Kapitalertragsteuer KESt Österreich 2026 - 27,5 % auf Aktien und ETFs

Von Martin Höllinger Stand 11.06.2026 Lesezeit 11 Min Quellen geprüft

KESt-Rechner 2026

Brutto-Ertraege

€ 3.500,00

KESt gesamt

€ 950,00

Netto-Ertraege

€ 2.550,00

Sparzinsen: € 500,00 x 25%-€ 125,00
Dividenden: € 1.000,00 x 27,5%-€ 275,00
Kursgewinne: € 2.000,00 x 27,5%-€ 550,00
Netto-Ertrag nach KESt€ 2.550,00
Netto (73%) KESt (27%)

KESt-Saetze 2026: 25% auf Sparbuchzinsen/Einlagen, 27,5% auf Dividenden, Kursgewinne, und sonstige Kapitalertraege. Die KESt ist eine Endbesteuerung (Abgeltungsteuer). Verlustausgleich innerhalb desselben Depots moeglich. Keine Steuerberatung.

KESt-Sätze 2026 im Überblick

ErtragsartKESt-Satz
Dividenden (Aktien, GmbH-Anteile)27,5 %
Kursgewinne Aktien27,5 %
Kursgewinne ETF / Investmentfonds27,5 %
Ausschüttungsgleiche Erträge (Thesaurierer)27,5 %
Anleihen-Erträge (Kupon + Kursgewinn)27,5 %
Derivate (Optionen, Futures, Zertifikate)27,5 %
Sparbuch-Zinsen25 %
Tagesgeld / Festgeld25 %
Kryptowährungen (seit März 2022)27,5 %

Kein Freibetrag. Anders als Deutschland (Sparerpauschbetrag 1.000 €) kennt Österreich keinen pauschalen Freibetrag - die KESt greift ab dem ersten Euro Gewinn.


Endbesteuerung - warum keine Steuererklärung nötig ist

Inländische Banken und steuereinfache Broker ziehen die KESt automatisch ab und führen sie ans Finanzamt ab. Mit dieser Abfuhr ist die Einkommensteuer auf die Kapitalerträge abgegolten - sie müssen nicht in der Steuererklärung berücksichtigt werden.

Ausnahme: Antragsoption auf Tarifbesteuerung. Bei niedrigem Gesamteinkommen (unter ca. 17.000 € Jahreseinkommen) kann die Anwendung des progressiven Tarifs auf Kapitalerträge günstiger sein. Antrag über die Arbeitnehmerveranlagung - das Finanzamt rechnet automatisch das günstigere Ergebnis.


Verlustausgleich - die wichtigste Regel

Innerhalb des Depots: Steuereinfache Broker verrechnen Verluste automatisch mit Gewinnen. Beispiel: Verkauf mit 2.000 € Gewinn + Verkauf mit 1.500 € Verlust = nur 500 € KESt-pflichtig.

Über mehrere Depots: Eigenständig zu beantragen in der ANV. Beilage E1kv mit Auflistung pro Depot. Steuereinfache Broker führen je Anleger einen automatischen Verlustverrechnungstopf - aber nur innerhalb desselben Depots. Wer bei mehreren Banken Gewinne und Verluste hat, muss den depotübergreifenden Ausgleich selbst über die Veranlagung anstoßen, sonst zahlt man auf einem Depot KESt, während auf dem anderen Verluste ungenutzt bleiben.

Verlustvortrag in Folgejahre: Im Privatvermögen NICHT möglich. Verluste verfallen am 31.12. - daher Steuer-Loss-Harvesting bis Jahresende.

Nicht ausgleichbar:

  • Verluste aus Aktien/ETF gegen Sparbuch-Zinsen (25 % vs. 27,5 % - unterschiedlicher Satz).
  • Verluste aus Aktien gegen Vermietungs-Einkünfte oder andere Einkommensarten.

Beispiel: Steuer-Loss-Harvesting im Dezember

Ein Anleger hat im Jahr realisiert:

PostenGewinn / Verlust
ETF-Verkauf Jänner+3.000 €
Dividenden im Jahr+800 €
Bisheriger Gewinn+3.800 €
KESt vorab abgeführt1.045 €

Im Depot liegt eine Position aus 2024 mit 2.500 € unrealisiertem Verlust. Im Dezember verkaufen und sofort wieder ankaufen (Steuer-Loss-Harvesting):

PostenWert
Realisierter Verlust durch Verkauf-2.500 €
Neue Steuerbasis+3.800 - 2.500 = +1.300 €
Korrekte KESt357,50 €
Steuer-Erstattung im Bescheid687,50 €

Die 2.500 € Verlust gehen nicht verloren - sie sind nur als realisierter Steuer-Verlust gespeichert. Achtung: Wer am gleichen Tag wieder ankauft, hat möglicherweise einen anderen Einstandskurs - die Strategie funktioniert sauberer mit 1-2 Werktagen Pause.


Die Antragsoption: wann der Tarif günstiger ist

Die 27,5 Prozent KESt sind ein fixer Satz - unabhängig vom Einkommen. Bei niedrigem Gesamteinkommen kann der progressive Tarif aber günstiger sein, weil dort der erste Einkommensteil mit 0 oder 20 Prozent besteuert wird. Über die Regelbesteuerungsoption in der Arbeitnehmerveranlagung lässt sich das beantragen; das Finanzamt rechnet automatisch die günstigere Variante.

Zwei Punkte sind entscheidend: Die Option gilt für alle Kapitalerträge gemeinsam (kein Rosinenpicken), und zu viel gezahlte KESt wird erstattet. Sinnvoll ist sie vor allem für Studierende, Pensionisten mit kleiner Pension oder Personen mit Einkommen unter rund 17.000 Euro. Wer gut verdient, lässt es bei der Endbesteuerung mit 27,5 Prozent - alles andere wäre teurer.


Ausländische Dividenden und die Quellensteuer

Bei Dividenden aus dem Ausland zieht zuerst der Quellenstaat eine Quellensteuer ab, dann kommt die österreichische KESt. Damit es nicht zur Doppelbesteuerung kommt, rechnet Österreich die ausländische Quellensteuer an - aber nur bis zu einem Anrechnungshöchstbetrag von 15 Prozent.

Typische Sätze: USA 15 Prozent (mit korrekt ausgefülltem W-8BEN, sonst 30 Prozent), Schweiz 35 Prozent, Deutschland 26,375 Prozent. Liegt die Quellensteuer über 15 Prozent, muss der über die Anrechnung hinausgehende Teil im Quellenstaat zurückgeholt werden (Rückerstattungsantrag über das jeweilige Doppelbesteuerungsabkommen) - bürokratisch und oft nur bei größeren Beträgen lohnend. Steuereinfache Broker rechnen die 15-Prozent-Anrechnung automatisch ein.


Altbestand und Befreiungen

Nicht jeder Kursgewinn ist steuerpflichtig. Aktien, die vor dem 1. Jänner 2011 gekauft wurden (sogenannter Altbestand), sind beim Verkauf von der KESt auf Kursgewinne befreit - ein Bestandsschutz aus der Einführung der Wertpapier-KESt. Laufende Dividenden aus diesen Papieren bleiben aber steuerpflichtig.

Daneben gibt es Detailbefreiungen, etwa für bestimmte Förderungs- und Wohnbauanleihen im Rahmen der früheren Begünstigungen. Wer noch alte Wertpapierbestände hält, sollte vor einem Verkauf prüfen, ob sie unter den Altbestand fallen - der Unterschied sind 27,5 Prozent auf den gesamten Kursgewinn.


Steuereinfach oder nicht - der entscheidende Unterschied

Ob Sie sich um die KESt selbst kümmern müssen, hängt allein am Broker:

  • Steuereinfache Broker führen die KESt automatisch ab - Sie müssen nichts erklären. Dazu zählen alle österreichischen Banken sowie seit 24. April 2025 auch Trade Republic (über eine Wiener Zweigniederlassung). Scalable Capital ist Stand 2026 noch nicht steuereinfach.
  • Nicht-steuereinfache Broker (etwa Interactive Brokers, DEGIRO, eToro) ziehen keine österreichische KESt ab. Hier müssen Sie die Erträge jährlich selbst in der Veranlagung erklären und die Steuer nachzahlen.

Für Einsteiger ist ein steuereinfacher Broker fast immer die bessere Wahl - er erspart den Jahresaufwand und das Fehlerrisiko. Wer ein nicht-steuereinfaches Depot führt, spart vielleicht ein paar Cent Gebühren, handelt sich aber eine jährliche Steuerpflicht ein. Details im Online-Broker-Vergleich.


KESt auf Kryptowährungen

Seit März 2022 sind Kryptowährungen steuerlich den Wertpapieren gleichgestellt: Gewinne aus Verkäufen unterliegen der KESt von 27,5 Prozent, die frühere einjährige Spekulationsfrist ist weggefallen. Wichtig ist die Abgrenzung, was überhaupt steuerpflichtig ist:

  • Steuerpflichtig: der Tausch von Krypto in Euro oder andere Fiat-Währungen sowie der Kauf von Waren/Dienstleistungen mit Krypto.
  • Steuerneutral: der Tausch einer Kryptowährung in eine andere Kryptowährung (etwa Bitcoin in Ethereum) - hier fällt erst beim späteren Verkauf in Fiat Steuer an.

Inländische steuereinfache Krypto-Broker führen die KESt automatisch ab; bei ausländischen Plattformen erklärt man die Gewinne selbst. Mehr dazu im Beitrag zur Kryptowährung.


Meldefonds: warum es bei ETFs aufs Detail ankommt

Bei thesaurierenden Fonds und ETFs entscheidet ein technisches Detail über den Aufwand: ob es sich um einen Meldefonds handelt. Ein Meldefonds übermittelt die steuerlichen Daten (ausschüttungsgleiche Erträge) an die Österreichische Kontrollbank - die KESt darauf wird beim steuereinfachen Broker automatisch korrekt berechnet.

Bei einem Nicht-Meldefonds muss der Anleger die ausschüttungsgleichen Erträge selbst schätzen und versteuern, oft mit einer pauschalen, ungünstigeren Methode. Die meisten in Österreich gängigen ETF-Sparpläne setzen auf Meldefonds - beim Kauf eines exotischeren ETFs lohnt aber der Blick, ob er gemeldet wird. Mehr dazu im ETF-Beitrag.


Auslandsdepot - eigenständige Erklärung

Bei nicht-steuereinfachen Brokern (Online-Broker Vergleich) muss der Anleger jährlich:

  1. Jahressteuerbericht des Brokers herunterladen.
  2. In FinanzOnline Beilage E1kv ausfüllen.
  3. KESt-Pflicht selbst nachzahlen.

Bei ausländischen Dividenden: Auslands-Quellensteuer zuerst (USA 15 % bei korrektem W-8BEN, sonst 30 %; Schweiz 35 %), in Österreich auf die KESt angerechnet (höchstens 15 % Anrechnungs-Maximum).


Quellen (4)

Häufig gestellte Fragen

Wie hoch ist die KESt 2026?

27,5 % auf Dividenden, Kursgewinne aus Aktien/ETFs/Anleihen sowie ausschüttungsgleiche Erträge. 25 % auf Zinsen aus Bankeinlagen (Sparbuch, Tagesgeld, Festgeld).

Was bedeutet Endbesteuerung?

Mit der KESt-Abführung ist die Einkommensteuer auf diese Kapitalerträge abgegolten. Sie müssen sie nicht in der Einkommensteuererklärung aufnehmen - außer Sie wollen sie in die Veranlagung einbeziehen (Antragsoption).

Können Verluste mit Zinsen verrechnet werden?

Nein. Veräußerungsverluste aus Aktien/ETFs können NICHT mit Sparbuch-Zinsen verrechnet werden. Verluste sind nur mit anderen 27,5 %-Erträgen ausgleichbar (Dividenden, Kursgewinne).

Wie werden Kryptowährungen besteuert?

Seit März 2022 mit 27,5 % KESt wie Wertpapiere, ohne Spekulationsfrist. Steuerpflichtig ist der Tausch in Euro oder der Kauf von Waren; der Tausch einer Kryptowährung in eine andere ist steuerneutral und löst erst beim späteren Verkauf in Fiat Steuer aus.

Sind alte Aktien beim Verkauf steuerfrei?

Ja, sogenannter Altbestand: Aktien, die vor dem 1. Jänner 2011 gekauft wurden, sind bei Kursgewinnen von der KESt befreit. Laufende Dividenden daraus bleiben aber steuerpflichtig.

Wann lohnt sich die Regelbesteuerungsoption?

Bei niedrigem Gesamteinkommen (grob unter 17.000 Euro), weil dann der progressive Tarif unter 27,5 % liegen kann. Die Option gilt für alle Kapitalerträge gemeinsam; das Finanzamt rechnet bei der Veranlagung automatisch die günstigere Variante.

Was passiert bei Auslandsdepot?

Wer Wertpapiere bei einem nicht-steuereinfachen Broker (z.B. Interactive Brokers, DEGIRO, eToro) hält, muss die Erträge jährlich in der Beilage E1kv über FinanzOnline angeben und die KESt selbst nachzahlen. Trade Republic ist dagegen seit April 2025 steuereinfach - dort wird die KESt automatisch abgeführt. Scalable Capital ist Stand 2026 noch nicht steuereinfach.

MH
Martin Höllinger

Chefredakteur finanzguide.at