Tischler Gehalt Österreich 2026 - Einstieg, KV, Netto

Von Redaktion Finanzguide Stand 30.09.2026 Lesezeit 7 Min

Was verdient ein Tischler in Österreich 2026?

Tischlerinnen und Tischler mit Lehrabschluss verdienen 2026 im Gewerbe mindestens 15,17 € brutto pro Stunde, mit Lehrabschluss in Tischlereitechnik 15,99 €. Das legt die Lohnordnung für Tischler und Holzgestalter ab 1. Mai 2026 fest. Bei der kollektivvertraglichen 40-Stunden-Woche sind das rund 2.627 € bzw. 2.769 € brutto im Monat.

Wer in der Möbel- oder Holzindustrie arbeitet, fällt unter einen anderen Kollektivvertrag - mit niedrigerem Einstiegsstundenlohn, kürzerer Arbeitszeit, aber automatischen Stufen nach der Lehre. Die verbreitete Annahme, die Industrie zahle grundsätzlich mehr, hält beim Mindestlohn nicht.

Zwei häufig zitierte Zahlen messen etwas anderes. Das AMS-Berufslexikon nennt für Tischlereitechnik 2.420 bis 2.680 € Einstiegsgehalt - mit Stand 2025, vor der Erhöhung um 3,5 %. karriere.at gibt für Vollzeit 1.811 bis 3.018 € brutto an, errechnet aus internen Portaldaten. Die Untergrenze liegt unter jedem KV-Lohn für ausgelernte Fachkräfte.

Tischlergewerbe: Gehalt nach Lohngruppe 2026

Der Gewerbe-KV hat sieben Lohngruppen. Nach der Lehre entscheidet der Lehrberuf über die Einstufung, danach Fachkenntnis und Verantwortung:

Lohngruppe (Gewerbe)Stundenlohn ab 1.5.2026Monat (40 Std./Woche)*Netto/Monat**
I. Spitzenfacharbeiter17,39 €3.011,95 €2.180,96 €
II. Qualifizierter Facharbeiter16,72 €2.895,90 €-
III. Facharbeiter mit LAP Tischlereitechnik15,99 €2.769,47 €2.041,60 €
IV. Facharbeiter mit LAP Tischlerei15,17 €2.627,44 €1.977,63 €
V. Facharbeiten ohne LAP14,55 €2.520,06 €-
VI. Angelernte Tätigkeiten, Kraftfahrer14,45 €2.502,74 €-
VII. Hilfsarbeiten14,14 €2.449,05 €-

Stundenlöhne laut WKO-Lohnordnung, gültig 1.5.2026 bis 30.4.2027. Monatswert umgerechnet mit 40 Stunden × 4,33 Wochen. **Netto 2026 nach dem Brutto-Netto-Rechner 2026, gegengeprüft mit karriere.at, für den auf ganze Euro gerundeten Monatswert, ohne Pendlerpauschale und Kinder.

Für Lohngruppe II verlangt der KV besondere Fachkenntnisse, mindestens zwei Jahre als Facharbeiter in Lohngruppe III oder IV und selbstständiges Arbeiten nach kurzer Anweisung - oder die Führung einer Gruppe von mindestens drei Personen auf Montage bzw. fünf in der Produktion. Lohngruppe I ist für die selbstständige Abwicklung ganzer Aufträge und Projekte oder die Führung von Teams ab zehn Personen vorgesehen.

Der Lehrberuf macht einen messbaren Unterschied: Wer Tischlereitechnik gelernt hat, startet mit 0,82 € mehr pro Stunde - rund 142 € brutto im Monat.

Holzindustrie: Gehalt nach Lohngruppe 2026

Für Mitgliedsbetriebe des Fachverbands der Holzindustrie gilt ein eigener Kollektivvertrag. Für die Stundenabrechnung wird dort durch 167 geteilt, das entspricht einer 38,5-Stunden-Woche.

Lohngruppe (holzverarbeitende Industrie)Stundenlohn ab 1.6.2026Monat (× 167)
I. Spezialfacharbeiter17,37 €2.900,79 €
II. Facharbeiter nach dem 3. Jahr der Auslehre16,74 €2.795,58 €
III. Facharbeiter nach dem 1. Jahr nach der Auslehre15,73 €2.626,91 €
IV. Facharbeiter im 1. Jahr nach der Auslehre15,01 €2.506,67 €
V. Hilfsarbeiter14,73 €2.459,91 €

Quelle: WKO, Kollektivvertrag holzverarbeitende Industrie, Lohnschema ab 1.6.2026; Monatswert = Stundenlohn × 167.

Im Vergleich: Im ersten Jahr nach der Lehre liegt die Industrie mit 2.506,67 € rund 121 € unter dem Gewerbe-Facharbeiter mit LAP Tischlerei. Nach einem Jahr zieht sie praktisch gleich, nach drei Jahren liegt sie mit 2.795,58 € vorn - weil die Stufen in der Industrie automatisch kommen, während im Gewerbe erst die Umstufung in Lohngruppe II mehr bringt.

Brutto-Netto-Beispiel: Tischler nach der Lehre

Gerechnet mit dem auf 2.627 € gerundeten Monatswert der Gewerbe-Lohngruppe IV, ohne Pendlerpauschale und ohne Kinder:

PositionBetrag/Monat
Bruttolohn (laufend)2.627,00 €
- Sozialversicherung-449,74 €
- Lohnsteuer-199,63 €
Netto laufend1.977,63 €

Berechnet nach dem Brutto-Netto-Rechner 2026, gegengeprüft mit karriere.at, Stand September 2026.

Die Sozialversicherung liegt hier etwas unter dem vollen Satz von 18,07 %, weil bei diesem Einkommen der Arbeitslosenversicherungsbeitrag noch gestaffelt ist. Die Lohnsteuer folgt dem Stufentarif abzüglich Verkehrsabsetzbetrag.

Urlaubszuschuss und Weihnachtsremuneration betragen laut Gewerbe-KV je 4,33 Wochenlöhne - bei 40 Wochenstunden genau ein Monatslohn. Netto bleiben davon 2.108,52 € bzw. 2.071,32 €, übers Jahr ergibt das 27.911,40 €. Warum Sonderzahlungen netto mehr bringen als ein Monatslohn, zeigt der Beitrag zum 13. und 14. Gehalt.

Pendlerpauschale und Familienbonus senken die Steuer weiter; den Wert für die eigene Situation liefert der Brutto-Netto-Rechner. Kurse etwa in CAD oder CNC lassen sich über die Einkommensteuer-Veranlagung absetzen, wenn der Arbeitgeber sie nicht zahlt.

Kollektivvertrag und Erhöhungen 2026

Welcher KV gilt, hängt an der Kammermitgliedschaft des Arbeitgebers: Mitgliedsbetriebe der Bundesinnung der Tischler und Holzgestalter wenden den Gewerbe-KV an, Mitglieder des Fachverbands der Holzindustrie den Industrie-KV.

Tischlergewerbe. Die Mindeststundenlöhne stiegen am 1. Mai 2026 um 3,5 %, Laufzeit zwölf Monate. Akkorde, Prämien und Stücklöhne stiegen im selben Ausmaß. Für Ist-Löhne gilt die Parallelverschiebung: Eine bestehende Überzahlung bleibt centgenau erhalten.

Holzindustrie. Am 1. Juni 2026 stiegen die KV-Löhne um 76 € im Monat, die Ist-Löhne um 1,8 % plus 21,50 €, Akkord- und Leistungslöhne um 2,5 %. Auch hier darf eine Überzahlung aus Anlass der KV-Erhöhung nicht geschmälert werden.

Wie KV-Lohn und Überzahlung auf der Abrechnung stehen, zeigt der Ratgeber zur Gehaltsabrechnung, die Grundlagen der Einstufung der Beitrag zum Kollektivvertrag. Einen gesetzlichen Mindestlohn gibt es in Österreich nicht.

Lehrlingseinkommen 2026 - Gewerbe und Industrie

LehrjahrGewerbe: TischlereitechnikGewerbe: andere LehrberufeHolzindustrie (ab 1.6.2026)
1. Lehrjahr921 €921 €6,54 € pro Stunde
2. Lehrjahr1.107 €1.107 €60 % der Lohngruppe III
3. Lehrjahr1.666 €1.304 €80 % der Lohngruppe III
4. Lehrjahr2.091 €1.459 €90 % der Lohngruppe III

Quellen: WKO-Lohnordnung Tischler und Holzgestalter (1.5.2026 bis 30.4.2027), WKO-Kollektivvertrag holzverarbeitende Industrie 2026.

Umgerechnet mit dem Teiler 167 entspricht das in der Industrie rund 1.092 € im ersten, 1.576 € im zweiten, 2.102 € im dritten und 2.364 € im vierten Lehrjahr. Im Gewerbe gilt: Wer im Lehrverhältnis 18 wird, bekommt ab der folgenden Abrechnung das Einkommen des 3. Lehrjahres; das gilt auch für Lehrlinge, die erst nach dem 18. Geburtstag oder nach dem Präsenz- oder Zivildienst beginnen.

Tischler-Gehalt nach Bundesland

Beide Kollektivverträge gelten österreichweit mit denselben Stundenlöhnen. Belastbare Zahlen zu regionalen Ist-Löhnen gibt es nicht; karriere.at hebt Oberösterreich wegen guter Jobchancen hervor, nennt aber keine Gehaltswerte.

Wer vergleichen will, liest Stelleninserate der eigenen Region. Seit 1. März 2011 müssen Arbeitgeber dort nach § 9 Abs. 2 Gleichbehandlungsgesetz das kollektivvertragliche Mindestentgelt nennen und angeben, ob sie bereit sind, darüber zu zahlen.

Tischlerei oder Tischlereitechnik

Die Lehre Tischlerei dauert 3 Jahre. Die Lehre Tischlereitechnik dauert laut AMS 4 Jahre und wird mit einem von drei Schwerpunkten absolviert: Planung, Produktion oder Modell- und Formenbau. Eine Kombination mehrerer Schwerpunkte ist nicht möglich, einzelne Inhalte anderer Schwerpunkte können aber zusätzlich ausgebildet werden.

Das zusätzliche Lehrjahr rechnet sich im Gewerbe doppelt: im dritten und vierten Lehrjahr mit 362 € bzw. 632 € mehr Lehrlingseinkommen pro Monat, danach mit der höheren Lohngruppe III. Außerdem kann bei der Lehrabschlussprüfung Tischlereitechnik freiwillig ein Teil der Berufsreifeprüfung abgelegt werden.

Schulische Wege nennt das AMS mit der HTL für Innenarchitektur und Holztechnologie sowie der HTL für Wirtschaftsingenieure mit Schwerpunkt Holztechnik. Kurse für CAD, CNC, Holzstiegenbau, Möbel- und Innenausbau oder Oberflächenbehandlung bieten laut AMS BFI und WIFI an.

Karriere: Werkmeister, Meister und Selbstständigkeit

Als Aufstiegspositionen nennt das AMS Arbeitsvorbereiter, Vorarbeiter, Werkmeister und Produktionsleiter. Zur Höherqualifizierung führen unter anderem die Werkmeisterschule für Berufstätige für Holztechnik in Kuchl und Übelbach, die Meisterschule für Tischler in Pöchlarn und Hallstatt sowie die Meisterschule für Tischlereitechnik und Raumgestaltung in Graz.

Im Gewerbe-KV führt die Führungsrolle direkt in höhere Lohngruppen: Wer regelmäßig eine Gruppe ab drei Personen auf Montage oder fünf in der Produktion leitet, kommt in Lohngruppe II, bei Teams ab zehn Personen in Lohngruppe I.

Für die Selbstständigkeit nennt das AMS das reglementierte Gewerbe der Tischler, ein verbundenes Handwerk mit Modellbauern, Bootbauern, Bindern und Drechslern, außerdem den Holzbau-Meister. Nötig ist der Befähigungsnachweis, danach die Gewerbeanmeldung. Selbstständige zahlen Sozialversicherung an die SVS und tragen die Investitionen in Maschinen und Werkstatt selbst.

Zulagen, Montage und Überstunden

Überstunden an Werktagen zwischen 6 und 20 Uhr bringen laut Gewerbe-KV 50 % Zuschlag, zwischen 20 und 6 Uhr 100 %.

Taggeld bei Außerhausarbeit. Seit 1. Mai 2026 gebühren im Gewerbe bei mehr als 5 Stunden ununterbrochener Abwesenheit 2,50 € je angefangener Stunde. Übernimmt der Arbeitgeber Mittag- oder Abendessen, wird das Taggeld pro Mahlzeit um 15 € gekürzt.

24. und 31. Dezember sind laut Gewerbe-KV bei Fortzahlung des Lohnes arbeitsfrei.

Akkord und Prämien sind vor allem in der Serienfertigung verbreitet. In der Industrie stiegen die Leistungslöhne 2026 um 2,5 %, im Gewerbe um 3,5 %. Vor der Unterschrift lohnt ein Blick auf das Verhältnis von fixem Grundlohn zu variablem Anteil. Wo sich bei der Abrechnung die häufigsten Fehler verstecken, zeigt der Beitrag zu Überstunden.

Verhandlungs-Hebel für mehr Gehalt

Die Lohngruppe prüfen. Nach zwei Jahren als Facharbeiter mit besonderen Fachkenntnissen ist im Gewerbe Lohngruppe II möglich - 16,72 € statt 15,17 €, also rund 268 € mehr im Monat.

Den Lehrberuf ausspielen. Mit LAP Tischlereitechnik gilt von Anfang an Lohngruppe III.

Industrie-Stufen kontrollieren. In der Holzindustrie steigt der Mindestlohn nach dem ersten und nach dem dritten Jahr nach der Lehre. Ein Blick auf den Lohnzettel zeigt, ob die Umstellung erfolgt ist.

Überzahlung festschreiben. Dank Parallelverschiebung wandert eine vereinbarte Überzahlung mit jeder KV-Erhöhung mit.

Unsere Einschätzung

Beim Tischler wird der Unterschied zwischen Gewerbe und Industrie meist falsch herum erzählt. Beim Einstieg liegt das Gewerbe vorn, weil es mehr Wochenstunden bezahlt; die Industrie holt über ihre automatischen Stufen auf und überholt nach drei Jahren. Wer im Gewerbe bleibt, muss sich den Aufstieg in Lohngruppe II aktiv holen.

Der stärkste Hebel liegt schon vor der Lehre: Tischlereitechnik statt Tischlerei bringt mehr Lehrlingseinkommen und eine höhere Einstufung. Für die Planung gilt: Rechnen Sie mit dem Netto - der Brutto-Netto-Rechner liefert den exakten Wert. Einen Handwerksberuf mit Monatslohn statt Stundenlohn zeigt das Profil zum Elektriker-Gehalt.

Quellen (6)

Häufig gestellte Fragen

Wie viel verdient ein Tischler in Österreich 2026?

Im Tischlergewerbe ab 1.5.2026 mindestens 15,17 € pro Stunde mit Lehrabschluss Tischlerei und 15,99 € mit Lehrabschluss Tischlereitechnik. Bei 40 Wochenstunden sind das rund 2.627 € bzw. 2.769 € brutto im Monat.

Was verdient ein Tischler-Lehrling pro Lehrjahr?

Im Tischlergewerbe ab 1.5.2026: 921 € im 1. und 1.107 € im 2. Lehrjahr. Im 3. und 4. Lehrjahr bekommen Tischlereitechnik-Lehrlinge 1.666 € und 2.091 €, andere Lehrlinge 1.304 € und 1.459 €. Wer im Lehrverhältnis 18 wird, erhält mindestens das Einkommen des 3. Lehrjahres.

Wie viel netto bleibt vom KV-Lohn eines Tischlers?

Von rund 2.627 € brutto (Lehrabschluss Tischlerei) bleiben 2026 laut Brutto-Netto-Rechner 1.977,63 € netto im Monat, von rund 2.769 € (Tischlereitechnik) 2.041,60 € - jeweils ohne Pendlerpauschale und Kinder.

Wie viel hat der Tischler-KV 2026 gebracht?

Im Tischlergewerbe stiegen die Mindeststundenlöhne am 1.5.2026 um 3,5 %, Laufzeit zwölf Monate. In der holzverarbeitenden Industrie stiegen die KV-Löhne am 1.6.2026 um 76 € im Monat, die Ist-Löhne um 1,8 % plus 21,50 €. Überzahlungen bleiben in beiden KV betragsmäßig erhalten.

Was ist der Unterschied zwischen Tischler und Tischlereitechniker?

Tischlerei ist die dreijährige Lehre, Tischlereitechnik die vierjährige mit einem Schwerpunkt: Planung, Produktion oder Modell- und Formenbau. Im Gewerbe-KV bringt der Lehrabschluss Tischlereitechnik die Lohngruppe III mit 15,99 € statt 15,17 € pro Stunde.

Verdient man in der Möbelindustrie mehr als in der Tischlerei?

Nicht beim Einstieg. Die holzverarbeitende Industrie zahlt im 1. Jahr nach der Lehre 15,01 € pro Stunde bei 38,5 Wochenstunden - rund 2.507 € im Monat, weniger als die 2.627 € im Gewerbe. Dafür steigt der Industrielohn nach einem und nach drei Jahren automatisch.

Wie wird man selbstständiger Tischler?

Laut AMS über das reglementierte Gewerbe der Tischler, ein verbundenes Handwerk mit Modellbauern, Bootbauern, Bindern und Drechslern. Nötig ist der Befähigungsnachweis, danach die Gewerbeanmeldung.