Auslandssemester finanzieren 2026: Erasmus+ & Beihilfe

Von Martin Höllinger Stand 20.06.2026 Lesezeit 12 Min Quellen geprüft

Wie finanziere ich ein Auslandssemester in Österreich?

Ein Auslandssemester finanziert sich in Österreich fast nie aus einer einzigen Quelle, sondern aus mehreren, die sich addieren: dem Erasmus+ Mobilitätszuschuss (rund 520 € oder 470 € im Monat), der Auslandsbeihilfe für Studienbeihilfen-Bezieher (450 € oder 250 € seit 1.3.2026) sowie der weiterlaufenden Familien- und Studienbeihilfe. Wer alle Töpfe nutzt, deckt einen großen Teil der Kosten.

Genau dieses Zusammenspiel verschweigen die meisten Ratgeber. Sie nennen einzelne Beträge, aber selten die Summe, die am Ende auf dem Konto landet. Und viele rechnen noch mit den alten Auslandsbeihilfe-Sätzen, die seit 1. März 2026 nicht mehr gelten.

Erasmus+: die monatlichen Sätze 2026

Erasmus+ ist der Kern fast jedes Auslandssemesters innerhalb Europas. Der Zuschuss steht allen ordentlichen Studierenden offen, unabhängig vom Einkommen, und zusätzlich entfallen die Studiengebühren an der Gasthochschule. Die Höhe richtet sich nach den Lebenshaltungskosten des Ziellandes, eingeteilt in drei Ländergruppen.

LändergruppeBeispielländerErasmus+ pro Monat 2026
Gruppe 1 (teuer)Deutschland, Frankreich, Italien, Skandinavien, Niederlanderund 520 €
Gruppe 2 (mittel)Spanien, Portugal, Tschechien, Griechenland, Zypernrund 470 €
Gruppe 3 (günstiger)Polen, Ungarn, Rumänien, Kroatien, Türkeirund 470 €

Sätze der Universität Wien für 2026/27, innerhalb der OeAD-Vorgaben. Andere Hochschulen können geringfügig abweichen.

Dazu kommen zwei Aufschläge, die viele übersehen. Studierende mit geringeren Chancen, also etwa mit Behinderung, chronischer Krankheit oder eigenen Kindern, erhalten 250 € im Monat zusätzlich. Und für die Anreise gibt es einen einmaligen Reisekostenzuschuss nach Distanz, der höher ausfällt, wenn mindestens die halbe Strecke umweltfreundlich mit Bahn, Bus oder Fahrgemeinschaft zurückgelegt wird (Green Travel). Je nach Entfernung reicht dieser Reisezuschuss von wenigen Dutzend bis über tausend Euro.

Ein Auslandssemester über Erasmus+ dauert mindestens zwei Monate, pro Studienzyklus sind bis zu zwölf Monate förderbar. Wer also im Bachelor schon ein Semester im Ausland war, kann im Master erneut Erasmus nutzen.

Auslandsbeihilfe: neue Sätze seit 1. März 2026

Hier liegt der größte Aktualitätsvorsprung gegenüber der Konkurrenz. Wer in Österreich Studienbeihilfe bezieht, bekommt für ein Auslandsstudium zusätzlich die Beihilfe für Auslandsstudien. Zum 1. März 2026 wurde diese per neuer Verordnung umgestellt. Viele Online-Ratgeber nennen noch die alten Beträge zwischen 146 € und 582 €. Diese Werte sind überholt.

LändergruppeAuslandsbeihilfe pro Monat ab 1.3.2026
Gruppe 1 (z. B. Deutschland, Frankreich, Italien, Schweiz)450 €
Gruppe 2 (z. B. Spanien, Polen, Tschechien, Ungarn)250 €
Staaten außerhalb der EU450 €
Aufschlag für Grundbetrags-Bezieher+ 180 €

Stand: gültig für Auslandsstudien ab 1.3.2026. Quelle: Studienbeihilfenbehörde.

Die Bedingungen sind überschaubar: Bezug frühestens ab dem dritten Semester, Mindestdauer ein Monat, höchstens 20 Monate insgesamt, und pro Monat müssen mindestens 3 ECTS nachgewiesen werden. Der Antrag ist spätestens drei Monate nach Beginn des Auslandsstudiums bei der Studienbeihilfenbehörde zu stellen. Bezieher der Auslandsbeihilfe erhalten obendrein einen eigenen Reisekostenzuschuss, der seit 1.3.2026 zwischen 56 € (kurze Distanz) und 1.735 € (über 8.000 km) liegt.

Wichtig: Diese Beihilfe bekommt nur, wer ohnehin Studienbeihilfe bezieht. Wer keine bezieht, dem bleibt Erasmus+ als Hauptquelle. Wer knapp an der Beihilfe vorbeischrammt, sollte vorher das Selbsterhalterstipendium prüfen, das das Elterneinkommen außen vor lässt.

Was Sie aus Österreich mitnehmen

Ein verbreiteter Irrtum: Viele fürchten, dass die laufenden Leistungen während des Auslandssemesters wegfallen. Das Gegenteil ist der Fall. Solange das Auslandssemester Teil des Studiums ist und das Studium fortgesetzt wird, laufen sowohl die Familienbeihilfe als auch die Studienbeihilfe weiter. Man muss sie nicht neu beantragen, sie kommen weiter aufs Konto.

Das macht die Rechnung erst interessant. Zur Erasmus-Förderung und zur Auslandsbeihilfe addiert sich die Familienbeihilfe, die für Studierende ab 19 Jahren bei 200,40 € im Monat liegt (Stand 2026), plus der Kinderabsetzbetrag. Details zur Höhe und zu den Zuverdienstgrenzen stehen im Artikel zur Familienbeihilfe. Wer parallel weiter einen Nebenjob in Österreich hat, sollte die Zuverdienstgrenze der Studienbeihilfe von 17.677 € im Blick behalten.

Rechenbeispiel: ein Erasmus-Semester in Spanien

Theorie hilft wenig, wenn die konkrete Summe fehlt. Deshalb hier eine vollständige Rechnung, wie sie kein anderer Ratgeber zeigt: eine Studentin, 21 Jahre, Bezieherin der Studienbeihilfe, geht für fünf Monate nach Valencia (Spanien, Ländergruppe 2).

Quellepro Monatfür 5 Monate
Erasmus+ Mobilitätszuschuss470 €2.350 €
Auslandsbeihilfe (Gruppe 2)250 €1.250 €
Familienbeihilfe (ab 19 J.)200,40 €1.002 €
laufende Studienbeihilfe (Beispiel)300 €1.500 €
Summe Förderung1.220,40 €6.102 €
Reisekostenzuschüsse (einmalig, geschätzt)+ rund 300 €
gesamt verfügbarrund 6.400 €

Beispielwerte, Stand 2026. Tatsächliche Beträge je nach individueller Studienbeihilfe und Hochschule.

Stehen dem geschätzte Lebenshaltungskosten von rund 1.000 € im Monat in Valencia gegenüber, also 5.000 € für das Semester, bleibt sogar ein kleiner Puffer. Das ist der Punkt, den die isolierte Betrachtung einzelner Förderungen verschleiert: In günstigeren Ländern kann ein Auslandssemester für Beihilfenbezieher nahezu kostendeckend sein. In teuren Ländern wie Norwegen oder den Niederlanden bleibt dagegen eine spürbare Lücke, die aus Erspartem oder einem Nebenverdienst gedeckt werden muss.

Wenn Erasmus nicht reicht: weitere Wege

Nicht jedes Wunschziel liegt in Europa, und nicht jede Lücke schließt sich durch Beihilfen. Für diese Fälle gibt es weitere Optionen:

  • Mobilitätsstipendium für ein Vollstudium: Wer das gesamte Studium im EWR, in der Schweiz oder in Großbritannien absolviert, kann ein Mobilitätsstipendium beantragen. Es wird ähnlich der Inlandsbeihilfe berechnet, mit einer Bemessungsbasis von 9.024 € für auswärtig Studierende; im ersten Jahr sind mindestens 15 ECTS nachzuweisen.
  • Joint-Study- und Übersee-Programme: Für Ziele außerhalb Europas vergeben Hochschulen und der OeAD eigene Stipendien. Hier lohnt der frühe Gang ins International Office.
  • Eigenes Erspartes: Ein Auslandssemester plant man Monate im Voraus. Wer rechtzeitig auf ein Tagesgeldkonto anspart, hat den Puffer parat, ohne teure Überziehung.
  • Studienkredit als letzte Stufe: Reicht alles nicht, bleibt ein zinsgünstiger Studienkredit. Er ist rückzahlungspflichtig und sollte die letzte, nicht die erste Wahl sein.

Ein gutes Notenbild im Vorfeld zahlt sich übrigens doppelt aus: Wer im Jahr vor dem Auslandsaufenthalt stark abschneidet, kann zusätzlich das Leistungsstipendium mitnehmen, das steuerfrei ist und nichts kürzt.

So laufen Bewerbung und Auszahlung ab

Die Finanzierung steht und fällt mit dem Zeitplan, und der beginnt früher als gedacht. Für ein Auslandssemester bewirbt man sich in der Regel rund ein Jahr im Voraus über das International Office der eigenen Hochschule. Die Erasmus-Nominierung läuft meist im Winter für das folgende Studienjahr. Wer die internen Fristen verpasst, verschiebt das Auslandssemester um ein ganzes Jahr.

Vor der Abreise wird ein Learning Agreement unterschrieben, das die im Ausland geplanten Lehrveranstaltungen und deren ECTS festhält. Dieses Dokument ist nicht bloß Formalität: Nur anerkannte Kurse zählen für den Studienfortschritt. Werden die Credits zu Hause nicht angerechnet, verlängert sich das Studium faktisch, und genau das kann die Förderfähigkeit für spätere Beihilfen kosten. Die Anerkennung vorab schriftlich zu klären ist daher die wichtigste finanzielle Absicherung des ganzen Vorhabens.

Die Auszahlung erfolgt bei Erasmus+ üblicherweise in zwei Teilen: ein Großteil vor oder zu Beginn des Aufenthalts, der Rest nach Rückkehr und Abgabe des Erfahrungsberichts. Plant man also knapp, sollte man den ersten Monat im Ausland aus eigener Tasche überbrücken können, bis die erste Rate eingetroffen ist. Die Auslandsbeihilfe wiederum wird erst nach dem fristgerechten Antrag bei der Studienbeihilfenbehörde angewiesen, weshalb sich der Antrag binnen der ersten Wochen lohnt, nicht erst kurz vor Ablauf der Drei-Monats-Frist.

Praktische Geldfragen vor der Abreise

Die Förderung ist das eine, der reibungslose Zugriff auf das Geld vor Ort das andere. Drei Dinge sollten vor der Abreise geklärt sein. Erstens das Konto: Ein Girokonto mit kostenlosen Auslandsabhebungen oder eine gebührenarme Karte erspart bei jedem Geldautomaten Gebühren. Wie sich Kartenzahlung und Bargeld im Ausland unterscheiden, steht im Überblick zum Bezahlen im Ausland; bei Zielen außerhalb der Eurozone lohnt ein Blick auf die günstige Geldwechsel-Strategie.

Zweitens das Handy: Innerhalb der EU gilt EU-Roaming zum Inlandstarif, außerhalb braucht es oft eine lokale SIM oder eine eSIM. Drittens die Absicherung: Die Europäische Krankenversicherungskarte deckt in der EU die Grundversorgung, für Aufenthalte außerhalb oder für umfassenderen Schutz ist eine Auslandskrankenversicherung sinnvoll. Wer diese drei Punkte vor dem Abflug erledigt, spart sich im Ausland Stress und unnötige Kosten.

Quellen (4)

Häufig gestellte Fragen

Wie viel Erasmus+ Förderung bekomme ich 2026 pro Monat?

Für österreichische Studierende liegt der monatliche Mobilitätszuschuss 2026 bei rund 520 € in der teuren Ländergruppe 1 (etwa Deutschland, Frankreich, Italien) und rund 470 € in den Gruppen 2 und 3 (etwa Spanien, Polen, Tschechien). Studierende mit geringeren Chancen erhalten 250 € im Monat zusätzlich. Die genaue Höhe legt die Hochschule innerhalb der OeAD-Vorgaben fest.

Wie hoch ist die Auslandsbeihilfe ab 1. März 2026?

Seit 1.3.2026 beträgt die Beihilfe für Auslandsstudien 450 € im Monat für die teure Ländergruppe 1 und für Staaten außerhalb der EU, sowie 250 € für die günstigere Ländergruppe 2. Wer nur den Grundbetrag der Studienbeihilfe bezieht, bekommt zusätzlich 180 € im Monat. Sie wird höchstens 20 Monate gewährt.

Bekomme ich Erasmus+ und Auslandsbeihilfe gleichzeitig?

Ja. Erasmus+ ist ein EU-Mobilitätszuschuss für alle Studierenden, die Auslandsbeihilfe ist eine StudFG-Leistung nur für Studienbeihilfen-Bezieher. Es sind zwei verschiedene Töpfe, die sich addieren. Dazu laufen Familienbeihilfe und Studienbeihilfe während des Auslandssemesters weiter.

Läuft die Familienbeihilfe während des Auslandssemesters weiter?

Ja. Bei einem Auslandssemester im Rahmen des Studiums bleibt die Familienbeihilfe erhalten, weil das Studium fortgesetzt wird. Auch die Studienbeihilfe läuft weiter, sofern Anspruch und Studienerfolg gegeben sind. Beide muss man nicht extra neu beantragen.

Ab welchem Semester kann ich die Auslandsbeihilfe beantragen?

Frühestens ab dem dritten Semester der Studienrichtung. Das Auslandsstudium muss mindestens einen Monat dauern, pro Monat sind mindestens 3 ECTS nachzuweisen. Der Antrag ist spätestens drei Monate nach Beginn des Auslandsstudiums zu stellen.

Was kostet ein Auslandssemester ungefähr?

Realistisch sind je nach Land 500 bis 2.000 € im Monat für Miete, Essen und Versicherung. In Skandinavien und Großstädten liegt man am oberen Ende, in Süd- und Osteuropa deutlich darunter. Die Förderungen decken meist einen Teil, selten die kompletten Kosten.

Gibt es einen Reisekostenzuschuss?

Ja, gleich doppelt. Erasmus+ zahlt einen einmaligen Reisekostenzuschuss nach Distanz, höher bei umweltfreundlicher Anreise (Green Travel). Beihilfenbezieher erhalten zusätzlich einen StudFG-Reisekostenzuschuss, der seit 1.3.2026 zwischen 56 € und 1.735 € je nach Entfernung liegt.

MH
Martin Höllinger

Chefredakteur finanzguide.at