Stromanbieter wechseln 2026: Anleitung, Fristen, Spartipps
So wechseln Sie 2026 den Stromanbieter
Der Wechsel läuft in drei Schritten: Erstens Tarife im Tarifkalkulator der E-Control vergleichen, zweitens beim günstigsten Anbieter online anmelden, drittens warten. Den alten Vertrag kündigt der neue Lieferant für Sie. Sie brauchen nur Ihre Zählpunktnummer und den Jahresverbrauch. Der Wechsel ist kostenlos und die Versorgung läuft ohne Unterbrechung weiter.
Mehr ist es nicht. Genau dieser Punkt hält viele Haushalte ab: Sie vermuten Papierkram, Kündigungsfristen und das Risiko eines Stromausfalls. Nichts davon stimmt. Der einzige Aufwand sind etwa zehn Minuten am Computer, einmal im Jahr.
Die Zählpunktnummer ist der Schlüssel
Die 33-stellige Zählpunktnummer beginnt mit “AT” und steht auf jeder Stromrechnung, meist auf der ersten Seite. Sie identifiziert Ihren Zähler eindeutig und bleibt gleich, egal wie oft Sie den Lieferanten wechseln. Ohne diese Nummer kann der neue Anbieter den Wechsel nicht einleiten, also halten Sie die letzte Jahresabrechnung bereit.
Den zweiten Wert, den Sie brauchen, finden Sie ebenfalls dort: den Jahresverbrauch in Kilowattstunden. Wer keine Abrechnung zur Hand hat, kann mit Richtwerten arbeiten. Ein Single-Haushalt verbraucht ohne elektrische Warmwasseraufbereitung rund 1.300 bis 1.500 kWh pro Jahr, ein Drei-Personen-Haushalt etwa 2.500 bis 2.900 kWh. Wer mit Strom heizt oder warmes Wasser bereitet, liegt deutlich darüber.
Wie viel bringt der Wechsel wirklich?
Die E-Control nennt für durchschnittliche Haushalte ein Sparpotenzial von bis zu 380 Euro pro Jahr. Diese Zahl gilt für Menschen, die noch nie gewechselt haben und in einem teuren, jahrelang unveränderten Standardtarif feststecken. Wer schon einmal gewechselt hat, holt realistischer 80 bis 200 Euro heraus, abhängig vom Bundesland und vom alten Tarif.
Die regionalen Unterschiede sind groß. energie.gv.at bezifferte das durchschnittliche Strom-Sparpotenzial Ende 2025 etwa für Wien mit 122,90 Euro und für Oberösterreich mit 206,67 Euro pro Jahr. Der Grund: In manchen Landeshauptstädten ist die Grundversorgung näher am Marktpreis, in anderen liegt sie weit darüber.
Wichtig ist die Erwartungshaltung. Der Wechsel ist kein einmaliger Jackpot, sondern ein wiederkehrender kleiner Hebel. Wer jedes Jahr den Bonus mitnimmt und zum günstigsten verfügbaren Tarif springt, sammelt über zehn Jahre schnell vier-stellige Beträge ein. In Zeiten anhaltender Teuerung ist das einer der wenigen Posten im Haushaltsbudget, den man ohne Komfortverlust senken kann. Wie stark die Inflation die Energiepreise treibt, zeigt sich genau hier. Anders als beim ausgelaufenen Klimabonus, der 2026 nicht mehr ausbezahlt wird, ist der Wechsel eine Entlastung, die Sie selbst in der Hand haben.
Rechenbeispiel: Wo der Wechsel tatsächlich spart
Eine durchschnittliche österreichische Stromrechnung kostet 2026 rund 21 bis 25 Cent pro Kilowattstunde, das sind etwa 900 Euro im Jahr bei 3.500 kWh Verbrauch. Diese Rechnung besteht aus drei Blöcken, von denen Sie aber nur einen einzigen beeinflussen können:
| Block | Anteil | ca. Euro bei 3.500 kWh | Durch Wechsel beeinflussbar? |
|---|---|---|---|
| Energiepreis (Lieferant) | ~40 % | ~360 € | Ja - nur dieser Block |
| Netzentgelt (Netzbetreiber) | ~30 % | ~270 € | Nein - fix pro Region |
| Steuern und Abgaben | ~30 % | ~270 € | Nein - gesetzlich |
Wechseln können Sie also ausschließlich den Energiepreis-Block. Das Netzentgelt ist an Ihre Wohnadresse gekoppelt und steht fest, egal welchen Lieferanten Sie wählen. Steuern und Abgaben sind für alle gleich. Wer Ihnen einen Tarif verkauft, der “auch beim Netz spart”, erzählt Unsinn.
Innerhalb des Energieblocks lohnt sich der Vergleich umso mehr. Ein konkretes Beispiel:
| Posten | Alter Standardtarif | Neuer günstiger Tarif |
|---|---|---|
| Arbeitspreis (netto) | 12,0 ct/kWh | 8,0 ct/kWh |
| Energiekosten 3.500 kWh netto | 420 € | 280 € |
| + 20 % USt | 504 € | 336 € |
| Wechselbonus erstes Jahr | - | -50 € |
| Energiekosten Jahr 1 | 504 € | 286 € |
In diesem Beispiel sparen Sie im ersten Jahr 218 Euro, allein durch den günstigeren Arbeitspreis plus Bonus. Die Werte sind illustrativ und hängen vom konkreten Angebot ab, aber die Größenordnung deckt sich mit den E-Control-Daten. Wer noch nie verglichen hat, findet meist genau solche Differenzen.
Fristen, Kündigung und Widerrufsrecht
Drei rechtliche Eckpunkte sollten Sie kennen, bevor Sie anmelden.
Die Drei-Wochen-Regel. Nach dem Elektrizitätswirtschafts- und -organisationsgesetz (ElWOG) muss ein Lieferantenwechsel innerhalb von drei Wochen ab Anmeldung beim neuen Lieferanten abgewickelt sein. Sie müssen also nicht monatelang auf den Wechsel warten. Liegt eine Bindungsfrist im alten Vertrag, kann sich der Start entsprechend nach hinten verschieben.
Das 14-tägige Widerrufsrecht. Schließen Sie den neuen Vertrag online oder telefonisch ab, gilt das gesetzliche Rücktrittsrecht von 14 Tagen ohne Angabe von Gründen. Sie können einen voreiligen Abschluss also problemlos zurücknehmen. Mehr zu Ihren Rechten als Verbraucher steht im Ratgeber Konsumentenschutz.
Das Sonderkündigungsrecht bei Preiserhöhung. Erhöht Ihr aktueller Anbieter den Preis, dürfen Sie außerordentlich kündigen, auch mitten in einer Bindungsfrist. Den Brief mit der Preiserhöhung sollten Sie deshalb nicht ignorieren: Er ist Ihr Anlass, sofort zu vergleichen, statt die Erhöhung stillschweigend zu akzeptieren.
Bei einer normalen Kündigung ohne besonderen Anlass gilt: Floater-Tarife ohne Bindung sind meist monatlich kündbar, Tarife mit Preisgarantie haben oft zwölf Monate Bindung. Den genauen Kündigungstermin nimmt Ihnen ohnehin der neue Lieferant ab, der die Kündigung fristgerecht für Sie einbringt.
Warum die Rechnung trotz Wechsel steigen kann
Ein wichtiger Punkt, den viele übersehen: Sie können den Energiepreis senken und trotzdem mehr zahlen als im Vorjahr. Schuld ist das Netzentgelt, das jährlich von der E-Control je Netzgebiet neu festgelegt wird und auf das kein Lieferant Einfluss hat.
2026 entwickeln sich die Netzentgelte regional sehr unterschiedlich. Die Spanne reicht laut E-Control von rund minus 9 Prozent in Salzburg bis plus 16 Prozent im Burgenland. In einem Land, in dem das Netz teurer wird, kann eine Erhöhung im Netzblock die Ersparnis beim Energiepreis teilweise auffressen. Das ist kein Argument gegen den Wechsel, im Gegenteil: Gerade wenn ein fixer Kostenblock steigt, ist es umso wichtiger, den einzigen beeinflussbaren Block so niedrig wie möglich zu halten.
Praktisch heißt das: Lassen Sie sich von einer gestiegenen Gesamtrechnung nicht entmutigen. Vergleichen Sie gezielt den Energiepreis-Anteil mit dem Vorjahr und mit dem aktuell besten Angebot. Nur diese Differenz zeigt, ob sich ein Wechsel rechnet. Die Netzkosten zahlen Sie ohnehin, egal bei wem Sie Kunde sind. Wer in einem teuren Netzgebiet wohnt, profitiert besonders davon, wenigstens beim Lieferanten den günstigsten Tarif zu fahren.
Worauf Sie beim Tarifvergleich achten müssen
Der wichtigste Rat der Arbeiterkammer und des VKI lautet: Vergleichen Sie nie nur den Arbeitspreis. Ein Tarif besteht immer aus zwei Komponenten, dem Grundpreis (eine fixe monatliche oder jährliche Pauschale) und dem Arbeitspreis (Cent pro verbrauchter Kilowattstunde). Ein niedriger Arbeitspreis mit hohem Grundpreis kann bei geringem Verbrauch teurer sein als das Gegenteil.
Achten Sie außerdem auf diese Fallstricke:
- Brutto oder netto. Manche Anbieter werben mit Netto-Preisen, auf der Rechnung stehen dann 20 Prozent mehr. Im Tarifkalkulator der E-Control vergleichen Sie immer den Jahres-Gesamtbetrag inklusive Steuern, das ist die einzige ehrliche Zahl.
- Der Bonus läuft aus. Neukundenrabatte gelten fast immer nur im ersten Jahr. Ab dem zweiten Jahr zahlen Sie den regulären Preis. Genau deshalb lohnt der jährliche Wechsel.
- Preisgarantie versus Floater. Ein Fixpreis mit Preisgarantie schützt vor Erhöhungen, ist aber meist etwas teurer und an eine Bindung gekoppelt. Ein Floater folgt dem Marktpreis nach unten und oben, ohne Bindung. Was besser passt, hängt von Ihrer Risikobereitschaft ab.
- Index- und Spot-Tarife. Dynamische Tarife koppeln den Preis an die Strombörse und lohnen vor allem mit Smart Meter und flexiblem Verbrauch. Für den durchschnittlichen Haushalt ohne Wärmepumpe oder E-Auto sind sie selten der einfachste Weg.
Der E-Control-Rechner ist der einzige Vergleich ohne Provisionsinteresse und sollte immer der Ausgangspunkt sein. Kommerzielle Portale wie Durchblicker oder Checkeverything zeigen teils mehr Angebote, finanzieren sich aber über Vermittlungsprovisionen und blenden provisionsfreie Anbieter mitunter aus. Wie sich der Strompreis im Detail zusammensetzt und welche Posten 2026 gesunken oder gestiegen sind, lesen Sie im Beitrag zur Strompreis-Zusammensetzung.
Häufige Fehler beim Wechsel
Der teuerste Fehler ist Nichtstun. Wer einmal wechselt und dann jahrelang im automatisch verlängerten Tarif bleibt, zahlt nach dem Auslaufen des Bonus oft mehr als nötig. Setzen Sie sich eine jährliche Erinnerung, am besten kurz vor dem Ablauf der Bindung.
Ein zweiter Fehler: den alten Vertrag selbst kündigen. Das ist nicht nötig und kann sogar schiefgehen, wenn die Kündigung nicht mit dem Wechseltermin zusammenpasst. Überlassen Sie das dem neuen Lieferanten.
Drittens wird oft auf den Anbieter-Standort geachtet. Steuereinfachheit spielt beim Strom keine Rolle wie beim Sparkonto, dafür aber die Servicequalität und die Seriosität. Prüfen Sie, ob ein Anbieter eine Kaution verlangt oder Vorauszahlung fordert, das sind Warnsignale. Wer seine Energiekosten gesamt im Blick behalten will, sollte parallel den Gaspreis-Vergleich durchgehen und prüfen, ob ein landesweiter Heizkostenzuschuss infrage kommt.
Schließlich der Klassiker: Man richtet alle Fixkosten über ein träges Konto ein und überprüft jahrelang nichts. Ein gut geführtes Girokonto mit Übersicht über die Lastschriften hilft, teure Daueraufträge rechtzeitig zu erkennen. Der gesparte Hunderter pro Jahr ist real, anders als bei vielen Spartipps, die nur Mühe machen. Wer ihn klug parkt, etwa auf einem Tagesgeldkonto mit guten Sparzinsen, macht aus dem Wechsel-Gewinn sogar einen kleinen Zinsertrag.
Häufig gestellte Fragen
Wie lange dauert ein Stromanbieterwechsel in Österreich?
Der Wechsel muss laut ElWOG innerhalb von drei Wochen ab Anmeldung beim neuen Lieferanten abgewickelt werden. In der Praxis dauert es meist zwei bis drei Wochen, in seltenen Fällen bis zum nächsten möglichen Stichtag. Die Stromversorgung läuft die ganze Zeit ununterbrochen weiter.
Was kostet der Wechsel des Stromanbieters?
Der Wechsel selbst ist kostenlos. Es gibt keine Wechselgebühr, der Zähler bleibt unverändert beim Netzbetreiber. Nur wenn Ihr alter Vertrag eine echte Bindungsfrist hat und Sie vorzeitig aussteigen, kann der alte Anbieter eine Restlaufzeit verrechnen.
Welche Daten brauche ich für den Stromwechsel?
Sie brauchen Ihre Zählpunktnummer (33-stellig, beginnt mit AT, steht auf der Stromrechnung), Ihren Jahresverbrauch in kWh und Ihre persönlichen Daten. Den alten Vertrag kündigt der neue Lieferant für Sie.
Wie viel kann ich durch den Wechsel sparen?
Laut E-Control sind für durchschnittliche Haushalte bis zu 380 Euro pro Jahr drin. Wer seit Jahren in der Grundversorgung hängt, spart am meisten. Wer schon einmal gewechselt hat, holt meist 80 bis 200 Euro heraus.
Kann ich auch mit einem laufenden Vertrag wechseln?
Ja, sobald die Bindungsfrist abgelaufen ist oder gar keine vereinbart war. Bei einer Preiserhöhung haben Sie ein Sonderkündigungsrecht und können auch während der Bindung aussteigen. Floater-Tarife ohne Bindung sind meist monatlich kündbar.
Ist die Stromversorgung während des Wechsels sicher?
Ja. Strom kommt physisch immer über denselben Netzbetreiber. Selbst wenn ein Lieferant ausfällt, springt automatisch die Grundversorgung ein. Ein Wechsel kann technisch nie zu einem Stromausfall führen.
Chefredakteur finanzguide.at