Banking-App & Multibanking Österreich 2026: PSD2-Vergleich

Von Martin Höllinger Stand 20.06.2026 Lesezeit 10 Min Quellen geprüft

Was ist eine Multibanking-App und wie funktioniert PSD2?

Eine Multibanking-App bündelt Konten und Depots verschiedener Banken in einer Übersicht. Möglich macht das die EU-Richtlinie PSD2, in Österreich seit 1. Juni 2018 als Zahlungsdienstegesetz (ZaDiG 2018) in Kraft: Banken müssen lizenzierten Drittanbietern auf Kundenwunsch eine sichere Schnittstelle zum Konto öffnen.

Vor PSD2 lagen Ihre Finanzdaten in einzelnen Silos - das Erste-Konto in George, das Raiffeisen-Konto in Mein ELBA, die Kreditkarte in einer dritten App. Die Zahlungsdiensterichtlinie hat diese Mauern aufgebrochen. Heute können Sie einer App erlauben, alle Konten zusammenzuführen, ohne der App Ihre Bank-Passwörter zu geben. Die Freigabe passiert direkt bei der Bank, die App bekommt nur einen technischen Lesezugang.

PSD2 in Österreich: AISP, PISP und die 180-Tage-Regel

Hinter dem Multibanking stecken zwei Drittanbieter-Rollen, die das Gesetz klar trennt:

  • Kontoinformationsdienst (AISP): darf Ihre Kontodaten nur lesen - Salden, Umsätze, Kategorien. Genau das, was eine Übersichts-App braucht. Wer ausschließlich diesen Dienst anbietet, kommt mit einer Registrierung bei der FMA nach § 15 ZaDiG 2018 aus.
  • Zahlungsauslösedienst (PISP): darf zusätzlich Überweisungen anstoßen. Das verlangt eine strengere Zulassung und bei jedem Auftrag eine gesonderte Bestätigung durch Sie.

Jeder Zugriff ist durch die starke Kundenauthentifizierung (SCA) geschützt, deren technischer Standard seit 14. September 2019 gilt. Sie bestätigen die Verbindung mit zwei Faktoren, etwa der Banking-App plus Fingerabdruck. Und es gibt eine eingebaute Verfallszeit: Für reine Kontoinformationsdienste müssen Sie Ihre Zustimmung laut Sparkasse-Open-Banking spätestens alle 180 Kalendertage erneuern. Läuft die Frist ab, verliert die App den Zugriff, bis Sie neu freigeben.

Dieselbe Sicherheitslogik kennen Sie aus dem normalen Online-Banking - Multibanking setzt nur eine weitere Partei dazwischen, der Sie bewusst eine begrenzte Erlaubnis erteilen.

Die wichtigsten Banking-Apps für Österreich 2026

Finanzguru ist der bekannteste reine Multibanking-Anbieter im deutschsprachigen Raum. Seit 2024 unterstützt die App auch österreichische Girokonten und Depots - darunter Bank99, Bank Austria, Bawag/Easybank, BKS, BTV, Oberbank, Erste/Sparkasse, Wüstenrot, Hypo, Raiffeisen und Volksbanken. Die App kategorisiert Umsätze automatisch, erkennt Verträge und Abos und warnt vor Lastschriften. Die Basisversion ist gratis, Finanzguru Plus kostet 2,99 € im Monat oder 35,88 € im Jahr und schaltet unbegrenzte Historie, Prognosen und Datenexport frei.

Outbank verfolgt den entgegengesetzten Datenschutz-Ansatz: Die App speichert Ihre Bankdaten lokal auf dem Gerät statt in einer Cloud und bietet eine Desktop-Version. Das ist für Datenschutz-bewusste Nutzer das stärkste Argument, kostet aber Komfort beim Gerätewechsel, weil die Daten nicht zentral synchronisiert liegen.

George (Erste Bank/Sparkasse) und Mein ELBA (Raiffeisen) sind eigentlich Bank-Apps, haben aber Multibanking-Funktionen integriert. Für bestehende Kunden ist das oft die naheliegendste Lösung: Fremdbank-Konten lassen sich einbinden, ohne eine zusätzliche App zu installieren. Der Funktionsumfang bleibt hinter den Spezialisten zurück, dafür liegen die Daten bei der eigenen, regulierten Hausbank.

Neobanken wie N26, Revolut oder bunq bringen Echtzeit-Benachrichtigungen, automatische Kategorisierung und Budgets von Haus aus mit - allerdings primär für das eigene Konto. Als Vollersatz fürs Multibanking taugen sie nur bedingt, weil ihr Fokus auf dem eigenen Produkt liegt.

Vergleich: Wo Ihre Daten liegen

Der Punkt, an dem sich die Apps wirklich unterscheiden, ist nicht die Optik, sondern wo Ihre Finanzdaten gespeichert werden und was das kostet. Genau diesen Vergleich finden Sie auf den meisten Übersichtsseiten nicht:

AppDatenhaltungKosten 2026AT-Banken
FinanzguruCloud (Server in der EU)gratis / Plus 2,99 €/Monatviele, seit 2024
Outbanklokal am GerätAbo-Modellviele
George (Erste)Bank-Server (Erste Group)gratis für KundenFremdbanken einbindbar
Mein ELBA (Raiffeisen)Bank-Server (Raiffeisen)gratis für KundenLight-Multibanking
N26 / RevolutCloud (Anbieter-Server)Free bis Premium-Abov.a. eigenes Konto

Stand Juni 2026. Datenhaltung nach Anbieterangaben; Funktionsumfang ändert sich laufend.

Die Tabelle macht die Grundsatzentscheidung sichtbar: Cloud-Apps wie Finanzguru sind bequem und geräteübergreifend synchron, geben aber Daten an einen externen Server. Lokale Apps wie Outbank halten alles am Gerät, verlangen dafür mehr Eigenverantwortung beim Backup. Bank-eigene Lösungen sind der Mittelweg - Daten bei der Hausbank, dafür weniger Komfortfunktionen.

Ein zweiter, oft übersehener Unterschied ist das Gerät: Finanzguru ist app-only und damit auf Smartphone und Tablet beschränkt, Outbank bietet zusätzlich eine vollwertige Desktop-Version, und George von der Erste läuft ohnehin auch im Browser. Wer seine Finanzen lieber am großen Bildschirm sortiert oder längere Auswertungen für die Steuer zusammenstellt, sollte die Desktop-Frage vor der App-Wahl klären - nachträglich wechseln bedeutet, alle Verbindungen neu freizugeben.

Sicherheit: Worauf Sie bei Drittanbieter-Zugriff achten

Eine seriöse Multibanking-App fragt nie nach Ihrem vollständigen Banking-Passwort außerhalb der Bank-Oberfläche. Die Freigabe läuft immer über die echte Bank-Seite oder -App. Wird Ihnen ein Login-Formular im Look der App selbst untergeschoben, ist das ein Warnsignal - prüfen Sie das gegen die Grundregeln zur Online-Banking-Sicherheit.

Achten Sie vor dem Verbinden auf drei Dinge: eine nachvollziehbare FMA-Registrierung oder EU-Konzession des Anbieters, einen Serverstandort in der EU samt klarer Datenschutzerklärung, und die Möglichkeit, jede Konto-Freigabe einzeln und sofort zu widerrufen. Wer ein zusätzliches Girokonto eröffnet oder per Kontowechsel die Bank tauscht, sollte die alten App-Freigaben aktiv löschen, statt sie auslaufen zu lassen.

Ein praktischer Nebeneffekt der Übersicht: Wer alle Konten zusammenführt, erkennt schneller versteckte Bankomat- und Kontogebühren und doppelte Abos. Die gesetzliche Einlagensicherung bleibt davon unberührt - sie hängt an der Bank, nicht an der App. Und wer die App auch fürs Geschäftskonto nutzt, sollte die Trennung zum privaten Geschäftskonto sauber halten, schon wegen der Belegzuordnung.

So verbinden Sie ein Fremdkonto - und warum es manchmal hakt

Der Ablauf ist bei allen PSD2-Apps gleich:

  1. Bank auswählen in der App aus der Liste der unterstützten Institute.
  2. Weiterleitung zur Bank. Die App schickt Sie auf die echte Login-Seite Ihrer Bank - hier, und nur hier, geben Sie Ihre Zugangsdaten ein.
  3. Freigabe bestätigen mit starker Kundenauthentifizierung, etwa per Banking-App und Fingerabdruck.
  4. Konten auswählen, die geteilt werden sollen. Sie müssen nicht alle freigeben.
  5. Rückkehr zur App, die nun Salden und Umsätze einliest.

In der Praxis klappt das nicht immer reibungslos. Die häufigsten Stolpersteine: Die Erstverbindung lädt den Umsatzverlauf oft nur für die letzten 90 Tage, ältere Buchungen fehlen anfangs. Manche Bank-Schnittstellen sind zu Stoßzeiten langsam oder werfen einen Verbindungsfehler, der sich meist durch einen erneuten Versuch löst. Und spätestens nach 180 Tagen verlangt jede Verbindung eine neue Freigabe - wenn Salden plötzlich auf null springen oder als veraltet markiert sind, ist fast immer diese abgelaufene Zustimmung der Grund, kein technischer Defekt.

Wichtig zu wissen: Die App ist auf die Qualität der Bank-Schnittstelle angewiesen. Funktioniert eine Verbindung schlecht, liegt das oft an der Bank, nicht an der App. Genau deshalb gehört die Stabilität der Anbindung zu den Dingen, die Übersichtsseiten gern verschweigen - sie schwankt von Institut zu Institut.

Rechnet sich die Plus-Version?

Bei Finanzguru kostet Plus 2,99 € im Monat, also 35,88 € im Jahr. Das ist überschaubar, aber kein Pflichtkauf. Der Mehrwert sind unbegrenzte Historie, Prognosen und der Datenexport. Für die reine Frage “Wie viel liegt auf welchem Konto?” reicht die Gratis-Version vollständig.

Sinnvoll wird das Abo erst, wenn Sie die Auswertung aktiv nutzen: Budgets über mehrere Monate verfolgen, wiederkehrende Abos aufspüren und kündigen, oder die Umsätze für die Steuer exportieren. Wer mit Plus auch nur ein vergessenes 9,99-€-Abo pro Monat findet und kündigt, hat die Jahresgebühr mehr als wieder drin. Bleibt die App dagegen ein hübsches Dashboard, das Sie selten öffnen, ist schon die Gratis-Version zu viel des Guten.

Welche App für wen?

Unsere Einschätzung:

Mehrere Banken, Wunsch nach Komfort: Finanzguru. Die automatische Kategorisierung und Vertragserkennung spart echte Zeit, die Gratis-Version reicht für die reine Übersicht. Plus lohnt nur, wenn Sie aktiv budgetieren oder Daten exportieren.

Datenschutz an erster Stelle: Outbank. Lokale Speicherung ist das stärkste Argument für alle, die ihre Finanzhistorie nicht auf fremden Servern wissen wollen.

Schon zufriedener Erste- oder Raiffeisen-Kunde: George oder Mein ELBA mit Multibanking-Funktion. Kein Grund für eine zweite App, wenn die Hausbank das Nötige bereits integriert.

Nur ein Konto: gar keine Multibanking-App. Die Bank-App allein genügt, jede weitere Freigabe wäre unnötiges Risiko.

Multibanking ist ein Organisations-Werkzeug, kein Sparprodukt. Es macht Ihre Finanzen sichtbar - was Sie aus dieser Sichtbarkeit machen, etwa Abos kündigen oder einen Sparplan starten, bleibt Ihre Aufgabe. Wer seine Steuerseite ähnlich digital ordnen will, findet im Vergleich der Steuersoftware das passende Gegenstück.


Quellen (3)

Häufig gestellte Fragen

Was ist eine Multibanking-App?

Eine App, die Konten, Kreditkarten und teils Depots mehrerer Banken in einer Übersicht bündelt. Sie zeigt Salden und Umsätze aller verbundenen Institute auf einen Blick und kategorisiert Ausgaben automatisch. Technische Grundlage ist die PSD2-Schnittstelle der Banken.

Ist Multibanking über PSD2 sicher?

Der Zugriff läuft über die gesetzlich vorgeschriebene Bank-Schnittstelle mit starker Kundenauthentifizierung. Drittanbieter brauchen eine FMA-Registrierung oder Konzession. Ihre Bank-Zugangsdaten gibt eine seriöse App nie weiter - die Freigabe erfolgt direkt bei der Bank und ist jederzeit widerrufbar.

Was kostet Finanzguru in Österreich?

Die Basisversion ist gratis und reicht für die reine Konten-Übersicht. Finanzguru Plus kostet 2,99 € pro Monat (35,88 € im Jahr) und bringt unbegrenzte Verlaufshistorie, Finanzprognosen und CSV-/Excel-Export. Österreichische Girokonten und Depots werden seit 2024 unterstützt.

Wie oft muss ich den App-Zugriff auf mein Konto erneuern?

Für reine Kontoinformationsdienste schreibt PSD2 vor, dass Sie Ihre Zustimmung spätestens alle 180 Tage erneut bestätigen. Das ist kein Fehler, sondern eine eingebaute Sicherheitsbremse - so kann kein Anbieter unbegrenzt mitlesen.

Brauche ich Multibanking, wenn ich nur ein Konto habe?

Kaum. Mit einem einzigen Girokonto reicht die App Ihrer Bank. Multibanking lohnt erst, wenn Sie Konten, Sparprodukte oder Depots bei mehreren Instituten parallel führen und eine gemeinsame Auswertung wollen.

Sieht ein Drittanbieter wirklich alle meine Daten?

Nur die Konten, die Sie ausdrücklich freigeben, und nur lesend, solange es ein reiner Informationsdienst ist. Überweisungen auslösen darf eine App nur als zugelassener Zahlungsauslösedienst und nur mit gesonderter Bestätigung pro Auftrag.

MH
Martin Höllinger

Chefredakteur finanzguide.at