Bonität KSV1870 Österreich 2026 - Score, Selbstauskunft, Löschung
KSV1870 vs. CRIF - die Auskunfteien Österreichs
| Merkmal | KSV1870 | CRIF Austria |
|---|---|---|
| Sitz | Wien | Wien |
| Schwerpunkt | Banken, B2B-Handel | Telekommunikation, Versandhandel |
| Selbstauskunft | online, E-Mail, Post | online, Post |
Banken in Österreich fragen meist beide Auskunfteien parallel ab - daher hat man als Konsument im Effekt zwei “Bonitätskonten”.
Was wird gespeichert?
Standarddaten:
- Name, Adresse, Geburtsdatum.
- Bestehende Kreditverträge und Kontodaten.
- Zahlungsverhalten (pünktlich, verzögert, ausgefallen).
- Mahnverfahren und Exekutions-Verfahren.
- Privatkonkurs und Schuldenregulierung.
- Konsumkredit-Abfragen anderer Banken (1 Jahr).
Was nicht gespeichert wird:
- Einkommen (sofern nicht freiwillig angegeben).
- Vermögen.
- Familienstand.
- Religion, politische Einstellung.
Was der Bonitätsindex bedeutet
KSV1870 und CRIF verdichten die gespeicherten Daten zu einem Bonitätsindex - einer Kennzahl, die das Ausfallrisiko ausdrückt. Beim KSV reicht die Skala grob von sehr guter Bonität bis zu “Zahlungsausfall wahrscheinlich”; je niedriger das Risiko, desto besser die Kreditkonditionen. Der genaue Algorithmus ist nicht öffentlich, die Richtung der Faktoren aber klar: pünktliche Zahlungen und stabile Verhältnisse heben den Wert, Mahnungen, Inkasso und häufige Kreditanfragen senken ihn.
Wichtig zu verstehen: Der Index ist kein fixes Urteil, sondern eine Momentaufnahme. Er verbessert sich, sobald negative Einträge ihre Frist erreichen und gelöscht werden und neues, sauberes Zahlungsverhalten dazukommt. Wer ein, zwei Jahre konsequent pünktlich zahlt, sieht das im Score.
Löschfristen 2026
| Eintrag | Speicherdauer |
|---|---|
| Konsumkredit-Anfrage | 1 Jahr |
| Pünktliche Tilgung Kredit | 3 Jahre nach Tilgung |
| Verspätete Zahlung (Mahnung) | bis 1 Jahr nach Ausgleich |
| Inkasso-Verfahren | 3 Jahre nach Bezahlung |
| Exekutionsverfahren | 3 Jahre nach Beendigung |
| Privatkonkurs / Schuldenregulierung | 7 Jahre nach Aufhebung |
Bei strittigen Einträgen ist DSGVO-Recht auf Korrektur und Löschung anwendbar.
Wer außer Banken den KSV abfragt
Bonitätsabfragen sind nicht auf Kredite beschränkt. Mit berechtigtem Interesse fragen auch ab:
- Mobilfunk- und Internetanbieter vor Vertragsabschluss mit Gerätefinanzierung,
- Versandhändler beim Kauf auf Rechnung oder Raten,
- Energieversorger bei Neuanmeldung,
- Vermieter teils vor Abschluss eines Mietvertrags.
Eine schwache Bonität spürt man also nicht erst beim Kredit, sondern schon beim neuen Handyvertrag, der nur gegen Vorauszahlung zustande kommt. Umgekehrt heißt das: Auch geplatzte Handyrechnungen oder offene Versandhandelsforderungen landen in der Datenbank und belasten später den Kreditantrag - kleine Schulden haben hier dieselbe Wirkung wie große.
Vor dem Kreditantrag: die richtige Reihenfolge
Wer eine größere Finanzierung plant, holt die Selbstauskunft drei bis sechs Monate vorher ein - nicht erst, wenn die Bank schon prüft. Der Vorlauf hat einen Grund: Falsche oder veraltete Einträge zu korrigieren dauert Wochen, und erledigte Einträge verschwinden nicht sofort.
Die sinnvolle Reihenfolge: zuerst beide Selbstauskünfte (KSV1870 und CRIF) anfordern, dann strittige Einträge mit Belegen reklamieren, parallel kleine offene Forderungen begleichen - und erst mit bereinigter Auskunft zum Kreditgespräch. Wer der Bank zuvorkommt, verhandelt aus der besseren Position.
Beispiel: Bonitätsprüfung für Hypothekarkredit
Szenario: Junges Paar will Kredit über 250.000 € aufnehmen.
| Aspekt | Bewertung Bank |
|---|---|
| Beide unbefristet beschäftigt | + |
| Netto-Haushaltseinkommen 4.500 €/Monat | + |
| Eigenkapital 60.000 € (24 %) | + |
| KSV1870: 1 Inkasso-Eintrag 2024 (bezahlt, noch 2 Jahre gespeichert) | - |
| CRIF: 2 Mobilfunk-Anfragen 2025 | leicht negativ |
| Geplante Monatsrate 1.300 € = 29 % vom Einkommen | + |
Ergebnis: Bank fordert höheren Zinsaufschlag (0,3-0,5 PP) oder zusätzliche Sicherheit. Kredit grundsätzlich möglich.
Selbstauskunft - so geht’s
Wichtig vorweg: Die kostenlose Auskunft nach Art. 15 DSGVO und der kostenpflichtige InfoPass sind zwei verschiedene Produkte. Für den Überblick über die eigenen Daten reicht die kostenlose Variante völlig.
Kostenlose DSGVO-Auskunft (KSV1870):
- Online über den digitalen Antrag des KSV1870 stellen - alternativ per E-Mail an ksv.auszug@ksv.at oder per Post (KSV1870 Information GmbH, Wagenseilgasse 7, 1120 Wien).
- Scan von Lichtbildausweis und Meldebestätigung beilegen.
- Die Auskunft kommt innerhalb eines Monats, meist als PDF per E-Mail.
Kostenpflichtiger InfoPass: Wer es eilig hat, bekommt gegen Gebühr eine Auskunft binnen weniger Werktage. Nötig ist das selten - die kostenlose Auskunft genügt für Kontrolle und Korrektur.
CRIF-Selbstauskunft: Ebenfalls kostenlos nach Art. 15 DSGVO, über das Auskunftsformular auf crif.at.
Falsche Einträge löschen
Schritt 1: Schriftlich widersprechen.
- Brief oder Mail an datenschutz@ksv.at.
- Konkreten Eintrag bezeichnen.
- Beleg beifügen (Zahlungsnachweis, Vergleich, Urteil).
Schritt 2: KSV antwortet innerhalb 1 Monat.
- Prüft den Eintrag, korrigiert oder lehnt ab.
- Bei Ablehnung: Begründung.
Schritt 3: Bei Streit Schiedsstelle der WKO oder DSB.
- Datenschutzbehörde (DSB) prüft DSGVO-Verstöße.
- Schiedsstelle für gütliche Einigung.
Schritt 4: Klage am Bezirksgericht.
- Letztes Mittel.
- Anwaltspflicht ab gewissen Streitwerten.
Bonität verbessern - praktische Schritte
- Pünktliche Zahlungen über mindestens 12 Monate dokumentieren.
- Konsumkredite tilgen, statt neue aufzunehmen.
- Dispo-Kredit nicht über 50 % ausnutzen.
- Zwei Hauptbankverbindungen statt zehn Klein-Konten.
- Kreditkarten-Limits voll bezahlen, nicht nur Mindestrate.
- Mahnverfahren vermeiden - bei drohendem Zahlungsausfall frühzeitig Stundung verhandeln.
Häufige Irrtümer über den KSV
Rund um die Bonität halten sich Mythen, die zu falschen Entscheidungen führen:
- “Jede Kreditanfrage schadet.” Falsch. Eine reine Konditionsanfrage zum Vergleich wird neutral gespeichert und beeinflusst den Score nicht. Erst die verbindliche Kreditanfrage wird vermerkt - und auch die nur ein Jahr. Mehrere Vergleichsangebote einzuholen ist also unbedenklich.
- “Der KSV kennt mein Gehalt.” Nein. Einkommen und Vermögen werden nur gespeichert, wenn man sie selbst angibt. Der KSV sieht Zahlungsverhalten, nicht den Kontostand.
- “Negative Einträge kann man wegzahlen lassen.” Nur falsche Einträge werden gelöscht. Korrekte Negativeinträge bleiben bis zum Ablauf ihrer Frist - bezahlen verkürzt sie, löscht sie aber nicht sofort.
- “Kein Eintrag heißt gute Bonität.” Auch nicht ganz. Wer noch nie einen Kredit hatte, hat keine positive Zahlungshistorie, die die Bank überzeugt - eine dünne Datenlage kann den Erstkredit erschweren.
Bonität ohne Kredithistorie
Gerade junge Menschen stehen vor dem Henne-Ei-Problem: Ohne Kredithistorie ist die Datenlage dünn, und die Bank hat wenig, worauf sie ihre Entscheidung stützt. Hier helfen andere Signale - ein unbefristetes Arbeitsverhältnis, ein stabiles Gehaltskonto über längere Zeit, keine Kontoüberziehungen. Ein erster kleiner, pünktlich bedienter Kredit (oder eine ordentlich geführte Kreditkarte) baut über die Zeit genau die positive Historie auf, die spätere größere Finanzierungen erleichtert. Wichtig ist nur, nicht mehrere kleine Verpflichtungen gleichzeitig anzuhäufen.
Verbindung zu Schufa Deutschland
Wer in beiden Ländern (Österreich + Deutschland) lebt oder Konten hat:
- Schufa speichert deutsche Daten.
- KSV1870 + CRIF speichern österreichische Daten.
- Beide tauschen sich nicht automatisch aus.
- Aber: Bei grenzüberschreitender Kreditvergabe fragen Banken oft beide Systeme ab.
Konsequenz: Ein KSV-Eintrag ist in Deutschland nicht direkt sichtbar - aber bei expliziter Anfrage durch eine deutsche Bank wird er bekannt.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der KSV1870?
Der Kreditschutzverband von 1870 ist Österreichs älteste Gläubigerschutzorganisation. Er sammelt Bonitätsdaten (Zahlungsverhalten, Kredite, Einkommen) und gibt sie an Banken, Vermieter, Telekom-Anbieter weiter.
Welche Auskunfteien gibt es in Österreich?
KSV1870 und CRIF sind die zentralen privaten Auskunfteien. Die deutsche Schufa hat in Österreich keine Bedeutung. Banken nutzen meist beide österreichischen Anbieter parallel.
Wie bekomme ich eine kostenlose Selbstauskunft?
Nach Art. 15 DSGVO kostenlos: online über den digitalen Antrag auf ksv.at, per E-Mail an ksv.auszug@ksv.at oder per Post - mit Ausweiskopie und Meldebestätigung. Die Antwort kommt binnen eines Monats. Der kostenpflichtige InfoPass ist dafür nicht nötig.
Wie lange bleiben Einträge gespeichert?
Zahlungsverzug bis 3 Jahre nach Begleichung, Privatkonkurs 7 Jahre nach Aufhebung, Kredit-Anfragen 1 Jahr. Die konkrete Frist hängt von der Eintragskategorie ab.
Wie lösche ich falsche Einträge?
Schriftlicher Widerspruch beim KSV1870 mit Belegen. Bei strittigen Fällen Schiedsstelle der WKO oder Klage. Frist KSV zur Antwort: 1 Monat.
Bekomme ich trotz negativem KSV einen Kredit?
Sehr schwer. Banken lehnen meist ab. Alternativen: Bürgschaft, Mikrokredit über Sozialstellen, oder Schuldenberatung mit Sanierungsplan vor neuem Antrag.
Chefredakteur finanzguide.at