Lebensversicherung Österreich 2026 - Typen, Steuer, Sinn

Von Martin Höllinger Stand 20.06.2026 Lesezeit 12 Min Quellen geprüft

Welche Lebensversicherung wofür gedacht ist

Die Lebensversicherung kennt zwei Grundaufgaben: absichern und ansparen. Die Ablebensversicherung zahlt nur im Todesfall an die Hinterbliebenen - günstig, weil sie kein Kapital aufbaut. Die Erlebensversicherung spart Geld an und zahlt bei Vertragsende aus. Beide werden oft als Er- und Ablebensversicherung kombiniert.

Aus diesen Grundformen leiten sich die Produkte ab, die Sie am Markt finden. Die reine Ablebensversicherung (auch Risikolebensversicherung) ist ein Schutzprodukt ohne Sparanteil. Die klassische Er- und Ablebensversicherung kombiniert Todesfallschutz mit garantiertem Kapital - das traditionelle Modell der Altersvorsorge. Die fondsgebundene Lebensversicherung ersetzt die Garantie durch eine Veranlagung in Fonds: höhere Renditechance, aber das volle Veranlagungsrisiko liegt bei Ihnen.

Der wichtigste Rat vorweg: Trennen Sie die beiden Aufgaben gedanklich. Wer Hinterbliebene absichern will, braucht keinen Sparvertrag - und wer Vermögen aufbauen will, braucht dafür nicht zwingend eine Versicherung. Die teuersten Fehler entstehen, wenn beides in ein intransparentes Kombiprodukt gepackt wird. Wie die Versicherung in eine breitere Vorsorgestrategie passt, zeigt der Überblick zur Altersvorsorge.

Die Ablebensversicherung: günstiger Schutz für Familie und Kredit

Die Ablebensversicherung ist die unterschätzte Heldin unter den Lebensversicherungen. Sie kostet wenig, weil sie statistisch selten zahlt - und genau deshalb leistet sie viel pro Euro Prämie. Stirbt die versicherte Person während der Laufzeit, erhalten die Begünstigten die vereinbarte Summe steuerfrei. Überlebt sie, gibt es keine Auszahlung, das ist der Deal.

Die Prämie hängt vor allem von Alter, Gesundheit, Versicherungssumme und Laufzeit ab. Konkrete Marktwerte (durchblicker, Stand 2026) für 100.000 € Summe und 10 Jahre Laufzeit:

Alter bei AbschlussPrämie ab ca. (monatlich)
30 Jahre2,53 €
60 Jahre31,88 €

Der Sprung zeigt das Prinzip: Je früher Sie abschließen, desto günstiger sperren Sie den Tarif. Üblich sind Laufzeiten zwischen 10 und 35 Jahren und Summen von 50.000 € bis 250.000 €.

Wie hoch soll die Summe sein? Eine gängige Faustregel nennt das Fünf- bis Zehnfache des Jahreseinkommens des Hauptverdieners. Sinnvoller ist die Frage, was konkret abgedeckt werden muss: die Restschuld der Immobilienfinanzierung, die laufenden Lebenshaltungskosten der Familie bis die Kinder selbst verdienen, eventuell Ausbildungskosten. Banken verlangen die Ablebensversicherung oft direkt als Sicherheit für den Wohnkredit - eine fallende Versicherungssumme, die parallel zur Kreditschuld sinkt, ist hier günstiger als eine gleichbleibende.

Beim Abschluss stehen Gesundheitsfragen am Anfang. Vorerkrankungen führen zu Risikozuschlägen oder Ausschlüssen. Falsche Angaben kosten im Ernstfall die Leistung - hier gilt dieselbe Sorgfaltspflicht wie bei jeder anderen Versicherung. Wer die Begünstigten klar benennt, umgeht außerdem die Verlassenschaft: Die Summe geht direkt an die genannte Person und fällt nicht ins Erbrecht.

Garantiezins 0 %: warum die klassische Erlebensversicherung kaum noch lohnt

Hier liegt der wichtigste Fakt, den die Verkaufsseiten ungern groß schreiben. Der von der FMA festgelegte Höchstzinssatz - die obere Grenze für die Garantieverzinsung neuer klassischer Lebensversicherungen - liegt seit 1. Juli 2022 bei 0,0 %. Zum Vergleich die Geschichte: 2000 waren es noch 4,0 %, 2016 ein Prozent, 2017 ein halbes Prozent, seit Mitte 2022 null.

Ein neu abgeschlossener klassischer Vertrag garantiert Ihnen also rechnerisch keine Verzinsung mehr. Was bleibt, ist eine nicht garantierte Gewinnbeteiligung, die der Versicherer Jahr für Jahr neu festlegt und die nach Abzug der Kosten oft kaum die Inflation schlägt. Bei einer Inflation von zuletzt über drei Prozent verliert ein null-verzinster Garantievertrag real an Wert.

Dazu kommen die Kosten, die selten offen auf dem Tisch liegen. Die Alpha- oder Abschlusskosten werden bei vielen Tarifen gezillmert - das heißt, sie werden aus den ersten rund fünf Einzahlungsjahren vorweggenommen. Wer in dieser Zeit kündigt, bekommt einen Rückkaufswert, der oft deutlich unter den eingezahlten Prämien liegt. Eine klassische Lebensversicherung ist deshalb ein langfristiges Bekenntnis, kein flexibles Sparbuch.

Berechnung: Versicherungsmantel gegen ETF-Direktanlage

Der größte Verkaufshebel der fondsgebundenen Lebensversicherung ist die Steuer - und der lässt sich beziffern. Statt 27,5 % Kapitalertragsteuer auf die Erträge fällt im Versicherungsmantel nur 4 % Versicherungssteuer auf die laufende Prämie an. Das klingt nach einem klaren Sieg. Die ehrliche Rechnung ist enger.

So wirkt die Versicherungssteuer: Sie wird retrograd aus der Prämie herausgerechnet, nicht aufgeschlagen. Von 100 € Sparrate werden 96,15 € tatsächlich veranlagt, 3,85 € sind Steuer. Pro 100 € fehlen also vom Start weg knapp 4 € im Markt.

So wirkt die KESt beim ETF: Beim direkten ETF-Sparplan gehen 100 € voll in den Markt. Besteuert wird erst am Ende - 27,5 % auf den Gewinn, nicht auf das eingesetzte Kapital.

Ein vereinfachtes Beispiel über 30 Jahre, 100 € pro Monat, angenommene 5 % Rendite pro Jahr vor Kosten:

Fondsgebundene LVETF-Sparplan direkt
Monatlich in den Markt96,15 €100,00 €
Steuer auf laufende Erträgekeine (im Mantel)keine (Thesaurierung läuft, KESt erst bei Verkauf)
Steuer bei Auszahlung0 % (nach Mindestlaufzeit)27,5 % auf den Kursgewinn
Zusätzliche ProduktkostenVerwaltung + Fondskosten + ggf. Zillmerungnur Fonds-TER + Depotgebühr

Der Mantel spart die KESt am Ende - das ist bei langer Laufzeit und großem Gewinnanteil viel wert. Aber er kostet laufend mehr: weniger Geld im Markt durch die 4 %, plus Verwaltungs- und Abschlusskosten, die ein günstiger Broker nicht hat. Welche Seite gewinnt, entscheidet sich an den Gesamtkosten der Police und am Anlagehorizont. Faustregel aus der Praxis: Unter 15 bis 20 Jahren Laufzeit fressen die Mantelkosten den Steuervorteil meist auf. Erst bei sehr langem Horizont, diszipliniertem Durchhalten und einer kostengünstigen Nettopolizze kann die fondsgebundene Variante vorne liegen. Wer flexibel bleiben will oder die Kosten nicht durchschaut, fährt mit der Trennung - günstige Ablebensversicherung plus eigener ETF-Sparplan - in den meisten Fällen besser. Mehr zur Renditeseite steht im Beitrag zur Rendite.

Steuer im Detail: was wirklich steuerfrei ist

Die gute Nachricht zuerst, weil sie oft falsch erzählt wird: Erträge aus privaten Lebensversicherungen sind laut BMF grundsätzlich einkommensteuerfrei. Die Ausnahme betrifft nur eine bestimmte Bauart.

Steuerpflichtig wird der Unterschiedsbetrag zwischen Ein- und Auszahlung nämlich nur, wenn beides zusammentrifft: Es handelt sich um einen Einmalerlag (eine einzige Prämie statt laufender Zahlungen) und die Laufzeit liegt unter der Mindestbindung. Diese Mindestlaufzeit beträgt für Verträge ab 1. März 2014 fünfzehn Jahre, bei Versicherten über 50 Jahren zehn Jahre. Dann wird der Gewinn voll nach dem Einkommensteuertarif besteuert.

Auf der Prämienseite gilt: Laufende Lebensversicherungen tragen 4 % Versicherungssteuer. Ein Einmalerlag mit kurzer Laufzeit unter zehn Jahren wird mit 11 % besteuert - der höhere Satz soll genau die Kurzläufer-Steuersparmodelle unattraktiv machen. Eine Mehrwertsteuer fällt auf Versicherungen generell nicht an.

Worauf Sie vor dem Abschluss achten

Drei Prüfungen ersparen die meisten späteren Enttäuschungen. Erstens die Kostenquote: Lassen Sie sich Effektivkosten und Abschlusskosten schriftlich geben, nicht nur die Sparrate. Zweitens die Flexibilität: Was passiert bei Prämienpause, Kündigung, vorzeitigem Zugriff? Der Rückkaufswert in den ersten Jahren zeigt, wie teuer ein Ausstieg wäre. Drittens der Zweck: Geht es um Hinterbliebenenschutz, ist die Ablebensversicherung fast immer richtig. Geht es um Vermögensaufbau, vergleichen Sie den Versicherungsmantel ehrlich mit einer Direktanlage, statt dem Steuerargument allein zu vertrauen.

Wer eine bestehende klassische Polizze mit altem, hohem Garantiezins besitzt, sollte sie übrigens meist behalten - die alten Verträge mit 2 bis 4 % Garantie sind heute nicht mehr zu bekommen. Die Skepsis dieses Beitrags gilt dem Neuabschluss, nicht dem Bestand.

Das Bezugsrecht: wer am Ende das Geld bekommt

Ein Detail, das im Beratungsgespräch oft untergeht, entscheidet im Ernstfall über alles: das Bezugsrecht. Damit legen Sie fest, an wen die Versicherungssumme im Todesfall ausgezahlt wird. Diese Begünstigung wirkt unabhängig vom Testament - das genannte Geld geht direkt an die benannte Person und wird nicht Teil der Verlassenschaft. Gerade bei Patchwork-Familien, unverheirateten Paaren oder einem konkreten Kreditschutz ist das ein starkes Werkzeug, weil es die gesetzliche Erbfolge umgeht.

Zu unterscheiden ist das widerrufliche vom unwiderruflichen Bezugsrecht. Beim widerruflichen Bezugsrecht - dem Standard - können Sie die begünstigte Person jederzeit ändern; sie erwirbt den Anspruch erst mit dem Versicherungsfall. Beim unwiderruflichen Bezugsrecht ist die Begünstigung fix und kann nur mit Zustimmung der begünstigten Person geändert werden. Das kommt etwa zum Einsatz, wenn die Polizze als Sicherheit an die Bank verpfändet wird. Prüfen Sie nach jeder größeren Lebensänderung - Heirat, Scheidung, Geburt, Trennung -, ob Ihre Begünstigung noch passt. Eine veraltete Bezugsberechtigung ist einer der häufigsten und folgenschwersten Fehler bei Ablebensversicherungen.

Wer keine Begünstigung benennt, überlässt die Auszahlung der gesetzlichen Erbfolge - mit allen Verzögerungen und möglichen Streitigkeiten eines Verlassenschaftsverfahrens. Eine klare, aktuelle Bezugsberechtigung ist deshalb genauso wichtig wie die richtige Versicherungssumme.

Quellen (3)

Häufig gestellte Fragen

Ist die Auszahlung der Lebensversicherung steuerfrei?

Erträge aus privaten Lebensversicherungen sind laut BMF grundsätzlich einkommensteuerfrei. Steuerpflichtig wird nur ein Einmalerlag-Vertrag mit kurzer Laufzeit (unter 15 Jahren, bzw. unter 10 Jahren bei Personen über 50). Dann wird der Unterschiedsbetrag voll tarifbesteuert.

Wie viel kostet eine Ablebensversicherung in Österreich?

Sie ist günstig, weil sie kein Kapital anspart. Für 100.000 € Summe und 10 Jahre Laufzeit zahlt ein gesunder 30-Jähriger ab rund 2,53 € pro Monat, ein 60-Jähriger ab rund 31,88 € (durchblicker, Stand 2026). Der Preis steigt mit Alter und Gesundheitsrisiko.

Wie hoch ist der Garantiezins 2026?

Bei klassischen Lebensversicherungen liegt der von der FMA festgelegte Höchstzinssatz seit 1. Juli 2022 bei 0,0 %. Neu abgeschlossene klassische Verträge garantieren also rechnerisch keine Verzinsung mehr - nur eine nicht garantierte Gewinnbeteiligung kommt obendrauf.

Wie wird die fondsgebundene Lebensversicherung besteuert?

Im Versicherungsmantel fällt keine KESt an. Statt 27,5 % auf die Erträge zahlen Sie nur 4 % Versicherungssteuer auf die laufende Prämie. Bei 100 € Sparrate werden so 96,15 € investiert. Nach Ablauf der steuerlichen Mindestlaufzeit ist die Auszahlung einkommensteuerfrei.

Risikolebensversicherung oder fondsgebunden - was ist besser?

Trennen Sie die zwei Aufgaben. Für reine Hinterbliebenenabsicherung ist die günstige Ablebensversicherung fast immer die bessere Wahl. Zum Vermögensaufbau lohnt der Versicherungsmantel nur bei sehr langem Horizont und niedrigen Kosten - sonst schlägt ein ETF-Sparplan ihn oft.

Wozu braucht man eine Ablebensversicherung?

Vor allem als Familien- und Kreditschutz: Stirbt der Hauptverdiener, sollen Partner und Kinder die Wohnkosten und den laufenden Kredit weiter stemmen können. Banken verlangen sie oft als Sicherheit für die Immobilienfinanzierung.

MH
Martin Höllinger

Chefredakteur finanzguide.at