Reinigungskraft Gehalt Österreich 2026: KV & Netto
Was verdient eine Reinigungskraft in Österreich?
Eine Reinigungskraft verdient nach dem Kollektivvertrag für Gebäudereinigung ab 1. Jänner 2026 zwischen 12,37 € und 15,12 € brutto pro Stunde - je nach Tätigkeit. In Vollzeit (40 Stunden pro Woche) ergibt das rund 2.144 € brutto pro Monat in der häufigsten Lohngruppe und bis zu 2.621 € für Facharbeiter mit Lehrabschluss, jeweils 14-mal im Jahr. Damit liegt der Beruf am unteren Rand der österreichischen Lohnskala, aber klar über dem, was viele vermuten.
Der entscheidende Punkt steht in keiner Schlagzeile: Die wenigsten Reinigungskräfte arbeiten Vollzeit. Reinigung passiert in Randzeiten - früh vor Bürobeginn, spät nach Geschäftsschluss -, und daraus entstehen kurze, oft geteilte Dienste. Wer 20 oder 30 Wochenstunden arbeitet, verdient entsprechend weniger als die Vollzeit-Zahl suggeriert. Das reale Monatseinkommen hängt deshalb weniger vom Stundenlohn ab als von der Stundenzahl - und genau das übersehen die meisten Gehaltsangaben.
Zwei Hebel heben den Verdienst spürbar: der Wechsel in eine höhere Lohngruppe und der Facharbeiter-Lehrabschluss. Beides bringt mehr als jedes Dienstjahr, denn der KV kennt keine automatische Vorrückung nach Betriebszugehörigkeit. Wer das versteht, verhandelt nicht über Treue zum Betrieb, sondern über Tätigkeit und Qualifikation.
Gehaltstabelle nach Lohngruppen
Der Kollektivvertrag gliedert die Reinigung nicht nach Dienstjahren, sondern nach sechs Lohngruppen je nach Tätigkeit. Die folgende Tabelle zeigt die KV-Mindestlöhne ab 1.1.2026, brutto pro Stunde und hochgerechnet auf Vollzeit (40 Stunden/Woche, rund 173 Stunden/Monat):
| Lohngruppe | Typische Tätigkeit | €/Stunde | Vollzeit/Monat |
|---|---|---|---|
| 1 | Facharbeiter mit Lehrabschluss Reinigungstechnik | 15,12 € | rund 2.621 € |
| 2 | Sonderreiniger, ohne Lehrabschluss, Chauffeure, Magazineure | 13,30 € | rund 2.305 € |
| 4 | Hausbetreuung/Reinigung in Wohnhausanlagen, Privathäusern | 13,03 € | rund 2.259 € |
| 3 | Hotelreinigung | 12,99 € | rund 2.252 € |
| 5 | Senioren-, Pflege-, Krankenanstalten, medizinische Labore | 12,73 € | rund 2.207 € |
| 6 | Unterhaltsreinigung Büros, Industrie, Verwaltung, Verkehrsmittel | 12,37 € | rund 2.144 € |
Auffällig ist, wie eng die Gruppen 2 bis 6 beieinanderliegen - keine 100 € Vollzeit-Differenz zwischen der Büroreinigung und der Hausbetreuung. Der einzige echte Sprung ist die Facharbeiter-Gruppe 1: Sie liegt mit 15,12 € rund 22 Prozent über der Unterhaltsreinigung. In Vollzeit sind das etwa 480 € mehr brutto im Monat. Das ist der Grund, warum sich der Lehrabschluss finanziell lohnt - dazu mehr im Abschnitt zur Ausbildung.
Brutto-Netto: was bleibt übrig
Vom Bruttolohn gehen Sozialversicherung und Lohnsteuer ab. Reinigungskräfte sind Arbeiter und ASVG-versichert; der SV-Anteil liegt 2026 bei rund 18,07 %. Danach greift der progressive Lohnsteuertarif. Die Aufteilung der Sozialversicherung erklärt der Beitrag zur Sozialversicherung, die Tarifstufen jener zur Lohnsteuer.
Ein konkretes Beispiel für Vollzeit in Lohngruppe 6, alleinstehend, ohne Kinder, mit 2.144 € laufendem Monatsbrutto:
| Posten | Betrag/Monat |
|---|---|
| Bruttolohn (40 h/Woche) | 2.144 € |
| - Sozialversicherung (18,07 %) | -387 € |
| Steuerbemessung | 1.757 € |
| - Lohnsteuer (nach Verkehrsabsetzbetrag) | -89 € |
| Nettolohn laufend | rund 1.670 € |
Bleiben rund 1.670 € netto pro Monat aus den zwölf laufenden Bezügen. Dazu kommen das 13. und 14. Gehalt, die bis zum Jahressechstel mit nur 6 % besteuert werden und deshalb netto fast vollständig ankommen - bei niedrigen Einkommen wie hier ein spürbarer Bonus. Wer Kinder hat, hebt das Netto über den Familienbonus Plus zusätzlich an, und Geringverdiener erhalten über die Negativsteuer einen Teil der Sozialversicherung zurück. Den persönlichen Wert mit allen Absetzbeträgen rechnen Sie mit dem Brutto-Netto-Rechner durch.
Ein Detail, das gerade in diesem Lohnbereich zählt: Bei niedrigen Einkommen ist die Arbeitslosenversicherung reduziert oder entfällt ganz - der reale SV-Abzug liegt dann unter den vollen 18,07 Prozent, und das Netto ist etwas höher als im Beispiel. Wer also knapp über der Geringfügigkeitsgrenze verdient, behält anteilig mehr, als der Bruttosatz vermuten lässt.
Teilzeit-Realität: was wirklich übrig bleibt
Hier wird die Reinigung zum Sonderfall. Weil Voll- und Teilzeit so unterschiedlich ausfallen, ist die ehrliche Rechnung nicht die Vollzeit-Zahl, sondern eine nach Stundenausmaß. Die folgende Tabelle zeigt für Lohngruppe 6 (12,37 €/Stunde), was bei verschiedenen Wochenstunden brutto und netto bleibt - Richtwerte für eine alleinstehende Person ohne Kinder:
| Wochenstunden | Brutto/Monat | Netto/Monat (rund) |
|---|---|---|
| 20 Stunden | rund 1.072 € | rund 1.010 € |
| 30 Stunden | rund 1.608 € | rund 1.290 € |
| 40 Stunden (Vollzeit) | rund 2.144 € | rund 1.670 € |
Bei 20 Wochenstunden bleibt fast das gesamte Brutto, weil das Einkommen unter dem steuerfreien Grundbetrag liegt - es fällt praktisch keine Lohnsteuer an. Mit steigender Stundenzahl greift die Steuer, der Netto-Zuwachs flacht leicht ab. Trotzdem ist die Botschaft eindeutig: Jede zusätzliche Stunde lohnt sich. Wer von 30 auf 40 Stunden aufstockt, gewinnt nicht nur rund 380 € netto im Monat, sondern auch die volle Kranken-, Pensions- und Arbeitslosenversicherung. Genau deshalb ist die Bündelung mehrerer Kleinstjobs zu einer ordentlichen Stelle der wichtigste finanzielle Schritt in diesem Beruf. Wie kleine Einkommen sozialversicherungsrechtlich behandelt werden, ordnet auch der Vergleich mit anderen Einstiegsberufen wie dem Lagerlogistiker oder dem Kellner ein.
Kollektivvertrag und Einstufung
Für Reinigungskräfte gilt der Kollektivvertrag für Denkmal-, Fassaden- und Gebäudereiniger (Arbeiter), abgeschlossen zwischen der WKO-Fachvertretung und der Gewerkschaft vida. Rund 66.000 Beschäftigte fallen darunter - eine der größten Arbeitergruppen des Landes. Für 2026 brachte der Abschluss im Schnitt 3,25 Prozent mehr Lohn, Facharbeiter mit Lehrabschluss 4,5 Prozent, Lehrlinge 6 Prozent. Wie das KV-System grundsätzlich funktioniert, erklärt der Beitrag zum Kollektivvertrag.
Die richtige Einstufung folgt der tatsächlichen Tätigkeit, nicht dem Dienstalter. Der häufigste Fehler liegt im Detail:
- Lohngruppe 6 ist die Auffanggruppe für Unterhaltsreinigung in Büros und Betrieben - der niedrigste Satz.
- Wer in Wohnhausanlagen Hausbetreuungs- und Reinigungstätigkeiten erledigt, gehört in Lohngruppe 4 - höher als die reine Büroreinigung.
- Sonderreinigung (etwa Fassade, Industrie, Spezialgeräte) fällt in Lohngruppe 2.
- Der Facharbeiter mit Lehrabschluss gehört zwingend in Lohngruppe 1 - unabhängig davon, was er gerade putzt.
Wer also einen Lehrabschluss hat, aber zum Satz der Unterhaltsreinigung bezahlt wird, ist falsch eingestuft. Das nachzufordern bringt mehr als jede Lohnrunde. Anders als in vielen Angestelltenberufen gibt es hier keine Vorrückung nach Jahren - das ist die entscheidende Besonderheit, an die der nächste Abschnitt anknüpft.
Regionale Unterschiede nach Bundesland
Der Kollektivvertrag gilt bundesweit einheitlich - der KV-Stundenlohn in Vorarlberg ist derselbe wie in Wien. Anders als bei Kellnern oder im Handel gibt es bei den KV-Mindestsätzen keinen regionalen Unterschied. Beim Ist-Lohn und vor allem bei der Verfügbarkeit von Vollzeitstellen zeigt sich aber ein Gefälle:
| Region | Tendenz | Treiber |
|---|---|---|
| Wien | mehr Vollzeit, mehr Großobjekte | Bürotürme, Spitäler, öffentliche Gebäude, große Dienstleister |
| Oberösterreich, Steiermark | gemischt | Industriereinigung, Gewerbeparks |
| Tirol, Salzburg, Vorarlberg | Hotellerie prägend | Tourismus, Hotelreinigung (Lohngruppe 3), Saisonspitzen |
| Niederösterreich, Burgenland | viel Teilzeit | Pendlerraum, kleinere Objekte |
| Kärnten | saisonal schwankend | Tourismus, weniger Großobjekte |
In Ballungsräumen mit vielen Großobjekten - Bürotürme, Krankenhäuser, Verkehrsbetriebe - ist es leichter, eine echte Vollzeitstelle bei einem Dienstgeber zu bekommen. In ländlichen Regionen und Tourismusgebieten dominieren kleinere Objekte und saisonale Spitzen, was die geteilten Teilzeitdienste begünstigt. Für das reale Einkommen ist diese Struktur wichtiger als der überall gleiche Stundenlohn.
Branchen- und Arbeitgeber-Unterschiede
Wo gereinigt wird, macht beim Einkommen weniger über den Stundensatz als über die Stabilität den Unterschied.
Reinigungsfirma (Dienstleister) statt Eigenpersonal. Der Großteil der Reinigung ist heute ausgelagert: Gebäudereinigungsfirmen putzen im Auftrag von Unternehmen und öffentlichen Stellen. Hier gilt der KV strikt, die Dienste sind aber oft auf Objekte verteilt und in Randzeiten gelegt. Direkt angestellte Reinigungskräfte - etwa bei Spitälern, Hotels oder Hausverwaltungen - haben oft planbarere Dienste und manchmal eine Überzahlung oder Hausordnungs-Zulagen.
Öffentlicher Bereich. In Spitälern, Heimen und öffentlichen Einrichtungen (Lohngruppe 5) ist die Tätigkeit hygienisch anspruchsvoll und die Anstellung tendenziell stabiler, oft mit besseren Nebenleistungen als bei reinen Dienstleistern.
Hotellerie. Die Hotelreinigung (Lohngruppe 3, Zimmermädchen/Roomboy) ist stark saisonal und in Tourismusregionen konzentriert. Hier kommen in der Hochsaison viele Stunden zusammen, in der Nebensaison wenige - das Jahreseinkommen schwankt entsprechend.
Wer Wert auf ein verlässliches Monatseinkommen legt, fährt mit einer Vollzeit-Direktanstellung im öffentlichen oder institutionellen Bereich meist besser als mit verstreuten Dienstleister-Objekten - auch wenn der Stundenlohn fast gleich ist.
Ausbildung und Voraussetzungen
Für den Einstieg braucht es keine formale Ausbildung - die meisten Reinigungskräfte arbeiten angelernt. Das erklärt das niedrige Einstiegsniveau und die geringen Zugangshürden: Wer zuverlässig und körperlich belastbar ist, findet rasch eine Stelle, gerade in Ballungsräumen herrscht laufend Bedarf.
Wer mehr verdienen will, macht die Lehre Reinigungstechnik (drei Jahre). Mit der Lehrabschlussprüfung fällt man dauerhaft in Lohngruppe 1 (15,12 €) - das ist der größte einzelne Gehaltshebel im Beruf. Die Lehrlingsentschädigung steigt von rund 1.100 € im ersten auf rund 1.886 € im vierten Lehrjahr (Werte ab 1.1.2026). Daneben gibt es Spezialqualifikationen, die den Wert erhöhen: Schulungen für Fassaden- und Höhenarbeit, für Spezial- und Industriereinigung, für Hygiene in medizinischen Bereichen oder für den Umgang mit Reinigungsmaschinen.
Eine Besonderheit ist die körperliche und zeitliche Belastung. Frühdienste ab vier oder fünf Uhr, Abenddienste, Arbeit im Stehen und in gebückter Haltung - das ist der Preis hinter der Zahl. Wer das über Jahre durchhält, sollte auf ergonomische Hilfsmittel und korrekte Pausen achten; sie sind kein Luxus, sondern Voraussetzung dafür, den Beruf langfristig auszuüben.
Gehaltsentwicklung und Karriere
Die Gehaltskurve ist flach - das ist die unbequeme Wahrheit dieses Berufs. Weil der KV keine Stufen nach Dienstjahren kennt, verdient eine Reinigungskraft nach zehn Jahren in derselben Tätigkeit fast dasselbe wie am ersten Tag, abgesehen von den jährlichen KV-Erhöhungen. Wer mehr will, muss die Tätigkeit oder die Qualifikation ändern, nicht auf die Zeit warten.
Drei Wege führen nach oben. Erstens der Facharbeiter-Lehrabschluss, der dauerhaft in Lohngruppe 1 hebt. Zweitens die Spezialisierung - Sonderreinigung, Fassade, Industrie -, die in höhere Lohngruppen führt und für die es weniger Bewerber gibt. Drittens die Objekt- oder Vorarbeiterfunktion: Wer ein Reinigungsteam und ein Objekt koordiniert (Dienstplan, Materialbestellung, Qualitätskontrolle), übernimmt Verantwortung, die mit einer Vorarbeiter- oder Objektleiter-Zulage abgegolten wird. Das ist der realistischste Aufstiegspfad für angelernte Kräfte mit Erfahrung.
Der vierte, oft unterschätzte Hebel ist schlicht der Umfang der Anstellung. Wer von verstreuten Kleinstjobs zu einer Vollzeitstelle bei einem Dienstgeber wechselt, steigert das Monatseinkommen am stärksten - und sichert sich die volle Sozialversicherung. Vor jeder Lohnverhandlung steht daher die Frage nach mehr Stunden.
Zulagen, Zuschläge und Sonderzahlungen
Das Grundgehalt ist nur ein Teil. Der KV sieht mehrere Zuschläge vor, die gerade bei Rand- und Nachtdiensten ins Gewicht fallen:
Nacht-, Sonn- und Feiertagszuschläge. Weil viel in Randzeiten gereinigt wird, sind diese Zuschläge real. Für Nachtarbeit, Sonntags- und Feiertagsarbeit gelten nach dem KV (Anhang Zuschläge) prozentuale Aufschläge auf den Stundenlohn - das hebt den effektiven Verdienst für Früh- und Spätdienste über den nackten Tabellenwert.
Erschwernis- und Schmutzzulagen. Für besonders schmutzige, gesundheitlich belastende oder gefährliche Arbeiten - etwa Fassaden- und Höhenarbeit oder grobe Industriereinigung - kommen Erschwerniszulagen dazu. Sie sind im Rahmen-KV geregelt und werden in der Praxis oft zu wenig eingefordert.
Überstunden. Über die Normalarbeitszeit hinaus geleistete Stunden werden mit Zuschlag vergütet; wie Mehrarbeit grundsätzlich geregelt ist, steht im Beitrag zu Überstunden. Achtung bei der Bandbreite: In mehreren Lohngruppen kann die Wochenarbeitszeit über einen Durchrechnungszeitraum zwischen 35 und 45 Stunden schwanken, muss im Schnitt aber 40 ergeben - Mehrstunden über diesen Schnitt hinaus sind zuschlagspflichtig.
Urlaubszuschuss und Weihnachtsremuneration. Wie in fast allen KV gibt es das 13. und 14. Gehalt. Bei niedrigen Einkommen ist die begünstigte 6-Prozent-Besteuerung besonders wertvoll, weil netto fast alles ankommt. Der volle Urlaubsanspruch von fünf Wochen gilt unabhängig vom Stundenausmaß.
Gehalt verhandeln: die Hebel im Niedriglohnbereich
Klassisches Gehaltsverhandeln ist im KV-System begrenzt, weil der Mindestlohn feststeht. Trotzdem gibt es konkrete Stellschrauben - und einige werden regelmäßig verschenkt.
Richtige Lohngruppe einfordern. Der häufigste Fehler ist die zu niedrige Einstufung. Wer in einer Wohnhausanlage Hausbetreuung macht, gehört in Lohngruppe 4, nicht 6. Wer einen Lehrabschluss hat, gehört in Lohngruppe 1. Prüfen Sie Ihre Einstufung gegen die tatsächliche Tätigkeit - eine Korrektur bringt sofort mehr.
Mehr Stunden statt mehr Lohn. Im Niedriglohnbereich ist die Stundenzahl der stärkste Hebel. Fragen Sie aktiv nach einer Aufstockung oder der Bündelung von Diensten zu einer Vollzeitstelle. Das erhöht das Einkommen und die soziale Absicherung mehr als jede Cent-Verhandlung.
Zulagen kontrollieren. Nacht-, Sonntags-, Feiertags- und Erschwerniszuschläge werden in der Praxis nicht immer korrekt abgerechnet. Prüfen Sie die Abrechnung und fordern Sie fehlende Zuschläge nach - das ist kein Entgegenkommen des Arbeitgebers, sondern KV-Anspruch.
Den Lehrabschluss machen. Wo immer es möglich ist, ist die Lehre Reinigungstechnik der nachhaltigste Schritt: 22 Prozent mehr pro Stunde, dauerhaft. Wo Österreichs Gehälter insgesamt liegen, ordnet der Beitrag zum Mindestlohn und zum Durchschnittsgehalt ein.
Unsere Einschätzung
Die Reinigung ist ehrlich bezahlt, aber knapp - der KV-Mindestlohn liegt 2026 mit 12,37 € spürbar über dem gesetzlichen Niveau vieler Nachbarländer, das reale Monatseinkommen scheitert aber meist an der Teilzeit, nicht am Stundensatz. Genau hier liegt der größte Hebel: Wer von verstreuten Kleinstjobs zu einer Vollzeitstelle bei einem Dienstgeber kommt, verbessert Einkommen und Absicherung am stärksten - mehr als jede Lohnrunde es könnte.
Die zwei häufigsten finanziellen Fehler sind die zu niedrige Lohngruppen-Einstufung und die nicht eingeforderten Zuschläge. Beides ist KV-Anspruch, kein Verhandlungserfolg. Wer dazu den Facharbeiter-Lehrabschluss schafft oder eine Objektleitung übernimmt, durchbricht die flache Gehaltskurve, die der Beruf sonst hat. Unterm Strich ist die Reinigung ein Beruf mit niedriger Einstiegshürde und verlässlichem Bedarf, aber begrenztem Aufstieg - solide für den Einstieg und für Zuverdienst, finanziell tragfähig vor allem in Vollzeit und mit der richtigen Einstufung.
Häufig gestellte Fragen
Was verdient eine Reinigungskraft in Österreich 2026?
Der Kollektivvertrag für Gebäudereinigung beginnt ab 1. Jänner 2026 bei 12,37 € brutto pro Stunde (Unterhaltsreinigung) und reicht bis 15,12 € für Facharbeiter mit Lehrabschluss. In Vollzeit (40 Stunden/Woche) sind das rund 2.144 € bis 2.621 € brutto pro Monat, jeweils 14-mal im Jahr. Die meisten Reinigungskräfte arbeiten allerdings Teilzeit und verdienen entsprechend weniger.
Wie hoch ist der Stundenlohn einer Reinigungskraft 2026?
Je nach KV-Lohngruppe zwischen 12,37 € (Unterhaltsreinigung in Büros, Industrie, Verkehrsmitteln) und 15,12 € brutto pro Stunde (Facharbeiter mit Lehrabschlussprüfung Reinigungstechnik). Hausbetreuung in Wohnhausanlagen liegt bei 13,03 €, Hotelreinigung bei 12,99 €. Die Werte gelten ab 1.1.2026.
Wie viel netto bleibt einer Reinigungskraft?
Von 2.144 € brutto in Vollzeit (Lohngruppe 6, alleinstehend) bleiben rund 1.670 € netto pro Monat. Bei 30 Wochenstunden sind es rund 1.290 €, bei 20 Stunden rund 1.010 €. Niedrige Einkommen profitieren zusätzlich von der reduzierten Arbeitslosenversicherung und der Negativsteuer.
Welcher Kollektivvertrag gilt für Reinigungskräfte?
Der Kollektivvertrag für Denkmal-, Fassaden- und Gebäudereiniger (Arbeiter), abgeschlossen zwischen der WKO-Fachvertretung und der Gewerkschaft vida. Er kennt sechs Lohngruppen nach Tätigkeit, keine automatischen Stufen nach Dienstjahren. Für 2026 brachte er im Schnitt 3,25 Prozent mehr Lohn, für Facharbeiter 4,5 Prozent.
Steigt das Gehalt einer Reinigungskraft mit den Dienstjahren?
Kaum. Der KV hat keine Biennalsprünge - der Stundenlohn hängt von der Lohngruppe (also der Tätigkeit) ab, nicht von der Betriebszugehörigkeit. Mehr verdient, wer in eine höhere Lohngruppe wechselt, den Facharbeiter-Lehrabschluss macht oder eine Objektleitung übernimmt.
Lohnt sich die Lehre zur Reinigungstechnik?
Finanziell ja. Mit der Lehrabschlussprüfung Reinigungstechnik fällt man in Lohngruppe 1 mit 15,12 € statt 12,37 € - rund 22 Prozent mehr pro Stunde, in Vollzeit etwa 480 € mehr brutto im Monat. Die Lehre dauert drei Jahre, ein Großteil der Beschäftigten arbeitet aber angelernt ohne Abschluss.
Warum arbeiten so viele Reinigungskräfte Teilzeit?
Reinigung findet oft in Randzeiten statt - früh morgens vor Bürobeginn oder abends danach. Daraus ergeben sich kurze, geteilte Dienste, die schwer zu einer Vollzeitstelle bei einem Arbeitgeber zu bündeln sind. Viele kombinieren mehrere Teilzeitjobs. Wer Vollzeit bei einem Dienstgeber erreicht, verdient deutlich mehr und hat die volle Sozialversicherung.
Chefredakteur finanzguide.at