Festgeldkonto 2026 Österreich - Zinsen, Sicherheit, Steuer

Von Martin Höllinger Stand 19.06.2026 Lesezeit 10 Min Quellen geprüft

Was ein Festgeldkonto ist

Beim Festgeld legen Sie einen Betrag für eine fest vereinbarte Laufzeit zu einem fest vereinbarten Zinssatz an - drei Monate, ein Jahr, fünf Jahre. Im Gegenzug für die Bindung bekommen Sie in der Regel mehr Zinsen als beim jederzeit verfügbaren Tagesgeld. Der Zins steht von Anfang an fest und ändert sich während der Laufzeit nicht, egal was die EZB tut.

Der Preis dieser Sicherheit: Sie kommen vor Ablauf normalerweise nicht an Ihr Geld. Wer flexibel bleiben muss, ist beim Tagesgeld besser aufgehoben.


Festgeld-Zinsen 2026

Das Zinsniveau hat sich gedreht: Die EZB hob den Einlagensatz am 11. Juni 2026 erstmals seit September 2023 wieder an - auf 2,25 Prozent, als Reaktion auf die Inflation von 3,7 Prozent. Die Festgeldzinsen bewegen sich je nach Laufzeit und Anbieter zwischen rund 1,6 und 3,0 Prozent (Stand Juni 2026), mit der Anhebung tendenziell wieder etwas höher.

LaufzeitZins-Bandbreite p.a.
3 Monatebis ca. 2,2 %
6 Monatebis ca. 2,5 %
12 Monatebis ca. 3,0 %
24 - 60 Monatebis ca. 3,0 %

Die Spitzenangebote auf 12 Monate (rund 3,0 %) kommen meist von EU-Auslandsbanken wie der estnischen Bigbank. Mit österreichischer Einlagensicherung sind aktuell etwa 2,4 bis 2,5 Prozent das Maximum. Die Zinskurve ist flach bis leicht invers - längere Bindung bringt derzeit kaum Aufschlag.


Einlagensicherung: 100.000 Euro pro Bank

Festgeld gehört zu den sichersten Anlageformen überhaupt. Die gesetzliche Einlagensicherung schützt 100.000 Euro pro Person und Bank - EU-weit einheitlich. Geht die Bank pleite, bekommen Sie diesen Betrag erstattet.

Daraus folgt eine simple Regel: Wer mehr als 100.000 Euro anlegt, splittet auf mehrere Institute. Zwei Banken bedeuten 200.000 Euro Schutz. Bei EU-Auslandsbanken läuft die Sicherung über das jeweilige Heimatland, der Schutz ist aber gleichwertig - relevant ist die Bonität des Sicherungssystems.


Steuer: 25 Prozent und die Frage steuereinfach

Zinsen aus Bankeinlagen - dazu zählt Festgeld - unterliegen 25 Prozent Kapitalertragsteuer, nicht den 27,5 Prozent, die für Wertpapiere gelten (mehr dazu unter Kapitalertragsteuer).

Entscheidend ist, wo die Bank sitzt:

  • Österreichische Bank: steuereinfach. Die KESt wird automatisch abgezogen, das Thema ist erledigt.
  • Ausländische Bank: nicht steuereinfach. Sie müssen die Zinsen selbst in der Steuererklärung angeben und mit 25 Prozent versteuern.

Das relativiert die oft höheren Auslandszinsen: Wer den Aufwand der Steuererklärung scheut, fährt mit einem etwas niedrigeren, aber steuereinfachen österreichischen Angebot unterm Strich bequemer.


Rechenbeispiel: was netto übrig bleibt

10.000 Euro auf 12 Monate zu 3,0 Prozent:

  • Zinsen brutto: 300 €
  • minus 25 % KESt: -75 €
  • Zinsen netto: 225 €

Aus 3,0 Prozent brutto werden also 2,25 Prozent netto. Diese Netto-Betrachtung sollte man immer anstellen, bevor man Festgeld mit der Inflation vergleicht - liegt die Teuerung über dem Nettozins, verliert das Geld real an Wert.


Festgeld eröffnen: Mindestbetrag und Ablauf

Ein Festgeldkonto eröffnet man online oder in der Filiale, meist kostenlos. Nötig ist ein amtlicher Lichtbildausweis (Video- oder Post-Ident) und ein Referenzkonto, von dem die Anlagesumme abgebucht und auf das Kapital plus Zinsen am Ende zurückfließen. Viele Anbieter verlangen einen Mindestbetrag - häufig 1.000 oder 5.000 Euro - und setzen eine Obergrenze, oft bei 100.000 Euro, was praktischerweise zur Einlagensicherung passt.

Anders als beim Tagesgeld kann man nicht laufend nachschießen: Festgeld wird einmal angelegt, der Betrag steht dann fest. Wer monatlich weiter sparen will, eröffnet entweder mehrere Tranchen oder kombiniert Festgeld mit einem Tagesgeldkonto.


Die Prolongations-Falle nach Ablauf

Hier verlieren viele Sparer Geld, ohne es zu merken. Läuft das Festgeld aus, verlängern es zahlreiche Banken automatisch zur dann gültigen Kondition - die Prolongation. Das Problem: Der neue Zins ist oft deutlich schlechter als der ursprüngliche Aktionszins, und die Bindung beginnt von vorne.

Deshalb gilt: Schon bei der Eröffnung notieren, wann das Festgeld endet, und rechtzeitig vorher entscheiden. Wer nicht automatisch verlängern will, muss der Prolongation fristgerecht widersprechen - sonst ist das Geld ungewollt erneut für Monate oder Jahre gebunden. Manche Anbieter zahlen das Kapital nach Ablauf auch automatisch aufs Referenzkonto zurück; welche Variante gilt, steht im Vertrag und sollte vor Abschluss geklärt sein.


Kommt man vorzeitig an das Geld?

Im Regelfall nein. Festgeld ist während der Laufzeit gebunden, ein Rechtsanspruch auf vorzeitige Auflösung besteht nicht. Ob die Bank in Härtefällen entgegenkommt, hängt vom Vertrag ab - und ist dann meist mit einem Zinsabschlag (Vorschusszinsen) oder dem vollständigen Verlust der Zinsen verbunden.

Genau deshalb gehört aufs Festgeld nur Geld, das man im Anlagezeitraum sicher nicht braucht. Der Notgroschen für unerwartete Ausgaben hat hier nichts verloren - der gehört aufs jederzeit verfügbare Tagesgeld. Festgeld ist für den planbaren Teil des Vermögens da, nicht für die Reserve.


Höhere Auslandszinsen über Zinsplattformen

Die attraktivsten Festgeldzinsen kommen oft von Banken aus anderen EU-Ländern. Erreichbar sind sie bequem über Zinsplattformen wie Raisin (WeltSparen): Man eröffnet einmal ein Konto bei der Plattform und kann dann Festgelder verschiedener europäischer Banken abschließen, ohne sich überall einzeln zu legitimieren.

Der Haken liegt bei der Steuer. Zinsen ausländischer Banken sind nicht steuereinfach - die 25 Prozent KESt werden nicht automatisch abgeführt, sondern müssen selbst über FinanzOnline erklärt und nachgezahlt werden. Der Zinsvorteil von oft 0,3 bis 0,5 Prozentpunkten muss diesen jährlichen Aufwand also erst aufwiegen. Bei größeren Summen lohnt es sich, bei kleineren ist das steuereinfache österreichische Angebot meist die ruhigere Wahl.


Lange oder kurze Laufzeit?

Die Laufzeit ist eine Wette auf die Zinsentwicklung. Erwartet man fallende Zinsen, sichert eine lange Bindung den heutigen Satz für Jahre - das lohnt sich, wenn die EZB wieder senkt. Erwartet man steigende Zinsen, bindet man besser kurz und legt danach zum höheren Satz neu an.

2026 ist die Zinskurve flach bis leicht invers: Lange Laufzeiten bringen kaum mehr als kurze. In dieser Lage gibt es wenig Grund, sich für fünf Jahre festzulegen - eine kürzere Bindung oder die unten beschriebene Festgeld-Treppe hält die Flexibilität offen, ohne nennenswert Zinsen zu kosten.


Festgeld oder Geldmarkt-ETF?

Eine moderne Alternative zum Festgeld ist der Geldmarkt-ETF - ein börsengehandelter Fonds, der den kurzfristigen Zinssatz (etwa den €STR) abbildet und damit eine Rendite nahe am EZB-Einlagenzins liefert. Drei Unterschiede sollte man kennen:

  • Verfügbarkeit: Der Geldmarkt-ETF ist börsentäglich handelbar, ohne feste Bindung - flexibler als Festgeld.
  • Sicherheit: Statt Einlagensicherung ist das Geld Sondervermögen. Das Pleiterisiko der Bank entfällt, dafür gibt es minimale Kursschwankungen und keine 100.000-Euro-Garantie im klassischen Sinn.
  • Steuer: Es gilt die Wertpapier-KESt von 27,5 Prozent statt der 25 Prozent auf Bankzinsen - bei steuereinfachem Broker aber ohne eigenen Aufwand.

Für den sicherheitsorientierten Sparer mit klarem Zeithorizont bleibt Festgeld die einfachere Wahl. Wer Flexibilität und ein Wertpapierdepot ohnehin hat, fährt mit einem Geldmarkt-ETF oft mindestens gleich gut.


Die Festgeld-Treppe: flexibel trotz Bindung

Der größte Nachteil von Festgeld ist die Bindung. Die Festgeld-Treppe (auch Zinstreppe) umgeht ihn elegant. Statt die gesamte Summe auf eine Laufzeit zu legen, teilen Sie sie auf:

Beispiel mit 12.000 Euro - je 4.000 Euro auf 1, 2 und 3 Jahre. Nach dem ersten Jahr wird die erste Tranche frei. Sie legen sie neu auf drei Jahre an (oder entnehmen sie). So wird jedes Jahr ein Teil verfügbar, und Sie sichern sich gleichzeitig die meist höheren Zinsen längerer Laufzeiten.

Der Effekt: planbare Liquidität plus Schutz davor, das gesamte Kapital zum schlechtesten Zeitpunkt für Jahre festzulegen. Für wer einen Teil des Vermögens sicher und trotzdem halbwegs beweglich halten will, ist das die sauberste Lösung.


Quellen (3)

Häufig gestellte Fragen

Wie viel Zinsen bringt Festgeld 2026?

Je nach Laufzeit und Anbieter zwischen rund 1,6 und 3,0 Prozent pro Jahr (Stand Juni 2026). Auf 12 Monate liegen die Spitzenangebote bei etwa 3,0 Prozent, mit österreichischer Einlagensicherung bei rund 2,4 bis 2,5 Prozent.

Ist Festgeld sicher?

Ja. Einlagen sind durch die gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 Euro pro Person und Bank geschützt - in ganz Europa einheitlich. Bei mehreren Banken vervielfacht sich der geschützte Betrag entsprechend.

Wie wird Festgeld besteuert?

Zinsen aus Bankeinlagen unterliegen 25 Prozent Kapitalertragsteuer. Bei österreichischen Banken wird sie automatisch abgezogen (steuereinfach). Bei ausländischen Banken müssen Sie die Zinsen selbst in der Steuererklärung angeben.

Was ist der Unterschied zwischen Festgeld und Tagesgeld?

Festgeld bindet das Geld für eine fixe Laufzeit zu einem fixen Zins. Tagesgeld ist täglich verfügbar, der Zins kann sich aber jederzeit ändern. Festgeld bringt meist etwas mehr, dafür kommen Sie vor Ablauf nicht heran.

Was passiert, wenn das Festgeld ausläuft?

Viele Banken verlängern automatisch zur dann gültigen Kondition (Prolongation) - oft zu einem schlechteren Zins. Wer das nicht will, muss rechtzeitig widersprechen. Notieren Sie das Ablaufdatum schon bei der Eröffnung und entscheiden Sie vorher, ob Sie verlängern, umschichten oder auszahlen lassen.

Kann ich Festgeld vorzeitig auflösen?

In der Regel nicht - das Geld ist für die vereinbarte Laufzeit gebunden. Kommt die Bank in Härtefällen entgegen, kostet das meist die Zinsen oder einen Zinsabschlag. Deshalb gehört aufs Festgeld nur Geld, das Sie im Anlagezeitraum sicher nicht brauchen.

MH
Martin Höllinger

Chefredakteur finanzguide.at