Paket aus Drittland: Zoll & EUSt Österreich 2026

Von Redaktion Finanzguide Stand 30.09.2026 Lesezeit 6 Min

Was kostet ein Paket aus dem Drittland?

Bei einer Bestellung aus China, den USA oder einem anderen Nicht-EU-Land fallen zwei staatliche Abgaben an: Einfuhrumsatzsteuer (20 % ab dem ersten Cent) und Zoll. Seit 1. Juli 2026 kostet der Zoll bis 150 € Warenwert pauschal 3 € je Warenposition, darüber gilt der reguläre Zollsatz. Dazu kommt eine Bearbeitungsgebühr des Zustellers - bei der Österreichischen Post 7,20 € brutto.

Die zwei Abgaben: Zoll und Einfuhrumsatzsteuer

Viele rechnen mit “zollfrei” und meinen damit kostenlos. Das ist ein Missverständnis, das beim Postboten teuer endet. Bei Sendungen aus Drittländern muss man zwei Dinge sauber trennen.

Zoll ist eine Abgabe auf bestimmte Warengruppen, deren Höhe sich nach Art und Ursprung der Ware richtet. Bis 30.6.2026 blieb eine Sendung unter 150 € Warenwert zollfrei, seit 1.7.2026 kostet eine Online-Bestellung in dieser Größenordnung 3 € je Warenposition. Über 150 € gilt der warenabhängige Zollsatz, für viele Konsumgüter zwischen 0 und 17 %. Bekleidung etwa wird mit 12 % verzollt, viele Elektronikartikel mit 0 %. Den exakten Satz liefert die EU-Datenbank TARIC.

Einfuhrumsatzsteuer (EUSt) ist das Gegenstück zur inländischen Mehrwertsteuer - nur eben auf importierte Ware. Sie beträgt in Österreich 20 % (für Bücher, Lebensmittel und Medikamente 10 %, seit 1.7.2026 für bestimmte Grundnahrungsmittel 4,9 %) und fällt seit dem 1. Juli 2021 ab dem ersten Cent an. Vorher gab es eine Freigrenze bis 22 €. Seit deren Wegfall zahlt man auch auf das 5-Euro-Handyhüllchen aus Shenzhen die volle EUSt. Genau dieser Punkt unterscheidet die Einfuhr vom heimischen Kauf nicht mehr - das war der Sinn der Reform: gleiche Steuerlast für ausländische und inländische Verkäufer.

Wichtig für die Berechnung: Die Bemessungsgrundlage ist nicht der reine Artikelpreis. Der Zollwert umfasst Kaufpreis plus Verpackung, Porto und Versicherung. Die EUSt wiederum wird auf den Zollwert plus den bereits berechneten Zoll plus etwaige Verbrauchsteuern erhoben. Man versteuert also auch den Zoll mit. Wer das nicht weiß, unterschätzt die Endsumme regelmäßig. Mehr zur Mechanik steht im Detailartikel zur Einfuhrumsatzsteuer.

Was sich am 1. Juli 2026 geändert hat

Seit 1. Juli 2026 gibt es für Online-Bestellungen aus Drittländern keine 150-Euro-Zollfreigrenze mehr. Gestrichen hat sie die Verordnung (EU) 2026/382 vom 11. Februar 2026, die die Zollbefreiung für Sendungen mit geringem Wert aufgehoben hat.

Der Hintergrund: 2024 erreichten rund 4,6 Milliarden Kleinsendungen den EU-Markt, etwa 91 % davon aus China. Die Zollfreigrenze begünstigte den Import aus Drittstaaten gegenüber europäischen Händlern und lud zur Unterbewertung von Sendungen ein.

An die Stelle der Freigrenze trat für die Zeit von 1.7.2026 bis 1.7.2028 eine Übergangslösung: 3 € Zoll je Warenposition, ausdrücklich nicht pro Paket. Eine Position umfasst alle Waren einer Sendung mit derselben Tarifnummer (KN-Code). Mehrere gleiche T-Shirts kosten also einmal 3 €, ein T-Shirt und eine Uhr zweimal 3 €, so das Bundeskanzleramt. Maßgeblich für die 150-Euro-Grenze ist der Warenwert ohne gesondert ausgewiesene Versandkosten. Der Pauschalzoll gilt unabhängig davon, ob der Händler die Einfuhrumsatzsteuer über IOSS abführt oder der Zusteller sie einhebt; laut Leitfaden der EU-Kommission fallen auch Alkohol und Parfum darunter, die früher von der Freigrenze ausgenommen waren.

Ab 1. Juli 2028 soll die neue EU-Zolldatenplattform jede Sendung regulär verzollen. Ob sie bis dahin einsatzbereit ist, prüft die EU-Kommission bis Dezember 2027; andernfalls kann sie eine Verlängerung der 3-Euro-Regel vorschlagen. Mit der EU-Zollreform kommt außerdem ab 1. November 2026 eine Bearbeitungsgebühr auf eingeführte Waren, deren Höhe die Kommission in einem delegierten Rechtsakt festlegt.

Praktisch heißt das: Das Billig-Paket aus Fernost ist teurer geworden, am stärksten die Sammelbestellung mit vielen verschiedenen Artikeln. Fünf unterschiedliche Warenpositionen kosten 15 € Zoll - bei 30 € Warenwert die Hälfte obendrauf, noch bevor EUSt und Post-Gebühr dazukommen.

Drei Pakete durchgerechnet

Diese Tabelle fehlt auf den meisten Ratgeberseiten: konkrete Endsummen statt abstrakter Prozentsätze. Post-Gebühren der Österreichischen Post, Stand September 2026.

BeispielWarenwertVersandZollwertZollEUSt 20 %Post-GebührAufschlag gesamt
Kopfhörer China bis 30.6.2026 (ohne IOSS)80 €10 €90 €0 €18,00 €7,20 €25,20 €
Kopfhörer China seit 1.7.2026 (ohne IOSS)80 €10 €90 €3,00 €18,60 €7,20 €28,80 €
Lederjacke USA200 €30 €230 €27,60 €51,52 €14,40 €93,52 €

So liest sich das erste Beispiel: Bei 80 € Warenwert blieb das Paket bis 30.6.2026 zollfrei, die EUSt von 20 % auf 90 € Zollwert machte 18 €, die Post verrechnete 7,20 €. Aus einem 90-Euro-Paket wurden 115,20 € an der Haustür. Seit 1.7.2026 kommen 3 € Zoll dazu, und die EUSt wird auf 93 € (Zollwert plus Zoll) berechnet - der Aufschlag steigt auf 28,80 €, an der Haustür sind 118,80 € fällig.

Beim USA-Beispiel zeigt sich der Hebel des Zolls: Die Lederjacke wird mit 12 % verzollt (27,60 € auf 230 €), und die EUSt rechnet auf 257,60 € - also auch auf den Zoll. Aus einem 230-Euro-Paket werden 323,52 €. Bei höherpreisigen Bestellungen lohnt der Preisvergleich mit dem heimischen Handel oft mehr, als der Lockpreis im US-Shop vermuten lässt.

IOSS: wenn die Steuer schon bezahlt ist

Es gibt einen Weg, bei dem an der Haustür gar nichts mehr fällig wird: den Import-One-Stop-Shop (IOSS). Große Plattformen wie AliExpress, Temu, Shein oder Amazon-Marketplace-Händler sind dort registriert. Sie kassieren die österreichische EUSt schon beim Bezahlen im Shop und führen sie über ihre IOSS-Nummer ab.

Für Sendungen bis 150 € Warenwert bedeutet das: Liegt eine gültige IOSS-Nummer vor und erreicht sie den Zoll vor der Anmeldung, ist die Sendung von der EUSt bei der Zustellung befreit. Es kommt keine Nachforderung, und seriöse Plattformen verrechnen dann auch keine separate Bearbeitungsgebühr. Der angezeigte Endpreis im Warenkorb ist der Preis, den man zahlt. Den 3-Euro-Zoll gibt es seit 1. Juli 2026 auch bei IOSS-Sendungen; angemeldet und abgeführt wird er vom Händler bzw. der Plattform.

Erkennen lässt sich das am Bestellvorgang: Wird im Checkout bereits “inkl. Steuern” oder “VAT included” für Österreich ausgewiesen, läuft der Kauf in der Regel über IOSS. Fehlt dieser Hinweis - etwa bei kleinen, direkt angeschriebenen Auslandsshops - kommt die EUSt erst bei der Zustellung dazu, plus Post-Gebühr. Das ist der häufigste Grund für die unangenehme Überraschung beim Paketboten. Wer auf Nummer sicher gehen will, prüft vor dem Kauf seine Rechte als Konsument und ob der Shop transparent über die Gesamtkosten aufklärt.

Gebühren von Post und Paketdiensten

Die staatlichen Abgaben sind nur die halbe Wahrheit. Hinzu kommt das Entgelt des Zustellers für die Zollabwicklung - er legt die Abgaben aus und holt sie samt Servicegebühr bei der Übergabe ein. Bei der Österreichischen Post gilt folgender Tarif:

SendungswertNettoBrutto
Bis 150 €6,00 €7,20 €
150 - 1.000 €12,00 €14,40 €
Über 1.000 €36,00 €43,20 €

Dazu kommt ein Bearbeitungs- und Lagerentgelt von 34,56 € brutto, wenn die Post den Empfänger wegen fehlender Unterlagen kontaktieren muss. Genau deshalb lohnt es sich, Rechnung und Zahlungsbeleg parat zu halten - ohne Wertnachweis schätzt der Zoll den Warenwert, meist nicht zu Ihren Gunsten.

Private Paketdienste wie DHL Express, UPS oder FedEx verrechnen eigene, oft höhere Abwicklungspauschalen. Bei einer 30-Euro-Bestellung kann die Bearbeitungsgebühr den Warenwert übersteigen - ein Effekt, den viele erst beim Nachnahme-Betrag bemerken. Wer aus Drittländern bestellt, sollte die Zustellgebühr immer mitkalkulieren.

Selbst verzollen, ablehnen oder zurückschicken

Man ist der Post-Abwicklung nicht ausgeliefert. Drei Optionen lohnen den Blick, je nach Situation.

Selbstverzollung. Wer die Bearbeitungsgebühr des Zustellers sparen oder den Warenwert korrekt nachweisen will, kann die Sendung selbst beim Zollamt anmelden. Bei der Post läuft das über die Sendungsverfolgung: Statt die Post abwickeln zu lassen, übernimmt man die Anmeldung selbst und legt Rechnung und Zahlungsbeleg vor. Das ist vor allem bei teuren Sendungen sinnvoll, bei denen die Post sonst einen geschätzten Wert ansetzt.

Falschen Wert beanstanden. Hat der Händler einen zu hohen Wert auf das Paket geschrieben oder fehlt die Rechnung, schätzt der Zoll - oft zu hoch. Mit einem nachgereichten Zahlungsbeleg (Kontoauszug, PayPal-Beleg, Shop-Bestätigung) lässt sich die Bemessungsgrundlage korrigieren. Wichtig: Das muss vor der endgültigen Abgabenfestsetzung geschehen.

Annahme verweigern. Stimmt die Bestellung nicht oder ist der Aufschlag zu hoch, kann man die Sendung ablehnen. Sie geht dann an den Absender zurück, und die ausgelegten Abgaben werden nicht eingehoben. Bei einer berechtigten Rücksendung im Rahmen des Konsumentenschutzes kann man bereits gezahlte EUSt beim Zollamt zurückfordern - der Antrag braucht aber den Ausfuhrnachweis und etwas Geduld.

Verbrauchsteuerwaren und Bestellverbote

Eine eigene Liga sind Waren mit Verbrauchsteuer. Sie sind immer abgabenpflichtig, unabhängig vom Warenwert, und kennen keine IOSS-Befreiung:

  • Tabak und Tabakwaren: Die Bestellung aus Drittländern (und auch aus anderen EU-Ländern) im Versandhandel ist generell verboten. Solche Sendungen werden vom Zoll angehalten.
  • Alkoholische Erzeugnisse: erlaubt, aber neben Zoll und EUSt fällt Alkohol- bzw. Schaumweinsteuer an.
  • Parfum und Toilettewasser: ebenfalls von jeder Wertfreigrenze ausgenommen.

Wer einen gebrauchten Pkw oder ein Motorrad aus dem Drittland importiert, hat noch eine dritte Abgabe am Hals: die Normverbrauchsabgabe. Details dazu stehen im Artikel zur NoVA. Und wer als Unternehmer einkauft, sollte die EUSt-Behandlung im Vorsteuerabzug kennen - relevant etwa bei der Kleinunternehmerregelung, bei der kein Vorsteuerabzug möglich ist. Die Anmeldung und Verrechnung läuft für Unternehmer über FinanzOnline.

Ein letzter Hinweis zur Wertgrenze bei der Reise: Was Sie als Reisender im Gepäck mitbringen dürfen, folgt komplett anderen Regeln als der Postversand. Die Reisefreimengen liegen bei 430 € (Flug) bzw. 300 € (Land/Schiff) und haben mit der 150-Euro-Grenze für Pakete nichts zu tun.

Quellen (7)

Häufig gestellte Fragen

Ab welchem Betrag wird ein Paket aus dem Drittland zollpflichtig?

Seit 1.7.2026 ab dem ersten Euro, die 150-Euro-Zollfreigrenze ist weggefallen. Bei Online-Bestellungen bis 150 € Warenwert fallen 3 € Zoll je Warenposition an, darüber der reguläre Zollsatz. Die Einfuhrumsatzsteuer (20 %) war schon vorher ab dem ersten Cent fällig.

Warum zahle ich Steuer auf ein 5-Euro-Paket aus China?

Seit 1.7.2021 ist die alte 22-Euro-Freigrenze weggefallen. Die Einfuhrumsatzsteuer von 20 % fällt seither ab dem ersten Cent an, auch bei einer 5-Euro-Sendung. Seit 1.7.2026 kommen bei Online-Bestellungen noch 3 € Zoll je Warenposition dazu.

Was ist IOSS und wann zahle ich keine Steuer bei der Zustellung?

Beim Import-One-Stop-Shop kassiert der Händler die EUSt schon beim Kauf und führt sie ab. Sendungen bis 150 € mit gültiger IOSS-Nummer sind dann von der EUSt bei der Zustellung befreit - es kommt keine Nachforderung. Den 3-Euro-Zoll führt bei IOSS ebenfalls der Händler ab.

Wie hoch sind die Gebühren der Österreichischen Post?

Die Post verrechnet für die Zollabwicklung 7,20 € brutto bei Sendungen bis 150 €, 14,40 € bei 150 bis 1.000 € und 43,20 € über 1.000 €. Muss der Empfänger kontaktiert werden, kommen 34,56 € Bearbeitungs- und Lagerentgelt dazu.

Was hat sich am 1. Juli 2026 geändert?

Die 150-Euro-Zollfreigrenze ist entfallen. Als Übergangslösung gilt von 1.7.2026 bis 1.7.2028 ein Zoll von 3 € je Warenposition (Waren mit derselben Tarifnummer), nicht pro Paket - für Online-Bestellungen bis 150 € Warenwert. Die EUSt-Pflicht ab dem ersten Cent blieb unverändert.

Darf ich Tabak oder Alkohol aus dem Drittland bestellen?

Tabak und Tabakwaren dürfen im Versandhandel generell nicht aus Drittländern bestellt werden. Alkohol, Parfum und Toilettewasser sind erlaubt, aber immer abgabenpflichtig - unabhängig vom Warenwert und ohne IOSS-Befreiung.