Portfolio-Tracker 2026: Depot-Software im Vergleich
Was ist ein Portfolio-Tracker - und wann brauchen Sie einen?
Ein Portfolio-Tracker führt alle Ihre Depots und Anlagen in einer Ansicht zusammen und berechnet die echte Rendite - über Broker hinweg, inklusive Gebühren, Dividenden und Steuern. Spätestens ab dem zweiten Depot lohnt sich das: Die App eines einzelnen Online-Brokers zeigt nur ihr eigenes Depot und oft eine geschönte Performance. Wer bei mehreren Anbietern investiert, verliert ohne Tracker schnell den Überblick über Gesamtvermögen, Klumpenrisiken und die tatsächliche Rendite.
Vermögensverwaltung oder Portfolioverwaltung?
Die Tools teilen sich in zwei Lager, und die Wahl hängt davon ab, was Sie abbilden wollen.
Vermögensverwaltungen erfassen alle Anlageklassen - Aktien, ETFs, Fonds, Anleihen, Krypto, Tages- und Festgeld, teils auch P2P-Kredite und Sachwerte. Sie geben den vollständigen Überblick übers Gesamtvermögen. Dazu zählen Portfolio Performance, Rentablo und Parqet.
Portfolioverwaltungen konzentrieren sich auf Wertpapiere und deren Analyse - dafür oft mit tieferen Aktien- und ETF-Daten. Dazu zählen Folishare, Getquin und der ExtraETF Finanzmanager.
Wer also nur sein Wertpapierdepot optimieren will, ist mit einer Portfolioverwaltung gut bedient. Wer Immobilien-Cash, Sparbuch und Krypto mit einrechnen möchte, braucht eine Vermögensverwaltung.
Die wichtigsten Tools im Vergleich
Sechs Lösungen dominieren den deutschsprachigen Markt. Kosten und Schwerpunkt im Überblick (Stand 2026):
| Tool | Typ | Kosten | Schwerpunkt |
|---|---|---|---|
| Portfolio Performance | Vermögen | gratis (nur Desktop) | maximale Funktion, Datenexport, Open Source |
| Parqet | Vermögen | gratis + 87,99 €/Jahr | moderne App, automatischer Import |
| Rentablo | Vermögen | gratis + 59,88 €/Jahr | Web-Zugang, Vermögensübersicht |
| ExtraETF Finanzmanager | Wertpapiere | gratis + 70,80 €/Jahr | starke ETF-Datenbank/Analyse |
| Getquin | Wertpapiere | gratis | Social Network für Anleger |
| Folishare | Wertpapiere | gratis | einziger heimischer (Oberösterreich) |
Portfolio Performance ist das mit Abstand mächtigste Werkzeug - kostenlos, quelloffen und das einzige mit echtem Datenexport, also ohne Anbieter-Lock-in. Der Preis dafür ist ein hoher Einarbeitungsaufwand; es läuft nur am Desktop. Parqet schließt die Lücke zwischen dieser Komplexität und der Einfachheit einer Broker-App und ist die rundeste App-Lösung. Getquin ist gratis, legt den Fokus aber stark auf die Community (“LinkedIn für Anleger”). Folishare ist der einzige österreichische Anbieter, steckt aber noch in der Entwicklung.
Der Österreich-Haken: Import und KESt
Hier wird es für österreichische Anleger unbequem - und genau das verschweigen die meisten Vergleiche. Zwei Probleme.
Erstens der Import: Eine echte Plug-and-play-Lösung gibt es bei keinem Anbieter. Im Test führten die automatischen PSD2-Bankschnittstellen sogar zu gesperrten Konten, und die PDF-Importer für österreichische Broker arbeiten fehlerhaft. Von den heimischen Depotbanken wird oft nur Flatex direkt unterstützt - bei anderen ist Handarbeit oder CSV-Bastelei nötig.
Zweitens die Steuer: AT-spezifische KESt-Reporting-Funktionen sind bei allen Tools bestenfalls minimal vorhanden. Das ist deshalb relevant, weil es in Österreich zwei Welten gibt. Bei einem steuereinfachen Broker führt die Bank die Kapitalertragsteuer von 27,5 % automatisch ab - der Tracker dient nur dem Überblick. Bei einem nicht-steuereinfachen Auslandsbroker (etwa Scalable Capital, Interactive Brokers oder DEGIRO) müssen Sie die KESt dagegen selbst über die Steuererklärung abführen. Hier zahlt sich ein Tracker richtig aus: Er dokumentiert Anschaffungskosten, realisierte Gewinne, Dividenden und - bei thesaurierenden ETFs - die ausschüttungsgleichen Erträge. Welcher Broker in welche Kategorie fällt, steht im Leitfaden zum steuereinfachen Broker.
Wichtig bleibt: Der Tracker liefert die Datengrundlage, ersetzt aber keine Steuerberechnung. Die Zahlen aus der App sind ein guter Ausgangspunkt, die korrekte KESt-Ermittlung samt ausschüttungsgleicher Erträge ist im Detail aber Sache der Steuererklärung oder des Steuerberaters.
Auf welche Funktionen es ankommt
Jenseits der Optik entscheiden ein paar Kernfunktionen über den Nutzen:
- Multi-Depot-Konsolidierung: alle Broker in einer Ansicht - das eigentliche Kaufargument.
- Ehrliche Rendite-Kennzahlen: Achten Sie auf die zeitgewichtete Rendite (TTWROR) und den internen Zinsfuß (IZF). Die TTWROR misst die Qualität Ihrer Anlageentscheidungen unabhängig von Ein- und Auszahlungen und eignet sich für den Vergleich mit einem Index wie dem MSCI World. Der IZF gewichtet das Timing Ihrer Sparraten mit und zeigt Ihre tatsächliche persönliche Rendite. Gute Tools zeigen beide.
- Dividenden-Tracking mit Kalender für künftige Ausschüttungen - praktisch für alle, die auf Cashflow setzen.
- Durchschau (“X-Ray”): schlüsselt ETFs auf Einzelwerte auf und deckt versteckte Klumpenrisiken auf, etwa ein US- oder Tech-Übergewicht über mehrere ETFs hinweg.
- Datenexport: Nur wer seine Daten exportieren kann, ist nicht an einen Anbieter gebunden - hier ist Portfolio Performance konkurrenzlos.
- Gebühren- und Steuer-Transparenz: Gute Tools rechnen Ausgabeaufschläge, Order- und Depotgebühren sowie die abgeführte KESt in die Rendite ein. Genau das fehlt der Broker-App, die meist nur die Brutto-Kursentwicklung zeigt - die Lücke zwischen beidem ist oft größer als gedacht und der eigentliche Grund, warum sich die Mühe lohnt.
So gelingt der Datenimport in der Praxis
Der Import ist die größte Hürde - und der Punkt, an dem die meisten frustriert aufgeben. Drei Wege gibt es:
- Automatische Bankschnittstelle (PSD2/API): bequem, aber heikel. Im Test sperrten Banken Konten nach zu vielen Zugriffen, und nicht jeder Broker ist angebunden. Für ein dauerhaftes Setup nur mit Bedacht.
- PDF-Import der Abrechnungen: Das Tool liest Kauf-, Verkaufs- und Dividendenbelege ein. Funktioniert für österreichische Broker oft fehlerhaft, weil die Belegformate abweichen - hier ist Nachkontrolle Pflicht.
- CSV-/manueller Import: der zuverlässigste Weg. Sie exportieren die Transaktionsliste beim Broker und spielen sie ein oder tragen Käufe von Hand nach. Aufwändiger, aber fehlerarm und unabhängig von Schnittstellen.
In der Praxis fahren österreichische Anleger meist am besten, wenn sie einmalig den historischen Bestand per CSV einlesen und danach jeden neuen Kauf manuell ergänzen. Das hält die Daten sauber und vermeidet die Schnittstellen-Probleme. Wichtig ist, von Beginn an die Anschaffungskosten und das Kaufdatum korrekt zu erfassen - ohne sie ist später weder die Rendite noch die Steuer nachvollziehbar.
Beispiel: drei Depots, eine Wahrheit
Wie viel ein Tracker bringt, zeigt ein typischer Fall. Eine Anlegerin hält ein ETF-Sparplandepot bei einem deutschen Neobroker, ein Einzelaktien-Depot bei einer österreichischen Bank und etwas Krypto auf einer Börse. Jede App meldet für sich ein hübsches Plus.
Erst die Zusammenführung im Tracker zeigt die Realität:
- Gesamtrendite ehrlich: Statt drei geschönter Einzelwerte eine konsolidierte TTWROR - und der Vergleich mit dem MSCI World offenbart, ob das aktive Stock-Picking den Aufwand überhaupt wert war.
- Klumpenrisiko sichtbar: Die X-Ray-Durchschau rechnet die ETF-Bestandteile auf Einzelwerte herunter. Häufiges Ergebnis: ein US-Tech-Übergewicht von weit über der Hälfte des Vermögens, weil World-ETF, einzelne Tech-Aktien und Krypto in dieselbe Richtung laufen.
- Steuerfall erkannt: Das Depot beim Neobroker ist nicht steuereinfach - die realisierten Gewinne und die ausschüttungsgleichen Erträge des thesaurierenden ETFs muss sie selbst erklären. Der Tracker liefert die Zahlen dafür auf Knopfdruck.
Drei Apps, drei Teilwahrheiten - eine konsolidierte Sicht. Genau dafür ist das Werkzeug da.
Welches Tool für wen?
Eine ehrliche Einordnung statt einer Pauschalempfehlung:
- Daten-Nerds und Sparsame: Portfolio Performance. Gratis, alles drin, Daten gehören Ihnen - wenn Sie die Einarbeitung nicht scheuen.
- App-Nutzer mit mehreren Depots: Parqet. Komfortabler Import, moderne Oberfläche, dafür kostenpflichtig für den vollen Umfang.
- ETF-Schwerpunkt: ExtraETF Finanzmanager wegen der starken Fondsdatenbank.
- Community-affine Einsteiger: Getquin, gratis und sozial.
- Wer heimisch unterstützen will: Folishare im Blick behalten, auch wenn es noch reift.
Für die meisten österreichischen Anleger mit Auslandsbroker ist die Kombination am sinnvollsten: ein Tracker für den laufenden Überblick plus eine saubere eigene Aufzeichnung der steuerrelevanten Daten fürs Finanzamt.
Datenschutz nicht vergessen
Ein Portfolio-Tracker kennt Ihr halbes Vermögen - entsprechend heikel sind die Daten. Wer automatische Bankschnittstellen nutzt, gibt Zugriff auf Kontobewegungen frei. Hier gilt dieselbe Vorsicht wie bei jeder Banking-App: nur etablierte Anbieter, Zwei-Faktor-Anmeldung, und im Zweifel die manuelle CSV-Variante statt der dauerhaften Kontoverbindung. Der große Vorteil von Portfolio Performance ist auch hier sichtbar - die Daten liegen lokal auf dem eigenen Rechner, nicht auf fremden Servern.
Unsere Einschätzung
Ein Portfolio-Tracker ist kein Luxus, sobald man ernsthaft und über mehrere Depots investiert - er ist der einzige Weg zu einer ehrlichen Gesamtrendite. Die gute Nachricht: Mit Portfolio Performance gibt es ein kostenloses Werkzeug, das den meisten Bezahllösungen funktional überlegen ist. Die schlechte: Für österreichische Anleger ist kein Tool eine Komplettlösung - Import und KESt-Reporting bleiben überall Stückwerk.
Pragmatisch heißt das: Tracker für den Überblick und die Rendite-Kontrolle nutzen, aber die steuerlich relevanten Daten zusätzlich selbst sauber führen, vor allem bei nicht-steuereinfachen Brokern. Wer das trennt, hat den Nutzen ohne die falsche Sicherheit, die App würde schon die Steuer erledigen. Wie sich die Erträge konkret besteuern, steht im Detail bei der Dividenden-Besteuerung.
Häufig gestellte Fragen
Was kostet ein Portfolio-Tracker?
Viele bieten eine kostenlose Version. Portfolio Performance, Getquin und das österreichische Folishare sind ganz gratis. Bei Parqet (87,99 €/Jahr), ExtraETF (70,80 €/Jahr) und Rentablo (59,88 €/Jahr) schalten kostenpflichtige Abos den vollen Funktionsumfang frei (Stand 2026).
Welcher Portfolio-Tracker ist der beste für Österreich?
Für maximale Funktion und Datenhoheit Portfolio Performance (gratis, Desktop, einziges Tool mit Datenexport). Für eine moderne App mit automatischem Import Parqet. Einen vollständig auf die österreichische KESt zugeschnittenen Tracker gibt es nicht - das Steuer-Reporting bleibt überall lückenhaft.
Ersetzt ein Portfolio-Tracker die Steuererklärung?
Nein. Ein Tracker dokumentiert Anschaffungskosten, Dividenden und realisierte Gewinne und erleichtert so die Erklärung - besonders bei nicht-steuereinfachen Auslandsbrokern. Die KESt-Berechnung und -Meldung müssen Sie aber selbst oder über einen Steuerberater erledigen.
Was ist der Unterschied zwischen TTWROR und interner Zinsfuß-Rendite?
Die zeitgewichtete Rendite (TTWROR) misst die Qualität Ihrer Anlage unabhängig von Ein- und Auszahlungen und eignet sich für den Benchmark-Vergleich. Der interne Zinsfuß (IZF) gewichtet den Zeitpunkt Ihrer Zahlungen mit und zeigt Ihre tatsächliche persönliche Rendite.
Brauche ich überhaupt einen Tracker, wenn meine Broker-App das anzeigt?
Sobald Sie mehr als ein Depot haben, lohnt sich die Zusammenführung. Broker-Apps zeigen nur ihr eigenes Depot und oft eine geschönte Rendite ohne Gebühren und Steuern. Ein Tracker konsolidiert alle Depots und rechnet ehrlich.
Sind automatische Bank-Importe sicher?
Mit Vorsicht. Im Test führten PSD2-Schnittstellen zu gesperrten Konten, und PDF-Importer für österreichische Broker arbeiten fehlerhaft. Eine Plug-and-play-Lösung gibt es bei keinem Anbieter - manuelle Nachkontrolle bleibt nötig.
Chefredakteur finanzguide.at