Buy Now Pay Later 2026 Österreich - Risiken und neue Regeln

Von Martin Höllinger Stand 20.06.2026 Lesezeit 12 Min Quellen geprüft

Was ist Buy Now Pay Later und wie riskant ist es?

Buy Now Pay Later (BNPL) heißt: Ware sofort, Zahlung später. Im Online-Handel begegnet Ihnen das als Rechnungskauf mit 14 bis 30 Tagen Frist, als Ratenzahlung oder als frei wählbarer Zahlungsaufschub - meist über Anbieter wie Klarna, PayPal oder Riverty. Pünktlich gezahlt ist der Rechnungskauf oft gratis. Gefährlich wird es erst bei Verzug und bei mehreren Käufen parallel.

Das eigentliche Risiko ist nicht der einzelne Kauf, sondern die Summe. Wer auf drei Shops gleichzeitig “später zahlen” anklickt, verliert den Überblick - und genau dann schlagen Mahnspesen, Verzugszinsen und im schlimmsten Fall Inkassokosten zu.


Die drei BNPL-Modelle im Vergleich

Hinter dem Schlagwort stecken drei unterschiedliche Produkte mit unterschiedlichem Kostenrisiko:

ModellFristZinsfrei?Hauptrisiko
Rechnungskauf14-30 Tagemeist jaMahnspesen bei Verzug
Späterer Zahlungsterminbis ~90 Tageoft javergessene Fälligkeit
Ratenzahlungmehrere Monatemeist neinZinsen, Sammelschulden

Der Rechnungskauf ist die harmloseste Variante, solange Sie die Frist einhalten. Die Ratenzahlung über mehrere Monate ist dagegen ein verzinster Kredit - hier gilt dasselbe wie bei jedem Ratenkredit: Maßstab ist der effektive Jahreszins, nicht die niedrig wirkende Monatsrate. Wer eine größere Anschaffung plant, fährt mit einer durchgerechneten Null-Prozent-Finanzierung oder einem klassischen Kredit oft transparenter.

Warum BNPL bisher kaum reguliert war

Das überrascht viele: Der kurzfristige Rechnungskauf fiel bisher meist gar nicht unter das Verbraucherkreditgesetz. § 4 VKrG nimmt zwei Fälle ausdrücklich aus. Erstens gilt das Gesetz nur für Kredite ab 200 Euro - kleinere Beträge fallen heraus. Zweitens sind Kredite ausgenommen, die binnen drei Monaten zurückzuzahlen sind und bei denen nur geringe Kosten anfallen.

Genau in diese zweite Lücke passt der typische BNPL-Rechnungskauf: zinsfrei, fällig in 14 bis 30 Tagen. Dadurch entfielen bislang die strengen Schutzmechanismen - keine zwingende Kreditwürdigkeitsprüfung, keine umfangreichen vorvertraglichen Informationen, kein gesetzliches Rücktrittsrecht aus dem VKrG. Die Anbieter konnten den Bezahlvorgang so schlank halten, dass der Kauf mit zwei Klicks erledigt war. Bequemlichkeit, die genau das Problem verschärft: Die Hemmschwelle sinkt, das Schuldenrisiko steigt.

Was sich ab 20. November 2026 ändert

Damit ist bald Schluss. Das Verbraucherkreditrechts-Änderungsgesetz 2026 (VerKRÄG 2026) setzt die neue EU-Verbraucherkreditrichtlinie 2023/2225 in österreichisches Recht um. Das Gesetz wurde im Mai 2026 im Parlament beschlossen und tritt am 20. November 2026 in Kraft. Es erfasst erstmals ausdrücklich BNPL-Modelle, zinsfreie Kredite und Kleinstkredite unter 200 Euro.

PunktBisherAb 20.11.2026
Kleinstkredite unter 200 €ausgenommenerfasst
Zinsfreier Rechnungskaufmeist ausgenommenerfasst
Bonitätsprüfungfreiwilligverpflichtend
Vorvertragliche Informationminimalerweitert, auch mobil
Rücktrittsrechtoft keines aus VKrGgesetzlich verankert

Der schärfste Punkt ist die Kreditwürdigkeitsprüfung: Künftig muss vor jedem BNPL-Kauf die Bonität geprüft werden, und bei negativem Ergebnis darf der Kredit nicht mehr gewährt werden. Für Sie bedeutet das mehr Schutz vor Überschuldung - aber auch, dass manche Käufe abgelehnt werden, die heute noch durchgewunken würden. Die Informationspflichten werden erweitert und an mobile Geräte angepasst, weil ein Großteil der BNPL-Käufe am Smartphone passiert.


Der Fall Klarna: AK gewinnt vor dem Handelsgericht Wien

Wie nötig schärfere Regeln sind, zeigt ein Verfahren der Arbeiterkammer. Nach zahlreichen Beschwerden ließ die AK sieben Klauseln und zwei Geschäftspraktiken von Klarna gerichtlich überprüfen. Das Handelsgericht Wien gab ihr großteils recht.

Besonders deutlich fiel das Urteil bei den Mahnspesen aus. Klarnas pauschal gestaffelte Mahngebühren stiegen automatisch an - unabhängig davon, ob die Kundin am Verzug schuld war und ohne Rücksicht auf ein angemessenes Verhältnis zur Forderungshöhe. Das Gericht erklärte diese Praxis für unzulässig. Gekippt wurden außerdem widersprüchliche Fälligkeitsregeln (mal ab Rechnungsdatum, mal ab Versand, mal ab Erhalt) wegen Intransparenz sowie die Vorgabe, Beschwerden ausschließlich über App oder Website einreichen zu dürfen.

Das Muster dahinter kennt die VKI-Beratung gut. In der Zeitschrift KONSUMENT häufen sich Fälle, in denen Klarna trotz erfolgter Zahlung weiter mahnt, Inkassobüros monatelang Forderungen eintreiben, die längst beglichen sind, oder Kunden für nicht zugestellte Pakete und verweigerte Retourlabels zur Kasse gebeten werden. Das ist kein Argument gegen jedes BNPL - aber eine Warnung, Belege penibel aufzubewahren.

Die echten Kostenfallen

Solange alles glattläuft, ist BNPL günstig. Teuer wird die Verkettung von Pannen:

  • Mahnspesen und Verzugszinsen: Jede verspätete Rate löst Gebühren aus. Auch wenn pauschal überhöhte Mahnspesen nun gerichtlich beanstandet sind, bleiben angemessene Verzugskosten zulässig.
  • Die Dispofalle: Wer eine Rate nicht decken kann und ins Minus rutscht, zahlt auf dem Girokonto oft über 10 Prozent Überziehungszinsen - die zinsfreie Bequemlichkeit wird so durch die Hintertür teuer.
  • Sammelschulden: Mehrere kleine BNPL-Käufe fühlen sich harmlos an, ergeben aber in Summe eine monatliche Belastung, die das Budget übersteigt. Überschuldung entsteht selten durch einen großen Kredit, sondern schleichend durch viele kleine Verpflichtungen.

Prüfen Sie deshalb vor jedem “später zahlen” ehrlich, ob die Rate auch neben den übrigen Fixkosten leistbar bleibt. Wer schon mehrere offene Forderungen jongliert, sollte über eine Umschuldung nachdenken, bevor aus Konsumschulden ein Fall für den Privatkonkurs wird.

Bonität: auch BNPL hinterlässt Spuren

Ein verbreiteter Irrtum ist, dass kleine Online-Käufe an der Bonitätsdatei vorbeigingen. Schon heute fragen die Anbieter vor dem Kauf bei KSV1870 oder CRIF ab, und offene oder an Inkasso übergebene Forderungen können dort als Negativeintrag landen. Ab 20. November 2026 wird die Prüfung ohnehin zur Pflicht.

Das hat Folgen über den einzelnen Kauf hinaus. Wer viele BNPL-Verträge laufen hat, dessen Score kann sinken - und das fällt unangenehm auf, sobald eine größere Finanzierung ansteht, etwa ein Auto- oder Wohnkredit. Banken rechnen offene Ratenverpflichtungen bei der Leistbarkeitsprüfung gegen das verfügbare Einkommen; jeder laufende BNPL-Vertrag schmälert also den Spielraum für den nächsten Kredit. Ein sauberes Zahlungsverhalten und der Verzicht auf zu viele Parallelkäufe sind hier die beste Vorsorge - und einmal jährlich lohnt die kostenlose Selbstauskunft, um falsche Einträge früh zu erkennen.

Ihre Rechte und das richtige Vorgehen bei Problemen

Geht etwas schief, sind Sie nicht wehrlos. Bei unberechtigten Mahnungen gilt: Zahlen Sie nicht vorschnell, wenn Sie sicher nichts schulden. Informieren Sie Händler, Zahlungsdienstleister und ein etwaiges Inkassobüro schriftlich und gleichzeitig, und bewahren Sie alle Belege auf - Überweisungsbestätigung, Rücksendeschein, Trackingnummer. VKI und AK stellen dafür Musterbriefe bereit.

Beim Onlinekauf haben Sie zusätzlich das 14-tägige Rücktrittsrecht nach dem Fern- und Auswärtsgeschäfte-Gesetz: Sie dürfen die Ware binnen 14 Tagen ab Erhalt ohne Begründung zurückgeben. Mit der Rücksendung entfällt auch die Zahlungspflicht - eine BNPL-Forderung für zurückgeschickte Ware müssen Sie nicht begleichen. Mehr zu Gewährleistung und Rücktritt finden Sie im Konsumentenschutz-Ratgeber. Und ein simpler Schutz gegen die Dispofalle: einen kleinen Puffer auf einem Tagesgeldkonto halten, damit eine fällige Rate nie das Girokonto ins Minus zieht.

So nutzen Sie BNPL, ohne in die Falle zu tappen

BNPL ist nicht per se schlecht. Der zinsfreie Rechnungskauf hat einen echten Vorteil: Sie sehen die Ware erst, prüfen sie und zahlen erst dann - gerade bei Kleidung mit unsicherer Größe oder bei einem Händler, den Sie nicht kennen, ist das ein Sicherheitsgewinn gegenüber der Vorkasse. Entscheidend ist, wie diszipliniert Sie damit umgehen. Vier Regeln halten das Risiko klein:

  • Nur einen Anbieter parallel. Wer Klarna, PayPal und Riverty gleichzeitig nutzt, verliert die Übersicht über die Fälligkeiten. Bleiben Sie bei einem Dienst, dann landen alle offenen Beträge in einer App.
  • Fälligkeit sofort eintragen. Der häufigste Verzug entsteht nicht aus Geldmangel, sondern aus Vergesslichkeit. Ein Kalendereintrag zwei Tage vor Fälligkeit verhindert die meisten Mahnspesen.
  • Behandeln Sie BNPL wie Sofortzahlung. Legen Sie den Kaufbetrag gedanklich sofort zur Seite. Was Sie sich beim Rechnungskauf nicht leisten könnten, können Sie sich auch in 30 Tagen nicht leisten.
  • Ratenzahlung getrennt bewerten. Beim Rechnungskauf geht es um eine Frist, bei der Ratenzahlung um einen verzinsten Kredit. Vergleichen Sie Letztere immer mit dem Effektivzins eines normalen Ratenkredits, statt sich von der niedrigen Monatsrate blenden zu lassen.

Ein Wort zu den Anbietern: Klarna und PayPal bieten alle drei Modelle vom Rechnungskauf bis zur längeren Ratenzahlung, Riverty ist vor allem auf den Rechnungskauf spezialisiert. Welcher Dienst im Checkout erscheint, entscheidet der Händler, nicht Sie - und welches Modell vorausgewählt ist, lässt sich oft noch ändern. Klicken Sie nicht ungeprüft auf die teuerste Variante. Wer diese Regeln einhält, nutzt den Komfort, ohne in die Schuldenspirale zu geraten, vor der Konsumentenschützer zu Recht warnen.


Quellen (4)

Häufig gestellte Fragen

Was ist Buy Now Pay Later?

Buy Now Pay Later (BNPL) ist ein Sammelbegriff für Bezahlmodelle im Online-Handel, bei denen Sie die Ware sofort erhalten, aber erst später zahlen - per Rechnung in 14 bis 30 Tagen, in mehreren Raten oder mit einem frei wählbaren Zahlungsaufschub. Anbieter sind etwa Klarna, PayPal und Riverty.

Ist Buy Now Pay Later kostenlos?

Der kurzfristige Rechnungskauf ist meist zinsfrei, solange Sie pünktlich zahlen. Teuer wird es bei Zahlungsverzug: Mahnspesen, Verzugszinsen und Inkassokosten summieren sich schnell. Längere Ratenzahlungen über mehrere Monate sind oft verzinst - hier zählt der effektive Jahreszins, nicht die kleine Monatsrate.

Wird bei Buy Now Pay Later die Bonität geprüft?

Ja. Anbieter führen vor dem Kauf eine Bonitätsabfrage durch, meist bei KSV1870 oder CRIF. Ab 20. November 2026 ist die Kreditwürdigkeitsprüfung durch das Verbraucherkreditrechts-Änderungsgesetz 2026 verpflichtend - auch bei Kleinstbeträgen unter 200 Euro. Bei negativer Prüfung darf der Kredit dann nicht mehr gewährt werden.

Was ändert sich 2026 bei Buy Now Pay Later in Österreich?

Ab 20. November 2026 fällt BNPL durch das VerKRÄG 2026 (Umsetzung der EU-Richtlinie 2023/2225) unter das Verbraucherkreditrecht. Neu sind verpflichtende Bonitätsprüfung, erweiterte vorvertragliche Informationspflichten, ein Rücktrittsrecht und die Einbeziehung von Kleinstkrediten unter 200 Euro sowie zinsfreier Kredite.

Sind Klarnas Mahnspesen zulässig?

Nein, nicht in der bisherigen Form. Das Handelsgericht Wien gab der Arbeiterkammer recht: Klarnas pauschal gestaffelte Mahngebühren sind unzulässig, weil sie unabhängig vom Verschulden der Kundin erhoben wurden und in keinem angemessenen Verhältnis zur Forderung standen. Insgesamt wurden sieben Klauseln gekippt.

Was tun bei einer Klarna-Mahnung trotz Zahlung?

Nicht vorschnell zahlen, wenn Sie sicher nichts schulden. Informieren Sie Händler, Klarna und ein etwaiges Inkassobüro schriftlich, bewahren Sie Überweisungsbelege, Rücksendescheine und Trackingnummern auf. VKI und AK stellen Musterbriefe bereit und beraten bei unberechtigten Forderungen.

MH
Martin Höllinger

Chefredakteur finanzguide.at