bleiben real nur rund 2 Prozent echter Kaufkraftgewinn.

Warum ist der Zinseszins so wichtig?

Weil Erträge selbst wieder Erträge bringen. 10.000 Euro zu 6 Prozent werden in 30 Jahren zu rund 57.000 Euro - bei einfacher Verzinsung wären es nur 28.000 Euro. Der Unterschied ist allein der Zinseszins.

Welche Rendite ist realistisch?

Sparbuch und Tagesgeld liegen meist unter der Inflation. Anleihen historisch bei rund 2 bis 4 Prozent, breit gestreute Aktien-ETFs langfristig bei etwa 6 bis 8 Prozent nominal - allerdings mit Schwankungen und ohne Garantie.

Was besagt die 72er-Regel?

Sie schätzt, nach wie vielen Jahren sich das Kapital verdoppelt: 72 geteilt durch die jährliche Rendite. Bei 6 Prozent dauert es rund 12 Jahre, bei 8 Prozent nur 9 Jahre, bei 2 Prozent dagegen 36 Jahre. Eine schnelle Faustformel ohne Taschenrechner.

Wie berechne ich die Rendite eines Sparplans?

Nicht mit der einfachen Formel, weil jede Rate unterschiedlich lange investiert ist. Hier zählt der interne Zinsfuß, den die meisten Broker im Depot automatisch ausweisen. Zusätzlich wirkt der Cost-Average-Effekt: Die fixe Rate kauft bei niedrigen Kursen mehr Anteile, bei hohen weniger.

MH
Martin Höllinger

Chefredakteur finanzguide.at